Kabel Eins: Wer wahllos sendet, wird beliebig

Die Mediengruppe in Unterföhring verfügt über bekannte Spielfilmreihen, beliebte Eigenproduktionen und starke Marken. Doch solange all das ohne erkennbare Idee aneinandergereiht wird, bleibt aus einem Filmangebot noch lange kein echtes Fernsehprogramm.

Der Fernsehsender Kabel Eins wird seit zweieinhalb Jahren von Felix von Mengden geführt. Wie schon sein Vorgänger Marc Rasmus, der zu Sat.1 aufgestiegen ist, sind beide Verantwortlichen als Geschäftsführer eher blass in Erscheinung getreten. In den vergangenen Jahren wurde das Profil weder geschärft noch verwässert: Es bleibt eine bunte Mischung verschiedener Genres, die eine klare Strategie vermissen lässt.

Als Warner Bros. Discovery den Fernsehsender Turner Classic Movies (TCM) mehr oder weniger einstellen wollte, war der Aufschrei in Hollywood und den Nachbargemeinden groß. Zahlreiche Schauspieler und Spitzenregisseure wehrten sich gegen den Sender, den Ted Turner im Frühjahr 1994 ins Leben rief – übrigens zwei Jahre später, als Kabel Eins gestartet wurde. Im Unterschied zu Kabel Eins arbeiten bei TCM Menschen, die das Programm kuratieren. Im Juli beschaffte man 32 Spielfilme, in denen die Stars zu Sängern wurden. Das Programm begann mit «The Jazz Singer» aus dem Jahr 1927, ging mit «New Orleans» aus dem Jahr 1947 weiter und endete mit «Who’s That Girl» aus dem Jahr 1987, in dem die Sängerin Madonna die Hauptrolle spielte.

So kann man durchaus Fernsehen machen. Bei Kabel Eins kommen montags hingegen völlig wahllos Action-, Comedy- und Science-Fiction-Spielfilme. Am 27. April enttäuschte «Criminal Squad» mit 2,6 Prozent bei den Umworbenen, sieben Tage später kam der «Star Wars»-Teil «Der Aufstieg Skywalkers» auf immerhin 5,7 Prozent. Jetzt wird es spannend: Der letzte Teil der dritten Trilogie wurde ohne die anderen Filme gesendet. Zuvor hatte bereits ProSieben im Februar den Film ausgestrahlt, «Die letzten Jedi» liefen zuletzt bei Kabel Eins und ProSieben im März 2025. Der Auftakt der Trilogie, «Das Erwachen der Macht», lief überhaupt noch nicht auf einem der ProSiebenSat.1-Sender ProSieben, Sat.1 oder Kabel Eins.

Schließlich kam eine Woche später «Terminator: Die Erlösung» mit 0,70 Millionen Fernsehzuschauern, der Spielfilm aus dem Jahr 2009 sicherte sich 3,7 Prozent bei den Umworbenen. Der Nachfolger «Terminator: Genisys» kam sieben Tage später auf 0,60 Millionen, die Produktion aus dem Jahr 2015 verbuchte 5,6 Prozent Marktanteil. Im vergangenen November strahlte Kabel Eins noch die ersten beiden Teile an einem Abend aus, die in der Zielgruppe 6,6 und 4,8 Prozent holten. Aber von einer sinnvollen Programmgestaltung ist in Unterföhring schon lange nichts mehr zu sehen.

Schließlich wechselte Kabel Eins im Juni auf alte Bud-Spencer-Filme: «Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle» verzeichnete am 15. Juni 0,56 Millionen Zuschauer und verbuchte vier Prozent bei den Umworbenen, «Buddy haut den Lukas» sicherte sich dann 0,44 Millionen und 2,9 Prozent in der Zielgruppe, ehe «Banana Joe» auf 0,50 Millionen Zuschauer ab drei Jahren und 2,0 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen kam. Danach wechselte «Snitch» ins Programm, der Guy-Ritchie-Film brachte lediglich 1,8 Prozent bei der Fußball-WM. Anfang Juli packten die Kabel-Eins-Programmplaner schließlich «Iron Man» aus, beide Filme holten 0,56 Millionen Zuschauer. Mit 6,9 sowie 6,7 Prozent bei den jungen Erwachsenen lief es sogar gut. Bereits bei diesem kleinen Ausschnitt zeigt sich: Das Kabel-Eins-Programm hat keine Leitlinien. Ähnlich chaotisch läuft auch die Programmplanung am Dienstag und Donnerstag ab, man wählt schließlich einfach das, was die Studios wie Disney, Warner Bros. Discovery, Universal Pictures und Sony gerade so anbieten.

