Mit «Leonard Part 6» wollte Cosby auch das Kino erobern. Das Ergebnis war so schlecht, dass Cosby selbst dem Publikum davon abriet, dafür Geld auszugeben.

Es gehört schon einiges dazu, einen Film noch vor seinem Kinostart öffentlich zu demontieren. Normalerweise verteidigen Schauspieler ihre Werke zumindest während der Werbetour, selbst wenn hinter den Kulissen längst klar ist, dass etwas schiefgelaufen ist. Bill Cosby wählte bei
«Leonard Part 6», der in Deutschland den wesentlich markigeren Titel «Bill Cosby – Die Superkanone» erhielt, einen anderen Weg. Der damalige Superstar erklärte öffentlich, dass er mit dem Ergebnis unzufrieden sei, und riet den Zuschauern sogar davon ab, ihr Geld dafür auszugeben.
Das war umso bemerkenswerter, weil Cosby keineswegs nur der Hauptdarsteller eines fremden Projekts war. Er hatte die Geschichte entwickelt, produzierte den Film und besaß entsprechend großen Einfluss auf dessen Entstehung. Regisseur Paul Weiland sollte aus der Idee eine Agentenparodie machen. Mit einem Budget von rund 24 Millionen US-Dollar war «Leonard Part 6» für die damalige Zeit zudem keine kleine Komödie. Doch am Ende spielte der Film gerade einmal rund 4,6 Millionen Dollar ein.
Die Handlung lässt bereits erahnen, weshalb die Sache schwierig wurde. Cosby spielt Leonard Parker, einen früheren CIA-Agenten, der sich inzwischen aus dem Geheimdienstgeschäft zurückgezogen hat und ein Restaurant betreibt. Schon der Titel enthält den ersten Witz: Angeblich handelt es sich um den sechsten Teil einer Filmreihe. Die ersten fünf Abenteuer seien jedoch aus Gründen der nationalen Sicherheit unter Verschluss. Tatsächlich existierten natürlich niemals fünf vorherige «Leonard»-Filme.
Leonards ruhiges Leben endet, als sein früherer CIA-Chef Nick Snyderburn ihn um Hilfe bittet. Eine Bösewichtin namens Medusa Johnson hat eine Methode entwickelt, mit der sie Tiere kontrollieren und gegen Menschen einsetzen kann. Sie schickt unter anderem Frösche und andere scheinbar harmlose Kreaturen los, um ihre Gegner auszuschalten. Leonard soll verhindern, dass Medusa mit ihrer tierischen Armee die Macht übernimmt.
Damit beginnt eine Agentengeschichte, die offenbar gleichzeitig James Bond, «Rambo» und klassische Slapstick-Komödien parodieren möchte. Cosby hatte die Idee nach eigenen Angaben beim Ansehen eines «Rambo»-Films entwickelt. Er wollte einen Helden erschaffen, der sich gegen überlegene Gegner nicht mit immer größeren Waffen, sondern auf ungewöhnliche Weise behauptet. Leonard wurde von ihm als eine Art technisch aufgerüstete Comicfigur beschrieben.
Das klingt zumindest nach einer brauchbaren Grundlage für eine absurde Actionkomödie. Auf der Leinwand besteht der Humor jedoch unter anderem aus aggressiven Tieren, Vegetariern in Vogelkostümen, sexuell erregten Bienen und einem Angriff durch Hummer. Leonard erhält außerdem sogenanntes magisches Fleisch, mit dem er Medusas vegetarische Anhänger bekämpfen kann. Später zerstört er deren Anlage mithilfe von Alka-Seltzer und flieht schließlich auf einem Strauß, der entgegen sämtlicher biologischer Regeln sogar fliegen kann.
Hinzu kommt eine Nebenhandlung um Leonards Ehefrau Allison. Die Beziehung der beiden ist gescheitert, doch selbstverständlich führt die Rettung der Welt am Ende auch zur Versöhnung des Ehepaares. Medusa entführt Allison, Leonard muss erneut in das Hauptquartier der Schurkin eindringen und kann schließlich sowohl seine Frau als auch die Menschheit retten.
Das eigentliche Problem ist dabei nicht einmal die Absurdität. Eine Agentenparodie darf vollkommen verrückt sein. «Die nackte Kanone» bewies wenig später eindrucksvoll, wie fantastisch eine Kombination aus Spionagegeschichte, Slapstick und völliger Übertreibung funktionieren kann. «Bill Cosby – Die Superkanone» scheitert vielmehr daran, dass kaum eine der verrückten Ideen tatsächlich zu einer funktionierenden Pointe führt.
Regisseur Paul Weiland sprach Jahre später ungewöhnlich offen über die katastrophale Produktion. Er bezeichnete den Film als schweren Fehler und beschrieb Cosby als einen Star, der in seiner damaligen Machtposition von Menschen umgeben gewesen sei, die ihm kaum widersprachen. Weiland habe versucht, Cosby darauf hinzuweisen, dass bestimmte Szenen nicht funktionierten. Cosby soll darauf sinngemäß erwidert haben, Weiland solle sich um die Konstruktion des Films kümmern, während er selbst für die Komik zuständig sei.
