«2ALIENS»-Schöpfer: 'Die Aliens werden mich definitiv noch ein paar Jahre begleiten'
Mit viel Leidenschaft und Ausdauer erschafft Thomas Zeug seit Jahren nahezu im Alleingang das Science-Fiction-Universum «2ALIENS». Im Quotenmeter-Interview spricht der Filmemacher über die neue Staffel, aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz, die Herausforderungen unabhängiger Produktionen und seine Pläne für die Zukunft.
Hinter «2ALIENS» steht mit Ihnen im Wesentlichen eine einzige kreative Vision. Wann entstand der Wunsch, ein eigenes Science-Fiction-Universum zu erschaffen?
Seit meiner Kindheit bin ich SciFi-Fan und habe auch mit meinen Spielsachen regelmäßig fantastische Geschichten durchgespielt. Entsprechend war der Wunsch dies auch festzuhalten schon immer da. Anfangs durch Zeichnungen, Comics, Hörspiele mit dem Kassettenrekorder und irgendwann schließlich als Film. Nachdem ich die Kamera von meinem Papa geschrottet habe, bin ich zwangsläufig zur Animation gerutscht.
Science-Fiction ist im deutschsprachigen Independent-Bereich eher selten. Warum haben Sie sich ausgerechnet für dieses Genre entschieden?
Es bietet auf ganz vielen Ebenen sehr interessante Möglichkeiten. Zum einen das Erforschen von wilden Ideen, die aber trotzdem in unserer Welt wurzeln. Zum anderen ein ganz freies Rumspinnen, welche Folgen denn manche Entwicklungen haben können, wie z.B. künstliche Intelligenz oder das Treffen auf eine fremde Spezies.
Zwischen der ersten und der zweiten Staffel liegen mehrere Jahre. Was hat Sie motiviert, die Geschichte jetzt weiterzuerzählen?
Ich hab‘ nie aufgehört. Animation ist sehr zeitaufwändig und da es "nur" ein Projekt in meiner Freizeit ist, zieht sich sowas auch gern über mehrere Jahre. Für die Serie habe ich zudem eine große Rahmenhandlung entwickelt, die ich neben den einzelnen Abenteuern in mehreren Staffeln mit den Charakteren erzählen möchte.
Die neue Staffel greift erneut aktuelle Themen wie künstliche Intelligenz, Desinformation und gesellschaftliche Entwicklungen auf. Wie wichtig ist es Ihnen, Science-Fiction immer auch als Spiegel der Gegenwart zu nutzen?
Science-Fiction ist das perfekte Genre, um solche Ideen auszuprobieren und mögliche Entwicklungen zu zeigen, an die vielleicht nicht jeder gleich denkt. Bei «2ALIENS» ist aber der Spaß das Hauptziel. Die Stories sollen unterhalten und mit unvorhersehbarem Humor witzige Geschichten erzählen. Wenn man dann hinter den Gags aber noch etwas ernstes zum Nachdenken einbauen kann, ist das die ideale Mischung.
Sie übernehmen bei diesem Projekt zahlreiche Aufgaben selbst. Was sind die größten Herausforderungen, wenn so viel kreative Verantwortung auf einer Person lastet?
Eigentlich nur, dass es etwas länger dauert. Ich mag es, dass ich in allen Bereichen der Produktion meine Finger drin habe. Beim Drehbuch, dem Sprechen, der Animation, dem Sounddesign, im Schnitt usw. Lediglich die Musik macht ein befreundeter Komponist. Ich bin zwar leidenschaftlicher Musikhörer, aber komponieren ist für mich absolute Zauberei und drum überlass ich es denen, die es können.
Unabhängige Produktionen verfügen meist nicht über die Budgets großer Streamingdienste. Wie gelingt es Ihnen trotzdem, eine glaubwürdige Science-Fiction-Welt entstehen zu lassen?
Das schöne bei 3D-Animation ist, dass man so gut wie keine Ressourcen braucht. Ich brauche keine teure Kamera, keine Sets, keine Requisiten. Das alles entsteht virtuell und kostet daher nicht viel. Alle paar Jahre leiste ich mir einen neuen Rechner und neuere Versionen der Software, wobei die ja inzwischen eh alle als Abo-Modelle laufen.
Welche Rückmeldungen zur ersten Staffel haben Ihre Arbeit an den neuen Folgen besonders beeinflusst?