Einzig beständig ist der Donnerstagabend mit seinen Eigenproduktionen. Doch vor allem bei «Rosins Restaurants» läuft es ohne «K1 Magazin» nur noch teilweise gut. Es fehlt einfach der redaktionelle Nachdreh, was aus den Restaurants geworden ist. Dies ist auch nicht Teil der Rosin-Show selbst. Im vergangenen Jahr hat man lediglich vier neue Folgen ausgestrahlt. Viel mehr Wert legt man aktuell auf «Morlock Motors – Big Deals im Westerwald», «Achtung Abzocke» und «Roadtrip – Drei Spitzenköche auf vier Rädern». Wieso man «Rosin & Kumptner – Mission mittendrin!» produzierte, bleibt ein Rätsel. In dieser Show fahren zwei Köche einfach irgendwohin, etwa auf das Wacken Festival, und beschäftigen sich noch nicht einmal mit dem kulinarischen Angebot.

Tatsächlich hat Kabel Eins mit seinen True-Crime-Formaten im vergangenen Jahr einen ordentlichen Aufschlag gemacht. Mit «Deutschlands spektakulärste Kriminalfälle», «Perspektiven des Todes», «Mord unter Palmen», «Uwe Ochsenknecht präsentiert: Die 7 Todsünden», «Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime» und «Mord im Dorf» hat man das Genre massiv ausgebaut. Aber es funktionierte nicht. Die Einschaltquoten waren vor allem bei den jungen Menschen schlecht, an Feiertagen liefen US-Spielfilme wie «Born to be Wild» (6,3 Prozent), «Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle» (4,4 Prozent), «Hotel Transsilvanien» (5,7 Prozent), «Das Krokodil und sein Nilpferd» (sogar 9,6 Prozent) und «Rocky IV» (5,4 Prozent) deutlich besser. Inzwischen strahlt man im Sommer wieder alte «Navy CIS»-Episoden aus, wenn in Unterföhring die Ideen ausgehen. Der Samstag gehörte erst «FBI», dann «Elsbeth» – beide Serien enttäuschten.

Am Sonntag versucht man sich weiterhin mit «Trucker Babes», «Willkommen bei den Reimanns», «Die größten Geheimnisse» und «Zwischen Meer und Maloche», doch nur die Geheimnisse und die Auswandererfamilie können überzeugen. Frauen am Steuer laufen zumindest in Erstausstrahlungen respektabel.

Kabel Eins verlor in den vergangenen zwei Jahren 0,4 Prozentpunkte Marktanteil und landete bei 2,6 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen verbuchte der Sender zuletzt 3,7 Prozent, noch vor zwei Jahren wurden 4,2 Prozent ermittelt. In dieser Analyse wurde allerdings aufgezeigt, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, das Programm wieder sinnvoller zu gestalten. Doch auch dies schreibt Quotenmeter bereits seit Jahren – und es wird konsequent von der Programmführung ignoriert. Es wird einfach das rauf und runter gesendet, was die Filmpakete hergeben. Und genau deshalb befindet sich Kabel Eins heute in dieser Position.

Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, Kabel Eins wieder ein klareres Profil zu geben. Der Montag könnte konsequent zum Spielfilmabend werden – allerdings nicht nach dem Zufallsprinzip. Statt wahllos Filme aus den Rechtepaketen auszuspielen, könnten Themenwochen entstehen: drei Wochen «Star Wars», anschließend die komplette «Terminator»-Reihe, danach die «Rocky»-Filme oder große Polizeithriller der 80er- und 90er-Jahre. Der Zuschauer wüsste wieder, wofür der Montag bei Kabel Eins steht.

Gleichzeitig könnte der Sender einen festen Premium-Slot schaffen. Immer samstags oder sonntags um 20.15 Uhr liefen ausschließlich die großen Filmklassiker – Produktionen wie «Der Pate», «Spiel mir das Lied vom Tod», «Indiana Jones», «Zurück in die Zukunft», «Jäger des verlorenen Schatzes» oder «Der weiße Hai». Filme also, die Fernsehen immer noch zu einem Ereignis machen können und nicht einfach nur Lückenfüller im Programm sind.

Ergänzt werden könnte dieses Konzept durch einen festen Horrorfilmplatz am Freitagabend um 22.15 Uhr. Das Genre besitzt eine treue Fangemeinde, wird im deutschen Free-TV aber kaum noch gepflegt. Dort könnten aktuelle Titel ebenso laufen wie Klassiker von John Carpenter, Wes Craven oder George A. Romero. Entscheidend wäre weniger der einzelne Film als vielmehr die Verlässlichkeit. Wer Horror mag, weiß dann: Freitagabend läuft Kabel Eins. Das kostet praktisch wenig zusätzliches Geld, erzeugt aber den Eindruck, dass jemand das Programm bewusst gestaltet. Das Thema ist nämlich nicht, welche Filme Kabel Eins besitzt, sondern wie der Sender sie präsentiert.
01.08.2026 12:16 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/173845