Bambú Producciones steht für hochwertige spanische Serienproduktionen. Doch obwohl «La Favorita 1922» auf Telecinco stark startete, verlor das historische Drama innerhalb weniger Monate einen Großteil seines Publikums.

Mit «Gran Hotel», «Velvet» oder zuletzt «La Promesa» haben spanische Produzenten bewiesen, dass Historienserien weit über die Landesgrenzen hinaus funktionieren können. Auch Telecinco wollte 2025 wieder an diese Tradition anknüpfen und schickte gemeinsam mit Bambú Producciones das aufwendig produzierte Drama
«La Favorita 1922» ins Rennen. Der Auftakt gelang eindrucksvoll, doch schon nach wenigen Wochen verlor die Serie einen großen Teil ihres Publikums.
Bambú Producciones zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten spanischen Serienproduzenten. Mit «La Favorita 1922» blieb sich das Studio treu: Die Geschichte spielt in den 1920er-Jahren und verbindet romantisches Drama mit Krimi- und Thrillerelementen. Im Mittelpunkt steht Elena de Valmonte (Verónica Sánchez), eine Frau aus der Oberschicht, die nach einem tragischen Ereignis ihr bisheriges Leben hinter sich lassen muss. Gemeinsam mit ihrer treuen Haushälterin Lourdes eröffnet sie in Madrid ein exklusives Restaurant, das schnell zum Treffpunkt der feinen Gesellschaft wird. Doch zwischen Intrigen, gesellschaftlichen Zwängen und persönlichen Geheimnissen droht ihre Vergangenheit sie einzuholen.
Telecinco setzte große Hoffnungen in die Produktion und platzierte sie montags um 23.00 Uhr. Bereits die erste Folge am 17. März 2025 überzeugte mit 1,56 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern sowie 17,1 Prozent Marktanteil. Für den damals bereits angeschlagenen Privatsender war das ein Achtungserfolg. Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Schon die zweite Episode verlor mehr als 300.000 Zuschauer und fiel auf 13,5 Prozent Marktanteil. Danach setzte sich der Abwärtstrend nahezu kontinuierlich fort.
Die erste Staffel erreichte im Durchschnitt 1,02 Millionen Zuschauer und 11,5 Prozent Marktanteil. Dennoch entschied sich Mediaset España, die zweite Staffel unmittelbar im Anschluss auszustrahlen. Eine Pause zwischen den Staffeln gab es nicht. Diese Programmstrategie zahlte sich allerdings nicht aus. Die zweite Staffel fiel auf durchschnittlich 700.000 Zuschauer und 8,6 Prozent Marktanteil zurück. Besonders deutlich wurde der Zuschauerschwund zum Finale: Die letzte Folge erreichte lediglich 515.000 Zuschauer und 6,9 Prozent Marktanteil. Damit verlor die Serie innerhalb von nur 16 Episoden rund zwei Drittel ihres ursprünglichen Publikums.
Die Gründe dafür dürften vielfältig sein. Telecinco befindet sich seit Jahren in einer schwierigen Marktphase und verliert kontinuierlich Marktanteile an Antena 3 sowie das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Gleichzeitig sind historische Dramen inzwischen kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Während Netflix, RTVE oder auch Atresmedia regelmäßig hochwertige Serien dieses Genres anbieten, fällt es klassischen Privatsendern zunehmend schwer, ein Massenpublikum dauerhaft an lineare Ausstrahlungen zu binden. Hinzu kommt der späte Sendeplatz, der insbesondere für eine emotional erzählte Serie mit Laufzeiten von bis zu 80 Minuten alles andere als ideal erscheint.
Dennoch zeigt «La Favorita 1922», dass Spanien weiterhin zu den europäischen Ländern gehört, in denen hochwertige Historienserien entstehen. Ausstattung, Kostüme und Besetzung bewegen sich auf hohem Niveau, und Bambú Producciones beweist einmal mehr seine Stärke bei opulent erzählten Stoffen. Der Quotenverlauf macht allerdings deutlich, dass selbst eine hochwertige Produktion heute keine Erfolgsgarantie mehr ist.