Die Dokumentation «Don Juan, tot und lebendig» beschäftigt sich mit einer Figur, die seit Jahrhunderten Literatur, Theater und Oper prägt.

arte nimmt in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 27. September, einen der bekanntesten Frauenhelden der europäischen Kulturgeschichte unter die Lupe. Um 00.55 Uhr feiert der 93-minütige Dokumentarfilm
«Don Juan, tot und lebendig» seine deutsche Fernsehpremiere. Bereits ab dem 19. September steht die französische Produktion aus dem Jahr 2023 im Streamingangebot von Arte zur Verfügung.
Don Juan ist seit mehr als 400 Jahren Teil der europäischen Kulturgeschichte. Als Abenteurer, Verführer und kompromissloser Freigeist taucht er immer wieder in Literatur, Theater und Musik auf. Besonders Molières „Don Juan“ und Mozarts „Don Giovanni“ haben dazu beigetragen, die Figur über Jahrhunderte lebendig zu halten. Noch heute wird der Stoff regelmäßig an Schauspiel- und Opernhäusern auf der ganzen Welt neu interpretiert.
Dabei ist Don Juan keineswegs ein klassischer Held. Er lügt und betrügt, begeht Ehebruch, wendet Gewalt an und verweigert sich gesellschaftlichen und moralischen Regeln. Seinen Ursprung hat die Figur im frühen 17. Jahrhundert: Der spanische Mönch und Dramatiker Tirso de Molina brachte den Stoff erstmals auf die Bühne. Bereits dort wird Don Juans Verhalten bestraft – am Ende landet er in der Hölle.
Dennoch entwickelte sich insbesondere im 19. Jahrhundert ein teilweise positives Bild des Verführers. Don Juan konnte als Rebell erscheinen, der sich gesellschaftlichen Zwängen widersetzt und seine persönliche Freiheit über bestehende Konventionen stellt. Genau diese Lesart ist inzwischen problematischer geworden. Spätestens die durch #MeToo intensivierte Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen, sexueller Gewalt und überkommenen Geschlechterbildern wirft einen anderen Blick auf die Figur.
Die Dokumentation von Olivia Mokiejewski und Mosco Levi Boucault nimmt diesen Widerspruch zum Ausgangspunkt. Sie fragt, weshalb eine Figur, deren Verhalten nach heutigen Maßstäben vielfach abstoßend erscheint, noch immer eine solche kulturelle Anziehungskraft besitzt. Dazu kommen Menschen zu Wort, die sich über Jahre mit Don Juan beschäftigt, den Stoff inszeniert, interpretiert oder musikalisch umgesetzt haben.
Unter ihnen befindet sich Regisseur Robert Carsen, der Don Juan als „antireligiös, areligiös und unreligiös“ beschreibt. Damit rückt neben dessen Verhältnis zu Frauen eine weitere Dimension in den Mittelpunkt: Don Juan lehnt nicht nur moralische Grenzen ab, sondern widersetzt sich grundsätzlich Autoritäten und gesellschaftlichen Ordnungen.