Lange bevor Batman, Superman, Wonder Woman und Aquaman Milliarden an den Kinokassen einspielten, versuchte Warner Bros. bereits Ende der 1990er Jahre, die «Justice League» ins Fernsehen zu bringen.

Als heute über das sogenannte DC Extended Universe gesprochen wird, denken viele an «Man of Steel», «Justice League» oder «Zack Snyder's Justice League». Doch nur wenige wissen, dass die berühmte Heldentruppe bereits zwanzig Jahre früher ihren ersten Live-Action-Auftritt hatte und dieser geriet zu einem spektakulären Fehlschlag.
«Justice League of America» entstand 1997 als Fernsehfilm für CBS und sollte eigentlich als Pilotfilm für eine wöchentliche Serie dienen. Stattdessen entwickelte sich die Produktion zu einem Paradebeispiel dafür, wie man eine der größten Comicmarken der Welt nahezu vollständig gegen die Wand fahren kann.
Dabei war die Ausgangslage gar nicht so schlecht. In den Comics befand sich die „Justice League“ damals dank der erfolgreichen Neuauflage von Grant Morrison im Aufwind. Warner Bros. wollte den Schwung nutzen und hoffte, den Erfolg ins Fernsehen übertragen zu können. Das Konzept war ungewöhnlich: Statt der bekannten Ikonen Superman, Batman oder Wonder Woman setzte man auf Figuren wie Green Lantern Guy Gardner, The Flash, Fire, Ice, The Atom und Martian Manhunter. Das hatte allerdings weniger kreative als rechtliche Gründe, denn viele der populären Figuren waren bereits für andere Film- und Fernsehprojekte reserviert.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Meteorologin Tori Olafsdotter. Während ihrer Arbeit entdeckt sie ein geheimnisvolles Gerät, das versehentlich aktiviert wird und ihr plötzlich die Fähigkeit verleiht, Eis zu kontrollieren. Überfordert von ihren neuen Kräften gerät sie zunächst selbst unter Verdacht, hinter einer Reihe mysteriöser Wetterkatastrophen zu stecken. Tatsächlich wird die Stadt New Metro von einem Terroristen namens Weather Man bedroht, der mithilfe einer Wettermaschine Tornados, Hagelstürme und schließlich sogar eine gigantische Flutwelle erzeugt. Nachdem Tori erkennt, dass ihr eigener Chef hinter den Anschlägen steckt, schließt sie sich der Justice League an. Anfangs wird sie von den anderen Helden unterschätzt, doch am Ende rettet ausgerechnet sie die gesamte Stadt, indem sie die heranrollende Flut einfriert. Als Belohnung erhält sie ihren Superheldennamen Ice und wird offiziell Mitglied der Gruppe.
Die Handlung klingt auf dem Papier nach klassischer Superheldenkost. Tatsächlich leidet sie jedoch unter zahlreichen Problemen. Die Geschichte wirkt hektisch erzählt, Figuren werden kaum eingeführt und viele Szenen springen unvermittelt von einer Situation zur nächsten. Besonders irritierend sind die immer wieder eingestreuten Interviewsequenzen, in denen die Helden scheinbar rückblickend über ihre Einsätze sprechen – fast wie in einer Mockumentary. Dieses Stilmittel war seiner Zeit zwar voraus, wirkt hier aber völlig deplatziert und nimmt jeder dramatischen Situation ihre Spannung.
Das größte Problem des Films liegt allerdings im Ton. Warner Bros. wollte ausdrücklich eine Mischung aus Superheldenabenteuer und Sitcom produzieren. Intern wurde das Projekt sogar als „Friends mit Superhelden“ beschrieben. Genau das merkt man beinahe jeder Szene an. Die Figuren streiten über Alltagsprobleme, flirten miteinander oder machen Witze, während im Hintergrund gerade die Welt unterzugehen droht. Statt heroischer Momente dominieren peinliche Dialoge und eine Atmosphäre, die eher an eine harmlose Familienserie erinnert als an das berühmteste Superheldenteam der DC-Comics.
Hinzu kamen erhebliche Produktionsprobleme. Ursprünglich führte Félix Enríquez Alcalá Regie. Während der Dreharbeiten verlor das Studio jedoch das Vertrauen in seine Arbeit und ersetzte ihn durch Lewis Teague. Dieser musste zahlreiche Szenen neu drehen, erhielt dafür aber weder ausreichend Zeit noch zusätzliche finanzielle Mittel. Am Ende war Teague derart unzufrieden mit dem Ergebnis, dass er sogar darum bat, im Abspann nicht genannt zu werden. Ein deutlicheres Warnsignal kann es bei einer Filmproduktion kaum geben.
