Frederik Meisner über «Glücksrad»: ‚Heute wären sie froh über unsere Quoten‘
Fast zehn Jahre lang war Frederik Meisner eines der Gesichter des «Glücksrad». In einem ausführlichen Interview blickte der Moderator nun auf den kometenhaften Aufstieg der Gameshow, die Enttäuschung über das Ende bei Sat.1 und die zahlreichen Neuauflagen zurück. Dabei spart der heute 74-Jährige auch nicht mit Kritik an den damaligen Verantwortlichen.
Kaum eine tägliche Gameshow hat das deutsche Privatfernsehen so geprägt wie «Glücksrad». Ende der 1980er- und in den 1990er-Jahren gehörte das Format zu den absoluten Zugpferden von Sat.1. Gemeinsam mit Peter Bond wechselte sich Frederik Meisner als Moderator ab und wurde innerhalb weniger Jahre zu einem der bekanntesten Fernsehgesichter Deutschlands. Im YouTube-Format «Glücksrad Talk» blickte Meisner jetzt ausführlich auf diese Zeit zurück – und sprach über Erfolge, Enttäuschungen und den schleichenden Niedergang der Kultsendung.
Dabei verriet Meisner zunächst, wie überraschend seine Verpflichtung zustande gekommen war. Vom amerikanischen Original «Wheel of Fortune» habe er damals kaum etwas gewusst. Produzent Gerd Neuhaus lud ihn zu einem Casting nach München ein, bei dem rund 80 Moderatoren vorsprechen mussten. Gemeinsam mit Peter Bond setzte sich Meisner schließlich durch. Beim Casting sei sogar ein kleines Glücksrad aufgebaut worden, an dem die Bewerber improvisieren mussten. Zu diesem Zeitpunkt habe allerdings niemand geahnt, welche Erfolgsgeschichte daraus entstehen würde.
Als «Glücksrad» im November 1988 startete, sei Sat.1 zunächst nur in rund 350.000 Haushalten terrestrisch empfangbar gewesen. Mit der bundesweiten Verbreitung des Senders explodierten jedoch auch die Einschaltquoten. Meisner erinnert sich, dass die Show beinahe täglich Platz eins oder zwei in den Quotenlisten belegte und zeitweise bis zu sieben Millionen Zuschauer erreichte. Für den Moderator war diese Entwicklung selbst kaum zu fassen. Er spricht von einer Popularität, die sämtliche Erwartungen übertroffen habe. Während andere große Unterhaltungssendungen oder Serien hinter dem «Glücksrad» landeten, sei die tägliche Gameshow zum Aushängeschild von Sat.1 geworden.
Mit dem Erfolg stieg auch seine Bekanntheit sprunghaft an. Noch heute würden regelmäßig Fans aus ganz Deutschland nach München reisen, nur um ein Autogramm oder ein gemeinsames Foto mit ihm zu bekommen. Manche nähmen dafür mehrere Stunden Anfahrt in Kauf. Andere brächten gleich ganze Stapel mit Fotos zum Signieren mit. Selbst an Ampeln werde er gelegentlich noch erkannt, erzählte Meisner lachend. Die Popularität habe allerdings auch kuriose Seiten gehabt. Eine besonders hartnäckige Verehrerin habe ihm bei nahezu jeder Aufzeichnung Liebesbriefe zugesteckt, sich später sogar in einer Toilette eingeschlossen und behauptet, sie habe ein Kind von ihm. Die Polizei habe schließlich eingreifen müssen.
Großen Anteil am Erfolg schrieb Meisner Produzent Gerd Neuhaus zu. Dieser habe als langjähriger Regisseur genau gewusst, wie man eine tägliche Show inszenieren müsse. Mit fünf Kameras, klaren Abläufen und einem hohen Qualitätsanspruch habe Neuhaus dafür gesorgt, dass «Glücksrad» den Charakter einer großen Unterhaltungsshow bekam. Gleichzeitig kritisierte Meisner rückblickend die zahlreichen Eingriffe der Senderverantwortlichen. Während seiner Zeit bei Sat.1 habe er insgesamt sieben Programmdirektoren erlebt. Jeder neue Verantwortliche habe das erfolgreiche Konzept verändern wollen. Mal sollten Elemente aus den USA übernommen werden, ein anderes Mal habe sogar die Idee bestanden, eine Saxophonistin dauerhaft in die Mitte des Studios zu setzen. Für Meisner waren viele dieser Änderungen überflüssig, schließlich habe die Sendung bereits hervorragend funktioniert.
