Podstars: «Der Zug – Wie starb Hannes?»

Ein 25-jähriger Fußballfan stürzt 2016 aus einer fahrenden Regionalbahn und stirbt. Zehn Jahre später versuchen Leonie Bartsch und Linn Schütze herauszufinden, was in jener Nacht wirklich geschah.

Am 1. Oktober 2016 steigt Hannes Schindler nach einem Fußballabend in einen Regionalzug. Nach Hause nach Magdeburg wird der 25-Jährige nicht mehr kommen. Während der Fahrt stürzt er aus der Bahn und erliegt später seinen schweren Verletzungen. Was zunächst wie ein tragischer Unglücksfall erscheint, entwickelt sich zu einem Rätsel, das seine Familie und Freunde bis heute beschäftigt. Ist Hannes aus Angst aus dem Zug gesprungen? Oder wurde er gestoßen?

Mit «Der Zug – Wie starb Hannes?» widmen sich die Journalistinnen Leonie Bartsch und Linn Schütze einem Fall, in dem Fußballrivalität, mögliche Gewalt und jahrelanges Schweigen aufeinandertreffen. Die fünfteilige Podcast-Serie entsteht in Zusammenarbeit ihrer Produktionsfirma Auf Ex Productions mit der Süddeutschen Zeitung. Bartsch und Schütze sind unter anderem durch «Mord auf Ex», «Die Nachbarn» und die SZ-Serie «Die Jägerin» bekannt.

Ausgangspunkt der Recherche ist die Begegnung zwischen Hannes und Fans des Halleschen FC. Hannes selbst ist Anhänger des 1. FC Magdeburg – und damit ausgerechnet Fan des großen Rivalen. In der ersten Episode „Durch Feindesland“ zeichnen die Reporterinnen nach, wie aus einem zunächst normalen Samstag eine tödliche Nacht wird. Hannes und seine Freunde waren nach dem Stadion noch feiern und wollten anschließend mit dem Zug zurück nach Magdeburg. Durch mehrere unglückliche Umstände geraten sie jedoch in eine Situation, die zunehmend bedrohlich wird.

Besonders genau widmet sich der Podcast den letzten Minuten vor Hannes' Sturz. In „41 Sekunden“ sprechen die Journalistinnen mit einem Mann, der damals im Zug saß. Außerdem stoßen sie auf drei Zeuginnen, deren Aussagen Zweifel an der offiziellen Version des Geschehens wecken. Ihre Beobachtungen werfen die Frage auf, ob Hannes möglicherweise doch nicht freiwillig aus dem Zug sprang – und warum ihre Aussagen bei den damaligen Ermittlungen offenbar nicht die Bedeutung erhielten, die sie selbst erwartet hätten.

Damit rückt auch die Arbeit der Ermittlungsbehörden in den Mittelpunkt. Die Familie von Hannes versteht bis heute nicht, warum das Verfahren vergleichsweise früh eingestellt wurde. In der dritten Folge „Tod und Hass“ untersucht der Podcast deshalb nicht nur die damaligen Ermittlungen, sondern auch die Folgen, die der Tod für Hannes' Umfeld hatte. Vor allem sein bester Freund kann die Wut über das Geschehene kaum kontrollieren.

Die Recherche führt Bartsch und Schütze schließlich tief in das Umfeld fanatischer Fußballfans. Ein überraschender Hinweis bringt sie nach Halle. Eine Frau behauptet, zu wissen, wer für Hannes' Tod verantwortlich sei. Die Journalistinnen versuchen daraufhin, Menschen aus dem damaligen Umfeld direkt mit ihren Fragen zu konfrontieren. Im Finale geht es schließlich um diejenigen Männer, die nach Ansicht der Reporterinnen wissen könnten, was in jener Nacht tatsächlich geschehen ist.

«Der Zug» ist damit nicht nur eine True-Crime-Serie über einen ungeklärten Todesfall. Der Podcast erzählt ebenso von den Eltern Silke und Horst Schindler, die seit einem Jahrzehnt nach Antworten suchen und die Erinnerung an ihren Sohn bewahren. Gleichzeitig geht es um Loyalität innerhalb einer abgeschotteten Fußballszene und die Frage, wie schwer Wahrheit zu finden ist, wenn mögliche Zeugen schweigen. Alle fünf Folgen inzwischen auch bei Spotify zur Verfügung.

20.09.2026 12:01 Uhr  •  Sebastian Schmitt Kurz-URL: qmde.de/174785