Damit lässt sich ziemlich gut erklären, was «Leonard Part 6» letztlich wurde: ein Starprojekt, bei dem offenbar niemand genug Einfluss besaß, um rechtzeitig auf die Bremse zu treten. Cosby befand sich Mitte der 1980er Jahre auf dem Höhepunkt seiner Popularität. «The Cosby Show» war seit 1984 ein gewaltiger Erfolg bei NBC und machte ihren Hauptdarsteller zu einem der mächtigsten Entertainer des amerikanischen Fernsehens. Für Columbia Pictures dürfte ein großer Kinofilm mit diesem Namen entsprechend attraktiv gewesen sein.
Die Rechnung ging vollkommen daneben. Bei Produktionskosten von 24 Millionen Dollar kamen weltweit beziehungsweise am amerikanischen Markt nur gut 4,6 Millionen Dollar zusammen. Allein anhand der Kinoeinnahmen fehlten damit knapp 20 Millionen Dollar zum Produktionsbudget – Marketing und der Anteil der Kinos noch gar nicht berücksichtigt. «Leonard Part 6» wurde damit zu einem der auffälligsten finanziellen Fehlschläge des Kinojahres 1987.
Die Kritiker waren nicht gnädiger. Roger Ebert zählte den Film zu den schlechtesten Produktionen des Jahres, Gene Siskel vergab überhaupt keinen Stern und urteilte sogar, dass der Film schlimmer sei als der berüchtigte Flop «Ishtar». Besonders häufig wurde kritisiert, dass Cosbys eher verbal funktionierende Komik in einer auf körperlichen Slapstick aufgebauten Actionkomödie kaum zur Geltung komme. Auch die teilweise sehr auffällige Produktplatzierung sorgte für Spott.
Bei der Goldenen Himbeere folgte schließlich die entsprechende Abrechnung. «Leonard Part 6» gewann als schlechtester Film, Bill Cosby erhielt die Auszeichnung als schlechtester Schauspieler und auch das Drehbuch wurde prämiert. Hinzu kamen Nominierungen für Paul Weiland und Gloria Foster. Cosby reagierte darauf immerhin mit Humor: Er verlangte eigens angefertigte Razzies aus 24-karätigem Gold und italienischem Marmor und präsentierte sie später im Fernsehen mit der Feststellung, er habe bei den Preisen abgeräumt.
Für Cosbys damalige Karriere bedeutete der Film erstaunlicherweise keinen sofortigen Absturz. «The Cosby Show» lief noch bis 1992 weiter und blieb über Jahre enorm erfolgreich. Auch später arbeitete er weiter als Schauspieler und Entertainer. Seine öffentliche Karriere brach erst Jahrzehnte später infolge zahlreicher Vorwürfe sexueller Übergriffe und der daraus entstandenen Gerichtsverfahren zusammen. «Leonard Part 6» war also keineswegs der Grund für das Ende seiner Karriere, sondern zunächst nur ein außergewöhnlich großer Kinoflop.
Andere Beteiligte kamen wesentlich besser davon. Paul Weiland arbeitete nach seinem missglückten Kinodebüt weiter und inszenierte später unter anderem Episoden der britischen Erfolgsserie «Mr. Bean» sowie die Komödie «Made of Honor». Kameramann Jan de Bont stieg sogar zu einem der bekanntesten Actionregisseure der 1990er Jahre auf: Er inszenierte «Speed» und «Twister». Der Filmkomponist Elmer Bernstein war ohnehin längst eine Hollywoodgröße und hatte Klassiker wie «Die glorreichen Sieben» vertont. Auch Tom Courtenay setzte seine erfolgreiche Schauspielkarriere fort. Gloria Foster wurde Jahre später einem völlig neuen Publikum als Orakel in «The Matrix» und «The Matrix Reloaded» bekannt.
Gerade diese Namen machen den Film noch bemerkenswerter. Hier arbeiteten keineswegs ausschließlich unerfahrene Leute an einem kleinen Billigprojekt. «Leonard Part 6» verfügte über einen großen Star, ein stattliches Budget und zahlreiche hochqualifizierte Filmschaffende. Trotzdem entstand eine Produktion, die heute regelmäßig in Aufzählungen der schlechtesten Filme der 1980er Jahre auftaucht. Der Film zeigt mustergültig, was passieren kann, wenn sich ein Projekt zu stark um die Vorstellungen eines einzigen Stars dreht. Cosby entwickelte die Idee, produzierte den Film und spielte die Hauptrolle. Gleichzeitig war der Regisseur offenbar nicht in der Lage, entscheidende Veränderungen durchzusetzen. Als das Ergebnis fertig war, distanzierte sich ausgerechnet derjenige öffentlich davon, der zuvor besonders großen Einfluss darauf gehabt hatte. Das macht den Fall beinahe einzigartig. Ein Filmstar, der das Publikum noch vor der Premiere davor warnt, seinen eigenen Film anzusehen, nimmt einem Desaster praktisch die Pointe vorweg.