Auch technisch hinterließ «Justice League of America» einen katastrophalen Eindruck. Die Spezialeffekte wirkten bereits 1997 billig. Computeranimationen waren kaum vorhanden, weshalb viele Kräfte mit einfachen Lichteffekten oder primitiven Tricks umgesetzt wurden. Besonders Green Lanterns Energiekonstrukte oder die Flugfähigkeiten verschiedener Figuren sehen aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch aus. Dazu kommen Kostüme, die eher an Faschingskleidung erinnern als an professionelle Comicverfilmungen. Gerade Fans der Vorlage reagierten entsprechend enttäuscht.
Hinzu kam die Besetzung. Matthew Settle spielte Guy Gardner als charmanten Draufgänger, Kenny Johnston orientierte seinen Flash bewusst an Joey Tribbiani aus «Friends», weil genau dies von den Produzenten verlangt wurde. David Ogden Stiers brachte als Martian Manhunter zwar eine gewisse Würde mit, konnte das schwache Drehbuch jedoch ebenso wenig retten wie Miguel Ferrer als Bösewicht Weather Man.
Die Kritiken fielen vernichtend aus. Comic-Autor Mark Waid brachte die allgemeine Stimmung auf den Punkt, als er erklärte, dies seien „80 Minuten seines Lebens, die er nie wieder zurückbekomme“. Kritisiert wurden nahezu alle Bereiche: das Drehbuch, die Effekte, die Charakterzeichnungen und die Tatsache, dass die Figuren kaum noch Ähnlichkeit mit ihren Comicvorlagen besaßen.
Zwar wurde der Pilotfilm Ende Dezember 1997 noch bei CBS ausgestrahlt, doch sämtliche Hoffnungen auf eine Serienbestellung waren bereits vorher praktisch begraben worden. Warner Bros. verzichtete darauf, das Projekt weiterzuentwickeln. Stattdessen verschwand der Film jahrelang nahezu vollständig aus der Öffentlichkeit und wurde hauptsächlich über Bootleg-Kopien auf Comic-Conventions oder später über das Internet weitergegeben.
Interessanterweise bedeutete der Misserfolg für die Beteiligten keineswegs das Karriereende. Matthew Settle feierte einige Jahre später mit der Erfolgsserie «Gossip Girl» internationale Bekanntheit. David Krumholtz wurde unter anderem durch «Numb3rs» sowie zahlreiche Filmrollen bekannt. Elisa Donovan hatte bereits mit «Clueless» Erfolge gefeiert und blieb ein gefragtes Fernsehgesicht. John Debney entwickelte sich sogar zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten Hollywoods und schrieb später die Musik zu Produktionen wie «The Passion of the Christ», «Iron Man 2» oder «The Jungle Book». Lediglich für die Regisseure blieb das Projekt ein unangenehmer Makel in ihrer Filmografie.
Rückblickend stellt sich die Frage, ob «Justice League of America» überhaupt eine faire Chance hatte. Vermutlich nicht. Das Fernsehen der späten 1990er Jahre war technisch und finanziell kaum in der Lage, ein Ensemble aus mehreren Superhelden glaubwürdig umzusetzen. Erst Jahre später ermöglichten deutlich höhere Budgets, moderne Computereffekte und ein völlig verändertes Publikum den weltweiten Erfolg von Comicverfilmungen. Serien wie «Smallville», das Arrowverse oder später das Marvel Cinematic Universe zeigten schließlich, wie man Superhelden zeitgemäß inszenieren kann.
Gerade deshalb besitzt «Justice League of America» heute einen besonderen Platz innerhalb der Reihe „Filme des Grauens“. Der Film scheitert nicht nur an einer einzigen falschen Entscheidung, sondern nahezu an jeder kreativen und produktionstechnischen Weichenstellung. Das Studio wollte eine Sitcom und gleichzeitig ein Superheldenepos erzählen, verfügte aber weder über das Budget noch über ein überzeugendes Konzept. Die Folge ist ein kurioses Zeitdokument, das zeigt, wie schwer sich Hollywood noch in den 1990er Jahren mit Comicverfilmungen tat.