Berichterstattung gilt im Fernsehen eher als Pflichtprogramm denn als Quotenmagnet. Doch welche Partei schafft es trotz später Sendeplätze, die meisten Zuschauer anzulocken?

Die Parteitag-Übertragungen gehören seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil der politischen Berichterstattung von Das Erste und ZDF. Meist laufen die Zusammenfassungen spätabends weit nach den «Tagesthemen» oder dem «heute journal» – Sendeplätze, die für hohe Reichweiten nicht gerade bekannt sind. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Zahlen. Denn über mehrere Jahre hinweg zeigt sich durchaus, welche Parteien das größte Zuschauerinteresse auf sich ziehen und wer trotz ungünstiger Ausstrahlungszeiten regelmäßig überdurchschnittliche Werte erzielt.
Für diese Auswertung wurden 65 Parteitagsberichte von Das Erste und dem ZDF miteinander verglichen. Berücksichtigt wurden sowohl die Gesamtreichweite als auch die Marktanteile. Auffällig ist zunächst, dass sich die Zuschauerzahlen der meisten Sendungen in einem engen Korridor bewegen. Häufig erreichten die Berichte zwischen 0,3 und 0,7 Millionen Zuschauer. Das liegt vor allem daran, dass sie meist erst gegen 23 Uhr oder sogar nach Mitternacht ausgestrahlt werden. Zu diesem Zeitpunkt sinkt die Fernsehnutzung deutlich, weshalb Marktanteile oft aussagekräftiger sind als die absolute Reichweite.
Den höchsten Durchschnitt erzielt die CSU. Die zehn ausgewerteten Parteitagsberichte kommen im Mittel auf 0,58 Millionen Zuschauer. Dahinter folgt die CDU mit 0,56 Millionen, allerdings basiert dieser Wert lediglich auf sieben Ausgaben. Die Alternative für Deutschland (AfD) liegt mit durchschnittlich 0,55 Millionen Zuschauern nur knapp dahinter. FDP-Parteitage erreichen im Schnitt 0,51 Millionen Menschen, die SPD 0,49 Millionen sowie Grüne und Linke jeweils 0,47 Millionen Zuschauer. Die Unterschiede wirken auf den ersten Blick gering. Tatsächlich bewegen sich sämtliche Parteien innerhalb eines relativ schmalen Bereichs von gut 100.000 Zuschauern. Das verdeutlicht bereits, dass nicht allein die Partei über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Mindestens ebenso wichtig sind Wochentag, Konkurrenzprogramm und die genaue Uhrzeit.
Bei den Spitzenwerten zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Den höchsten Einzelwert aller ausgewerteten Sendungen erreichte ein Bericht über den AfD-Parteitag mit 0,91 Millionen Zuschauern. Dahinter folgt die SPD mit 0,87 Millionen sowie die CSU mit 0,85 Millionen. Auch die FDP kam bereits auf 0,80 Millionen Zuschauer, während die Grünen und die AfD jeweils Maximalwerte von 0,76 beziehungsweise 0,78 Millionen erzielten. Die Linke erreichte mit ihrem besten Parteitag immerhin 0,68 Millionen Zuschauer.
Noch interessanter werden die Ergebnisse beim Marktanteil. Hier liegt die Linke überraschend an der Spitze. Im Durchschnitt erreichen ihre Parteitagsberichte 7,43 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum. Die AfD folgt mit 7,22 Prozent. Dahinter liegen CDU (6,60 Prozent), FDP (6,16 Prozent), CSU und Grüne (jeweils 5,97 Prozent) sowie die SPD mit 5,85 Prozent.
Dass die Linke hier überraschend vorne liegt, hat allerdings einen statistischen Hintergrund. Einzelne sehr spät ausgestrahlte Sendungen kamen auf außergewöhnlich hohe Marktanteile, obwohl vergleichsweise wenige Zuschauer einschalteten. Besonders auffällig war ein Bericht vom Parteitag der Linken, der zwar lediglich 0,45 Millionen Zuschauer erreichte, aufgrund der späten Sendezeit aber auf starke 17,6 Prozent Marktanteil kam. Solche Ausreißer verdeutlichen, wie vorsichtig Marktanteile interpretiert werden müssen.
Auch die AfD fällt mehrfach durch überdurchschnittliche Ergebnisse auf. Neben dem Spitzenwert von 0,91 Millionen Zuschauern erreichten weitere Parteitagsberichte 0,78 Millionen beziehungsweise 0,61 Millionen Zuschauer. Gleichzeitig gelang mehrfach ein Marktanteil oberhalb der Zehn-Prozent-Marke. Ein Bericht erreichte sogar 11,7 Prozent Marktanteil. Die Zahlen sprechen dafür, dass Parteitage der AfD regelmäßig auf ein vergleichsweise großes Interesse stoßen.
Die CSU profitiert dagegen häufig von ihrer starken regionalen Bedeutung und ihrer traditionellen Verankerung im öffentlich-rechtlichen Programm. Parteitage aus Nürnberg, Augsburg oder München erzielen regelmäßig solide Reichweiten zwischen 0,55 und 0,85 Millionen Zuschauern. Extreme Ausreißer nach oben oder unten gibt es kaum. Die Partei liefert damit die konstantesten Werte aller untersuchten Parteien. Die CDU bewegt sich ebenfalls auf einem stabilen Niveau. Parteitage aus Berlin, Hannover oder Stuttgart erreichen meist zwischen 0,52 und 0,73 Millionen Zuschauer. Besonders bemerkenswert war ein Bericht aus Berlin, der trotz lediglich 0,52 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 9,8 Prozent erzielte.
Die SPD hingegen zeigt stärkere Schwankungen. Während ein Parteitag 0,87 Millionen Zuschauer erreichte, kam eine andere Ausgabe lediglich auf 0,19 Millionen. Auch die Marktanteile variieren deutlich zwischen gut drei und über sieben Prozent. Offenbar hängt das Interesse hier besonders stark vom politischen Kontext ab. Ähnlich sieht es bei den Grünen aus. Mehrere Parteitage lagen zwischen 0,40 und 0,55 Millionen Zuschauern. In einzelnen Jahren wurden aber auch 0,72 oder sogar 0,76 Millionen erreicht. Auffällig ist, dass Parteitage der Grünen häufig solide Marktanteile zwischen sechs und acht Prozent erzielen, ohne regelmäßig absolute Spitzenwerte zu erreichen. Die FDP bewegt sich ebenfalls im Mittelfeld. Ihre Parteitage erreichen durchschnittlich etwas über eine halbe Million Zuschauer. Mehrfach wurden Werte von rund 0,70 bis 0,80 Millionen erzielt, gleichzeitig gab es aber auch Ausgaben mit lediglich gut 0,30 Millionen Zuschauern.
Grundsätzlich zeigt die Untersuchung vor allem eines: Parteitage bleiben ein Nischenangebot. Selbst außergewöhnlich stark beachtete Veranstaltungen überschreiten nur selten die Marke von einer Million Zuschauern. Angesichts der meist sehr späten Ausstrahlung ist das allerdings wenig überraschend. Viele Zuschauer informieren sich bereits tagsüber über Nachrichtensendungen, Livestreams oder Online-Angebote, sodass die spätabendlichen Zusammenfassungen eher der Einordnung dienen.