Das positive Feedback generell stachelt einen ein, dass man sich noch mehr Mühe gibt und mit dem nächsten Projekt wieder begeistern möchte. Die Kommentare auf Youtube und Social Media sind immer sehr motivierend. Im Laufe der Jahre habe ich auch mehrere Leute kennengelernt, die wegen mir auch angefangen haben, Filme zu produzieren und sich teils auch beruflich in die Richtung entwickelt haben. Sowas freut einen dann natürlich besonders!
Ihre Geschichte verbindet Spannung mit philosophischen Fragen über Menschlichkeit und technologische Entwicklung. Woher kommt diese thematische Faszination?
Die Prämisse der Aliens, die im Erdorbit leben, bietet natürlich das perfekte Grundsetting uns Menschen zu reflektieren. So machen sich die Außerirdischen regelmäßig über unsere Eigenheiten lustig, nur um dann am Ende oft genug selbst in diese zu verfallen. Die Menschheit ist also so schlimm - oder vielleicht auch so cool - dass sie die anderen Spezies in ihrer Umgebung ansteckt!
Wie hat sich Ihre Arbeitsweise zwischen der ersten und der zweiten Staffel verändert – sowohl technisch als auch erzählerisch?
Technisch habe ich in den Jahren immer wieder neue Tricks gelernt, wie man bestimmte Aspekte beschleunigen oder vereinfachen kann. Erzählerisch ist die Serie im Laufe der Zeit erwachsener geworden, würde ich sagen. Stand am Anfang noch klar der Humor und Witz im Vordergrund, sind es in den jüngsten Episoden auch düsterere Themen wie Freier Wille oder der Umgang mit dem Tod, die in die Stories einfließen. Trotzdem soll die Serie aber weiterhin unterhalten und zum Lachen anregen.
Independent-Produktionen leben oft von Leidenschaft und Durchhaltevermögen. Gab es Momente, in denen Sie das Projekt beinahe aufgegeben hätten?
Wenn man beim Drehbuch-Schreiben mal an einer Stelle nicht weiterkommt oder bei der Umsetzung eine technische Kleinigkeit einfach nicht funktionieren will, dann möchte man oft am liebsten einfach alles hinschmeißen. Aber oft genug hat man an einem Tag wieder ein kleines Ergebnis geschafft, was einen motiviert, dass man weiter macht. Jedes kleine Puzzle-Teil, das am Ende wieder in einer neuen Episode landet, freut mich und treibt einen wieder an.
Wie wichtig ist Ihnen der direkte Austausch mit Ihrem Publikum, gerade weil Independent-Projekte häufig von einer besonders engagierten Fangemeinde getragen werden?
Ich bin regelmäßig auf Filmfestivals und premiere auch jedes Jahr was Neues von den Aliens oder einem anderen Projekt im Kino. Mitzukriegen wie das Publikum "live" reagiert ist immer etwas ganz Besonderes. Man hat sein Werk während der Produktion wahrscheinlich 10.000 Mal gesehen, aber im Kino mit vielen Leuten ist es, als würde man es das erste Mal sehen. Dort findet dann auch der beste Austausch mit dem Publikum und auch anderen Filmemachern statt, was sehr inspirierend ist und einem auch hilft, sich noch weiter zu verbessern.
Glauben Sie, dass sich die Möglichkeiten für unabhängige Serienproduktionen durch Streaming und digitale Plattformen in den vergangenen Jahren verbessert haben?
Leider in beide Richtungen. Es war nie einfacher als heute für sein Werk ein Publikum zu finden. Gleichzeitig wird dadurch auch der Markt unglaublich groß und man muss sich nochmal mehr anstrengen herauszustechen. Die größte Schwierigkeit ist tatsächlich Marketing. Man schreibt hunderte Seiten, Blogs, Influencer usw. an und bekommt nur in Außnahmefällen überhaupt eine Antwort, egal wie gut ein Film ist. Das ist demotivierend. Umso mehr freut man sich aber über jede Gelegenheit, wenn man doch etwas Werbung für sein Werk machen kann, wie z.B. hier auf Quotenmeter!
Haben Sie bereits weitere Pläne für das Universum von «2ALIENS» oder sehen Sie die zweite Staffel als einen vorläufigen Abschluss der Geschichte?
2027 wird es Staffel 3 geben, denn die ist zum Großteil noch fertig. Danach muss ich noch drei Episoden produzieren, um die große Story abzuschließen. Die Drehbücher stehen schon. Ich habe inzwischen eine Tochter, das macht die Freizeit nicht gerade mehr. Aber irgendwie finden sich immer Möglichkeiten. Die Aliens werden mich also definitiv noch ein paar Jahre weiter begleiten.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
Die vierte Staffel ist seit 4. August 2026 bei YouTube streambar.