3sat widmet sich dem Eltern-Burnout

Die «NANO Doku» fragt, warum Eltern an den Ansprüchen moderner Erziehung erschöpfen und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse Familien tatsächlich entlasten können.

3sat nimmt am Donnerstag, 8. Oktober, um 20.15 Uhr das Thema Eltern-Burnout in den Blick. Die Erstausstrahlung «NANO Doku» „Eltern-Burnout – Was hilft gegen Erziehungsstress?“ von Denise Dismer beschäftigt sich mit chronischer Erschöpfung bei Müttern und Vätern. Nach Angaben des Senders halten rund fünf Prozent der Eltern den dauerhaften Belastungen nicht stand und entwickeln ein Burnout. Die Dokumentation ist bereits ab Sonntag, 4. Oktober, um 06.00 Uhr im Streaming-Angebot verfügbar.

Dabei scheint die Ausgangslage zunächst paradox: Mütter und Väter verbringen heute mehr Zeit mit ihren Kindern als noch vor zehn Jahren, zugleich waren Informationen über Erziehung wohl nie so einfach zugänglich. Ratgeber, soziale Netzwerke und wissenschaftliche Erkenntnisse liefern nahezu permanent Empfehlungen. Gerade gut informierte Eltern können dadurch jedoch unter Druck geraten. Wer versucht, möglichst jede Empfehlung umzusetzen und alles richtig zu machen, läuft Gefahr, Erziehungstipps als unumstößliche Regeln zu verstehen.

Hinzu kommen zahlreiche Belastungen des Alltags. Die Dokumentation thematisiert unter anderem Leistungsdruck, finanzielle Sorgen, die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit, abwesende Väter und Auseinandersetzungen über die Mediennutzung von Kindern. Fehlen gleichzeitig ausreichende Erholungsphasen, kann aus alltäglichem Stress eine dauerhafte Überforderung entstehen. Ein Eltern-Burnout kann sich sowohl körperlich als auch psychisch bemerkbar machen und in besonders schweren Fällen mit Suizidgedanken einhergehen.

Zu Wort kommt unter anderem die Psychologin Maria Elena Brianda von der Universität Lüttich, die zum Eltern-Burnout forscht. Sie sieht auch die Wissenschaft in der Verantwortung. „Wir Fachleute müssen klarer kommunizieren“, erklärt Brianda. Wissenschaftliche Erkenntnisse über eine gute Entwicklung von Kindern dürften demnach nicht dazu führen, dass Eltern glauben, jede einzelne Empfehlung perfekt umsetzen zu müssen.

Oskar Jenni, Professor für Entwicklungspädiatrie und Arzt am Universitäts-Kinderspital Zürich, warnt ebenfalls vor der Vorstellung einer perfekten Erziehungsmethode. Familien, Kinder und Lebenssituationen seien zu unterschiedlich für allgemeingültige Rezepte. Entscheidend sei vielmehr, auch die Bedürfnisse der Eltern ernst zu nehmen. „Wenn die Bedürfnisse der Eltern nicht mehr gedeckt sind, dann schaffen sie es nicht, sich um die Kinder zu sorgen“, sagt Jenni.

Grundlage seiner Arbeit sind unter anderem die Zürcher Longitudinalstudien. Seit den 1950er-Jahren wurden dabei knapp 1000 Kinder über einen langen Zeitraum wissenschaftlich begleitet. Einige der inzwischen mehr als 70 Jahre alten Studienteilnehmer wirken weiterhin an dem Forschungsprojekt mit. Dadurch soll untersucht werden, welche Erfahrungen und Bedingungen während der Kindheit langfristig zu einem guten und gesunden Leben beitragen.

Einen weiteren Blick auf den gesellschaftlichen Umgang mit Eltern liefert Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. Begriffe wie „Helikopter-Eltern“ oder „Rasenmäher-Eltern“ können ihrer Einschätzung nach zu einer Abwertung und zusätzlichen Verunsicherung von Müttern und Vätern beitragen. Dabei fällt das Urteil der eigenen Kinder deutlich positiver aus: Rund 75 Prozent der von Kolleck untersuchten 14- bis 20-Jährigen beschreiben das Verhältnis zu ihren Eltern als sehr gut und geben an, von ihnen zur Eigenständigkeit ermutigt zu werden.

Die «NANO Doku» will damit nicht nur zeigen, warum Eltern unter Druck geraten, sondern auch hinterfragen, welche Ansprüche an moderne Elternschaft überhaupt sinnvoll sind. Direkt im Anschluss vertieft 3sat das Thema: Um 21.00 Uhr folgt der «NANO Talk», den Alena Buyx und Stephanie Rohde im Wechsel moderieren und in dem Gäste unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven auf das jeweilige Thema einbringen.
29.08.2026 11:12 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/174957