Mit «Mein bester Freund, seine Freundin und ich» präsentiert Marco Petry seine dritte Netflix-Produktion. Dank eines spielfreudigen Ensembles um Kostja Ullmann und David Kross funktioniert die romantische Komödie zwar als leichte Sommerunterhaltung, doch ein austauschbares Drehbuch und eine fehlende Botschaft verhindern, dass der Film lange in Erinnerung bleibt.
Kostja Ullmann gehört seit Jahren zu den besten Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Bereits in Marco Kreuzpaintners «Sommersturm» zeigte Ullmann an der Seite von Robert Stadlober, dass ihm eine lange Karriere bevorstehen würde. Seitdem hat er sich vor allem als Kinodarsteller etabliert, machte aber auch immer wieder Station beim klassischen Fernsehen. Zuletzt war er in «Das weiße Schweigen» als Serienmörder und Todespfleger Niels Högel zu sehen, später folgte das AppleTV+-Projekt «Where’s Wanda?». Als Butler James überzeugte er Weihnachten 2025 zudem in Amazons «Miss Sophie – Same Procedure as Every Year».
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt – und zum Glück ebenso schnell abgehandelt. Olli (Kostja Ullmann) ist ein sympathischer, aber etwas verpeilter Junge. Eines Tages kommt Matze (David Kross) neu in seine Klasse. Sein Problem: Er stottert. Dennoch freunden sich die beiden schnell an und verstehen sich auf Anhieb. Jahre später übernimmt Matze außerhalb seiner Arbeitszeit eine Wohnungsbesichtigung für Rebecca (Janina Uhse), die zunächst begeistert von dem Objekt ist. Doch Matze kann sein schlechtes Gewissen nicht verdrängen und verrät ihr, dass die Wohnung von Schimmel befallen ist und der Vermieter das Problem nicht in den Griff bekommt. Rebecca bedankt sich für die Ehrlichkeit und lädt ihn zum Abendessen ein. Dort begegnet sie erstmals Olli – und zwischen den beiden funkt es alles andere als positiv.
Damit «Mein bester Freund, seine Freundin und ich» noch etwas mehr Substanz erhält, wird zusätzlich die Geschichte von Schmitti (Ferdinand Hofer) und seiner Freundin erzählt. Olli und Matze besuchen dessen Geburtstag, sind dort allerdings eher geduldet als willkommen. Prompt sorgen sie in dem Reihenhaus für Chaos, nachdem sie versehentlich die Alarmanlage aktivieren. Warum diese schließlich tatsächlich losgeht, obwohl nichts Verdächtiges passiert, bleibt eines der vielen kleinen Geheimnisse des Films. Schmitti soll dabei immer wieder das verkörpern, was Matze nicht werden möchte: einen Mann, der sich den Vorstellungen seiner Frau komplett unterordnet. Beruflich hat Schmitti Karriere gemacht, die chaotische Dreierfreundschaft hinter sich gelassen und lebt inzwischen im Reihenhaus. Für Olli ist genau dieses Leben allerdings der absolute Albtraum. Doch auch er muss erkennen, dass Menschen älter werden und sich ihre Prioritäten verändern. Irgendwann legen die meisten den Schalter um und wünschen sich ein sesshaftes Leben.
Obwohl «Mein bester Freund, seine Freundin und ich» natürlich kein «Oppenheimer» sein will, fehlt dem Film dennoch eine klare Botschaft. Soll man nicht an Freundschaften klammern, wenn sich der beste Freund verliebt? Soll man seinem Partner Freiraum lassen, auch wenn dieser die Beziehung immer wieder auf die Probe stellt? Oder soll man seine Träume mit anderen Menschen verwirklichen, sobald eine Liebesbeziehung dazwischenkommt? All diese Fragen werden angerissen, aber nie wirklich beantwortet. Das Drehbuch bleibt inhaltlich unausgegoren und erlaubt sich zudem einige fragwürdige Logiklücken. So wird etwa ein Toaster derart manipuliert, dass er in Brand gerät und schließlich die Feuerwehr anrücken muss. Solche Momente werden anschließend mit einem lapidaren „Erzähle ich dir ein anderes Mal“ oder „Das ist eine lange Geschichte“ überspielt – Ausreden, die der Film erstaunlich oft bemüht.