Bei Hooligans findet ein ins Abseits geratener junger Mann zum ersten Mal Anschluss in seinem Leben: Was macht die israelische Serie aus dieser Prämisse?
Ein junger Mann steht vor einem Fußballstadion, und eigentlich ist Fußball nicht einmal sein Ding. Dann gerät er in eine Auseinandersetzung und landet bei einer Gruppe, die ausgerechnet das verkörpert, was ihm bisher gefehlt hat: Zugehörigkeit. Anerkennung. Eine Familie. Nur dass diese Familie aus gewalttätigen Hooligans besteht und der junge Mann gleichzeitig als Spitzel für die Polizei arbeitet.
Meni ist keine klassische Thrillerfigur. Er ist kein abgeklärter Ermittler, kein Actionheld und schon gar kein moralisch überlegener Beobachter. Er ist ein junger Mann, der eigentlich keine Perspektive besitzt. Dass ausgerechnet die Hooligans ihm eine solche Perspektive geben, bildet den psychologisch interessantesten Kern der Geschichte. Die Serie versteht zunächst, dass Radikalisierung nicht zwingend dort beginnt, wo jemand eine Ideologie übernimmt. Sie kann schon viel früher ansetzen: bei dem Wunsch, endlich irgendwo dazuzugehören. Das ist die große Idee von «Hooligans». Und leider auch ihre größte verpasste Chance.
Gerade eine Serie über Hooligans müsste sich fragen, welche gesellschaftliche Funktion diese Gruppen eigentlich erfüllen. Warum entsteht eine Gemeinschaft, deren Mitglieder sich über Gewalt definieren? Was unterscheidet Fanatismus von Gemeinschaft? Warum ist die Zugehörigkeit zu einer gewalttätigen Gruppe für einen jungen Menschen emotional attraktiver als die Zugehörigkeit zu jener Gesellschaft, die ihn anschließend als Problemfall behandelt? «Hooligans» berührt diese Fragen, beantwortet sie aber kaum. Stattdessen verfällt die Serie immer wieder einer eigenartigen Milieuromantik: Die „Wächter der Mauern“ sind zweifellos gefährlich. Sie sind kriminell, brutal und bereit, ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Gleichzeitig werden sie als Männerbund inszeniert, der klare Regeln besitzt und seinen Mitgliedern eine fast familiäre Wärme bietet. Die Serie möchte beides gleichzeitig: die Gruppe als kriminelle Vereinigung verurteilen und sie als emotional funktionierende Ersatzfamilie zeigen. Diese Ambivalenz wäre grundsätzlich ein großer Vorzug. Nur müsste die Serie daraus auch eine wirkliche Ambivalenz entwickeln.