Froonck Matthée: ‘Es ist ein Blick hinter die Kulissen unserer Berufs-Magie’

Bei «Duell der Hochzeitsprofis» kämpft Froonck Matthée mit kreativen Konzepten um die Gunst der Brautpaare. Im Interview erklärt der Weddingplaner, was den neuen ZDF-Wettbewerb so spannend macht, warum außergewöhnliche Ideen auch ein Risiko sind und wie sehr Social Media Hochzeiten verändert hat.

Herr Matthée, mit «Duell der Hochzeitsprofis» kehren Sie zu Ihren Fernsehwurzeln zurück. Was hat Sie an diesem neuen Format sofort überzeugt?
Der Challenge-Charakter, mich mit einem Kollegen, einer Kollegin zu messen und die Neugierde, was mein Mitbewerber kann und bietet. Und dann natürlich der Kribbel-Moment: wie entscheidet das Brautpaar!

Anders als früher begleiten Sie nicht nur ein Brautpaar, sondern treten im direkten Wettbewerb gegen andere Hochzeitsplaner an. Wie verändert das Ihre Arbeit?
Die detaillierte, fundierte Arbeit, was ich Besonderes zaubern kann für mein Brautpaar bleibt. Ich frage mich natürlich, was könnte der Wettbewerber präsentieren, und wie kann ich ihn übertreffen, um so das Brautpaar für mich zu begeistern. Teilweise wird es so sicher Außergewöhnlicher – aber darin liegt auch das Risiko!

Hochzeiten haben sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. Welche Trends beobachten Sie derzeit besonders häufig und welche Modeerscheinungen verschwinden Ihrer Meinung nach hoffentlich bald wieder?
Ui, für Trends bin ich überhaupt nicht mehr zu haben. Ich entwickle eigene Ideen, abgestimmt auf das jeweilige Brautpaar mit seinen ganz eigenen Bedürfnissen. Eigentlich bin ich damals vor 24 Jahren angetreten, um Hochzeiten zu entstauben, weniger traditionell und dafür individueller zu gestalten, also mehr die Wünsche und Vorstellungen des Paares in den Mittelpunkt zu stellen und weniger die Erwartungen der Familien und der Gesellschaft zu erfüllen. Und das ist mir immer sehr gut gelungen, darauf bin ich wirklich stolz. Durch die Socials wird das nun quasi konterkariert, da hier leider eine weltweite Vereinheitlichung des Geschmacks erzielt wird und viele Bräute nun nach dem gleichen streben.

Viele Paare stehen heute unter dem Druck, ihre Hochzeit möglichst spektakulär für Social Media zu inszenieren. Macht das die Planung schwieriger als früher?
Klar! Man muss einfach leider viele Nos aussprechen. D.h. die „verrückten“ Vorstellungen halten dem Realitätscheck, will zuvorderst sagen dem Budgetcheck meist nicht stand. Die Vorarbeit – sie beinhaltet auch das „Entrümpeln“ des riesigen Angebots - ist also deutlich größer geworden, bevor es mit der eigentlichen Planung und Umsetzung losgehen kann.

Zwischen 2005 und 2007 waren Sie mit «Frank – Der Weddingplaner» einer der ersten Hochzeitsplaner im deutschen Fernsehen. Wenn Sie heute auf diese Zeit zurückblicken, welche Erinnerungen kommen Ihnen als Erstes in den Sinn?
Ja, ich war der Erste! 😀 Unglaubliche Freude und Dankbarkeit und Staunen, dass ich das damals alles so „easy“ gemeistert hatte. Es war eine riesige Produktion, bei der ich monatelang durch Deutschland und Österreich tourte – einmal war ich sogar in Südtirol (die höchste Kirche Europas), jede Nacht in einem anderen Hotel schließ und fast alle außergewöhnlichen deutschen Hochzeitsorte besuchen durfte. Es war wirklich aufregend, wahnsinnig und einmalig. Für mich als TV-Neuling auch eine echte Herausforderung.

Die Sendung gilt vielen Fans bis heute als Kultformat, wird aber seit Jahren nicht mehr wiederholt. Bedauern Sie es, dass diese frühen Folgen praktisch verschwunden sind?
Oh ja, absolut! Zum Glück habe ich noch alle Kopien zuhause! 😉 Das war wirklich eine ganz besondere Sendung, die auch von den tollen und speziellen Brautpaaren lebte. Die Stimmung am Set war immer großartig, die Kulissen oft ausgefallen, die Brautpaar-Wünsche einzigartig, die Hochzeiten vielseitig, weshalb es mir unglaublichen Spaß gemacht hat. Das übertrug sich auf die Paare und auch die Zuschauer – eine wirklich wundervolle Energie!

Glauben Sie, dass «Frank – Der Weddingplaner» heute – vielleicht in modernisierter Form – noch einmal funktionieren würde?
Spannende Frage. Ich habe einige Jahre lang gekämpft, dieses Format zurückzubringen. Ich denke schon, dass es begeistern würde. Ich habe mich schließlich nicht verändert 😉, und es gibt immer noch genügend Brautpaare, die von einer individuellen, einzigartigen, ausgefallenen Hochzeit träumen! Vielleicht gibt mir das ZDF ja die Gelegenheit 😉.

