Rundschau: Anya Taylor-Joy rettet «Lucky» nicht

Ein missglückter Millionenraub, eine Flucht vor FBI und Gangstern sowie Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle – doch «Lucky» ist ein schlechtes Drama.

«Lucky» (seit 15. Juli bei AppleTV)
Die Betrügerin Lucky (Anya Taylor-Joy) muss fliehen, als ein millionenschwerer Raubüberfall schiefgeht. Verfolgt vom FBI und einem skrupellosen Verbrecherboss, muss Lucky um ihr Leben und einen Ausweg kämpfen

The Hollywood Reporter: “«Lucky» reiht sich in die anhaltende Fernseh-Epidemie „alles hat die falsche Länge“ ein und ist mit sieben Folgen genau die falsche Länge. Wäre die Serie kürzer, würden die Ereignisse vielleicht schnell genug voranschreiten, sodass wir übersehen könnten, wie schlecht jede Nebenfigur ausgearbeitet ist; wäre sie länger, hätte sich die Geschichte vielleicht so anfühlen können, als wäre sie vollständig von echten Charakteren bevölkert, statt von Handlungsauslösern, die von überqualifizierten Darstellern gespielt werden.“



«Ride or Die» (seit 15. Juli bei Prime Video)
Die Serie erzählt die Geschichte der besten Freundinnen Debbie Claybourne (Octavia Spencer) und Judith Burton (Hannah Waddingham), die glaubten, alles voneinander zu wissen – bis Debbie entdeckt, dass Judith in Wahrheit eine internationale Auftragskillerin ist. Als eine mysteriöse Person aus Judiths Vergangenheit auftaucht und ein Auftrag katastrophal schief läuft, gerät das Leben beider Frauen völlig aus den Fugen. Gemeinsam müssen sie fliehen und begeben sich auf einen Wettlauf gegen die Zeit sowie auf einen turbulenten Roadtrip quer durch Europa, verfolgt von Strafverfolgungsbehörden, hochtrainierten Killerinnen und Killern sowie gefährlichen Kriminellen.

Variety: “«Ride or Die» wird seltsamerweise als Action-Komödie beworben, passt aber nicht ganz in dieses Genre. Zwar gibt es über die acht Folgen verteilt einige komödiantische Momente, insbesondere wenn Billy (Ed Skrein), eines von Judiths Zielen, auf dem Bildschirm zu sehen ist, doch die Serie bietet so wenige Momente, bei denen man laut lachen muss, dass man sie am besten als Drama erlebt. Hätten Spencer und Waddingham den dramatischen Charakter des Drehbuchs besser zur Geltung bringen können, wäre die Serie dadurch wahrscheinlich viel stärker geworden. “



«The Westies» (seit 12. Juli bei Prime Video)
Im Hell's Kitchen der 1980er strebt die Westies-Gang nach Profit vom Javitz-Center-Bau. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit gegenüber der italienischen Mafia sichert ihre Brutalität ihnen Anteile, während FBI-Ermittlungen zunehmen.

Variety: “Auch verfügt «The Westies» nicht über das fesselnde Produktionsdesign jüngerer Projekte wie HBOs «The Deuce», das den Times Square der Porno-Ära in all seiner schäbigen Pracht nachbildete. Am meisten leidet «The Westies» jedoch unter einem gravierenden Mangel an überzeugenden Protagonisten. Sweeney ist die Art von kaltblütigem Pragmatiker, der kein Problem damit hat, einen der Seinen zu töten, wenn dieser Befehle missachtet – wie er es in der Eröffnungsszene tut. “



«The Five-Star Weekend» (seit 25. Juni bei Sky/Wow)
Ein schwerer Verlust führt die beliebte Food-Influencerin Hollis Shaw (Jennifer Garner) auf die Suche nach sich selbst - mit vier Freundinnen aus verschiedenen Lebensphasen beschließt Hollis ein besonderes Wochenende zu verbringen. Dabei kommen verborgene Wahrheiten ans Licht und es entstehen neue Beziehungen.

The Hollywood Reporter: “Doch gerade diese Hektik hindert «The Five-Star Weekend» daran, wirklich tief in eine dieser Geschichten einzutauchen. Jede Figur entpuppt sich als komplexer, als sie zunächst schien, ist aber nicht komplex genug, um den Eindruck zu erwecken, dass sie auch außerhalb unseres Blickfelds weiterleben könnte. “



«Braunschlag 1986» (seit 16. Juli bei HBO Max)
Eine angebliche Marienerscheinung zog tausende Touristen ins nördliche Waldviertel bis sich herausstellte, dass der Ort als illegales Atommülllager genutzt wurde. Alle Braunschlager flüchteten. Bis auf Bürgermeister Gerri Tschach und Discobesitzer Richard Pfeisinger. Jetzt ist die Luft wieder rein, aber irgendwie auch gleich wieder raus. Doch Tschach hat eine Idee: Per Verordnung herrscht in Braunschlag ab sofort das Jahr 1986. Nostalgie trifft Digital Detox – Braunschlag ist zurück. Und mit ihm auch die ehemaligen Bewohner und Bewohnerinnen – allen voran Tschachs Frau Herta sowie Pfeisingers Frau Elfi und Sohn Winnie.

Süddeutsche Zeitung: “Ehrlichere Botschafter und trotz ihrer Verschrobenheit auch weit über die Grenzen als Identifikationsfiguren taugendere Charaktere als die von «Braunschlag 1986» wird das „Kulturland Niederösterreich“ auch sicher nirgends finden: Während sich vor 14 Jahren ein Gutteil Österreichs in der ersten Staffel wiedererkannt haben mag, kann das heute in der Staffel eigentlich die gesamte westliche Welt, die angesichts des aktuellen Schlamassels lieber beherzt nach hinten schaut, als auch nur irgendwie nach vorne.“

17.07.2026 12:05 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/173627