Ein weiteres Thema waren die Produktionsbedingungen. Anders als viele Zuschauer vielleicht vermutet hätten, sei der organisatorische Aufwand enorm gewesen. Kandidatenbetreuung, Preisbeschaffung, Kamerateams und Redaktion hätten täglich Hand in Hand gearbeitet. Anfangs hätten Mitarbeiter sogar noch selbst Sachpreise organisiert, weil die Produktion innerhalb kürzester Zeit aufgebaut werden musste. Gleichzeitig sei das Studio bei nahezu jeder Aufzeichnung voll besetzt gewesen. Rund 250 Zuschauer seien zunächst an der Havelchaussee, später in Adlershof, regelmäßig dabei gewesen. Probleme mit mangelndem Zuschauerinteresse habe es praktisch nie gegeben.
Besonders ausführlich sprach Meisner über das Ende der Sat.1-Ära. Obwohl «Glücksrad» noch immer rund 3,5 bis 3,7 Millionen Zuschauer erreichte, seien die Verantwortlichen mit den Werten in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen unzufrieden gewesen. Diese Entwicklung habe letztlich das Aus besiegelt. Für den Moderator war vor allem die Art und Weise enttäuschend. Bei der letzten Aufzeichnung sei kein Geschäftsführer, kein Unterhaltungschef und kein Senderverantwortlicher erschienen. Lediglich Peter Hanning habe sich im Studio blicken lassen. Eine Abschlussfeier habe es ebenso wenig gegeben wie ein offizielles Dankeschön. „Das wurde einfach ausgesessen“, fasste Meisner die Situation zusammen. Aus heutiger Sicht könne Sat.1 über solche Zuschauerzahlen nur noch froh sein, fügte er mit Blick auf das heutige Programm an.
Nur wenige Wochen später setzte Kabel Eins auf Kontinuität und verpflichtete Meisner für eine Fortsetzung der Show. Freitags endete das «Glücksrad» bei Sat.1, montags lief es bereits beim kleineren Schwestersender weiter. Vor dem Start habe er sogar mit Kabel-Eins-Chef Georg Kofler gewettet, dass die erste Ausgabe mehr als drei Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von über zehn Prozent erzielen würde. Laut Meisner traf genau das ein: Rund 3,05 Millionen Zuschauer und 10,8 Prozent Marktanteil bescherten ihm schließlich sogar eine Kiste Champagner, die Kofler ihm als Wetteinsatz in die Garderobe stellen ließ.
Allerdings bemerkte der Moderator schnell Unterschiede. Während bei Sat.1 noch mit fünf Kameras produziert worden sei, habe man bei Kabel Eins aus Kostengründen nur noch drei Kameras eingesetzt. Auch das Preisangebot sei deutlich kleiner geworden. Später hätten Teleshopping-Unterbrechungen und preiswerte Sachpreise wie Brotbackmaschinen oder Teddybären den Charakter der Sendung verändert. Für Meisner begann damit der langsame Qualitätsverlust des Formats. Besonders schmerzlich sei gewesen, dass viele Mitarbeiter der ursprünglichen Produktion nicht mehr dabei gewesen seien.
Mit den späteren Neuauflagen geht der Moderator hart ins Gericht. Die RTL-II-Version mit Thomas Hermanns bezeichnete er sinngemäß als Fehlschlag. Aus seiner Sicht habe man versucht, aus einer klassischen Gameshow eine Comedyveranstaltung zu machen. Genau das widerspreche aber dem eigentlichen Wesen des Formats. «Glücksrad» lebe davon, dass die Zuschauer zu Hause mitraten, nicht davon, dass der Moderator permanent Gags mache. Auch spätere Versionen bei RTLplus oder anderen Sendern hätten den ursprünglichen Geist der Sendung nicht mehr eingefangen. Deshalb spricht Meisner heute von „verbrannter Erde“, die zahlreiche Neuauflagen hinterlassen hätten. Zwar würde er sich grundsätzlich über ein hochwertiges Comeback freuen, nach den vielen misslungenen Versuchen sei dies allerdings schwierig geworden.
Heute hat sich Frederik Meisner längst ein zweites berufliches Standbein aufgebaut. Seit 2014 verkauft er unter seinem Namen hochwertige Trachtenmode und steht nahezu täglich selbst in seinem Münchner Geschäft. Dort begrüßt er Kunden persönlich, verpackt sogar Online-Bestellungen eigenhändig und legt jeder Lieferung eine handgeschriebene Nachricht bei. Genau dieser persönliche Kontakt bereite ihm bis heute große Freude. Gleichzeitig zeigt der Moderator keinerlei Berührungsängste mit seiner Fernsehvergangenheit. Im Gegenteil: Er bezeichnet das «Glücksrad» noch immer als den größten Glücksfall seiner Karriere und freut sich darüber, dass ihn Generationen von Fernsehzuschauern bis heute mit der Kultshow verbinden.