Einem Millionenpublikum wurden Sie später durch «4 Hochzeiten und eine Traumreise» bekannt. Was hat dieses Format aus Ihrer Sicht so erfolgreich gemacht?
Der Wettbewerb der teilnehmenden Paare, also Bräute vor allem und ihr Laien-Blick auf die Wettbewerberinnen-Hochzeiten. Das Urteil war wie zu erwarten weder objektiv noch professionell – und deshalb interessant - und leider oft auch nicht wohlwollend, weshalb ich als Experte dann ins Spiel kam, die Bewertungen und Analysen zurechtzurücken. Der Live-Besuch auf den Hochzeiten der Konkurrentin war natürlich äußerst pikant. Außerdem gab es verschiedene Kulturen zu sehen und wie unterschiedlich man Hochzeiten feiern kann – Diversität und viel Inspiration für zukünftige Brautpaare. Das war auch immer das enorme eMail-Feedback an mich. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle an alle Fans und treuen Zuschauer!

Die Sendung verschwand trotz treuer Fangemeinde aus dem Programm. Viele Zuschauer vermuten, dass wirtschaftliche Gründe dahinterstanden. Haben Sie selbst eine Erklärung dafür, warum das Format nicht fortgesetzt wurde?
Oh, es war viel einfacher und erschütternder und hieß Covid! Es fanden ja keine Hochzeiten mehr statt, somit konnten wir auch keine mehr drehen. Damit war es aus! Als es 2022 langsam wieder losging mit großen Festen, war der Zug leider abgefahren bzw. der Sendeplatz besetzt.

Wären Sie grundsätzlich offen für eine Rückkehr von «4 Hochzeiten und eine Traumreise», falls sich eine Gelegenheit ergeben sollte?
Unbedingt! Es hat mir unglaublich viel Freude bereitet, all diese tollen Paare und Hochzeiten von meinem Studio-Sessel aus zu begleiten, alles zu kommentieren, zu erläutern oder einzufangen, und v.a. im Finale dann auch die vier Bräute zu treffen.

Das Fernsehen hat sich seit Ihren ersten Formaten stark verändert, Streaming und Mediatheken spielen heute eine viel größere Rolle. Welche Chancen bietet das für Unterhaltung rund um das Thema Hochzeit?
Die Fangemeinde würde sicher noch größer, da das Konsumieren unabhängig vom Sendeplatz stattfindet. Ich selber schaue auch nur noch selten live, da ich so meine berufliche und private Zeit besser nutzen und frei einteilen kann. Wermutstropfen: Live-Produktionen sind fast verschwunden, wohingegen ich sie aufgrund des Adrenalins liebe (s. «Stars auf Eis», wo ich den 3. Platz belegte). Viele KollegenInnen „trauen“ sich heute nicht mehr live vor die Kamera – ohne Netz und doppelten Boden. Das Streaming andererseits hat neue Etats eröffnet, so dass hier auch große Sendungen für ein großes Publikum produziert werden könnten.

In «Duell der Hochzeitsprofis» stehen Kreativität und Persönlichkeit der Planer stärker im Mittelpunkt. Worauf dürfen sich Zuschauer besonders freuen?
Ich würde sagen auf die einzelnen Konzepte, Ideen und Herangehensweisen der Planer. Außerdem bekommt man unsere Arbeit hautnah „vor Ort“ mit. Was wird präsentiert, wer hat bessere Vorschläge, und wird die Hochzeit am Ende wirklich so wie in der Präsentation versprochen? – Unglaublich spannend, denke ich. Es ist ein Blick hinter die Kulissen unserer täglichen Berufs-Magie!

Sie begleiten Paare seit Jahrzehnten an einem der wichtigsten Tage ihres Lebens. Hat sich Ihr Blick auf die Ehe und das Thema Liebe in dieser Zeit verändert?
Ja, eindeutig! Zu Beginn war ich mir ehrlich gesagt der Tragweite, der Wichtigkeit dieses uralten Rituals nicht so bewusst. Also des Kerns der Hochzeit: der Trauung, der Zeremonie, des Ja-Wortes.

Gerade heutzutage, wo das Leben noch volatiler und gefährdeter ist, oft der gesellschaftliche Zusammenhalt oder familiäre Rückhalt fehlt und junge Menschen aufgrund der unendlich erscheinenden Möglichkeiten verunsichert und der weltweiten Connection entwurzelt sind, ist das Bedürfnis nach dem Partner fürs Leben sehr groß, wenn nicht sogar größer als früher.

Und wenn man ihn gefunden hat, sollte man dieses große Glück auch angemessen zelebrieren. Um es sich selbst und allen anderen bewusst und sichtbar zu machen und in eine Form zu gießen, die den Hürden des Alltags und den Krisen des Lebens standhält.

Wenn Sie auf Ihre Fernsehkarriere von «Sarah & Marc in Love», «Giulia in Love?!», «Stars auf Eis», «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus» über «Frank – der Weddingplaner» und «4 Hochzeiten und eine Traumreise» bis zum neuen ZDF-Format blicken: Was macht Sie besonders stolz – und was möchten Sie mit «Duell der Hochzeitsprofis» noch erreichen?
Ach, das liest sich doch ganz hübsch 😉 „Erreichen“ möchte ich in dem Sinne eigentlich nichts mehr.
Ein neues eigenes Format wäre frooncktastisch, eine außergewöhnliche Talkshow auch gerne, weil mich Menschen und Herausforderungen interessieren. Ich stehe einfach sehr gerne vor der Kamera, also liebe die teilweise crazy Arbeit unter Zeitdruck mit den super Teams (Redaktion, Kamera, Ton, Maske, Kostüm…), und hoffe, dass ich den Zuschauern den Alltag bunter gestalten, ein wenig Freude schenken und ein bisschen Liebe geben kann. Darum geht es letztendlich.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Duell der Hochzeitprofis» wird sonntags um 14.00 Uhr gesendet. Die Premiere ist ab 4. September um 10.00 Uhr im ZDF abrufbar.
03.09.2026 11:51 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/174979