‚Humor ist unverzichtbar – gerade wenn es ernst wird‘

In der ARD-Reihe «Die Bachmanns» sorgt Natalia Belitski als Galina mit ihrem Kinderwunsch für neuen Wirbel in der ohnehin komplizierten Patchwork-Familie. Im Interview spricht die Schauspielerin über moderne Beziehungen, den besonderen Humor von Ralf Husmann und warum Galina trotz aller Konflikte fest an einen Neuanfang glaubt.

Frau Belitski, Galina bringt bei «Die Bachmanns» „Gefahr in Verzug“ mit ihrem Kinderwunsch die scheinbar gut funktionierende Patchwork-Familie aus dem Gleichgewicht. Was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt?
Grundsätzlich reizt mich jede Rolle aus der Feder von Ralf Husman. Ich liebe sein Gespür für Timing, Humor und Wortgewandheit der Figuren. Galina ist eine emanzipierte Frau, die einen herrlich emotionalen Pragmatismus hat. Sie geht tatkräftig ans Leben ran und krempelt die Ärmel hoch, wenn sich ihr etwas in den Weg stellt.

Galina gerät schnell zwischen die Fronten, obwohl ihr Wunsch nach einer eigenen Familie sehr nachvollziehbar ist. Wie haben Sie versucht, sie nicht als Gegenspielerin, sondern als vielschichtige Figur anzulegen?
Das war allen Beteiligten von Anfang an wichtig, keinen hysterischen Krieg zwischen den Frauen erzählen zu wollen. Sie beide als Personen haben auch eigentlich keinen Konflikt. Es ist der Alltag und die Rollen, in die man vom Leben reingezwängt wird, die für Streitpotential sorgen. Also habe ich Galina ganz schlicht mit Respekt und Empathie für jedes Gegenüber angelegt.

Der Film zeigt, dass Patchwork-Familien auch Jahre nach einer Trennung noch von alten Verletzungen geprägt sein können. Was erzählt die Geschichte aus Ihrer Sicht über moderne Beziehungen?
Egal ob modern, oder früher. Beziehungen, die über lange Zeit halten sollen, sind die größte Herausforderung im Leben. Je mehr Personen dazu kommen, umso härter der Schwierigkeitsgrad.

Markus reagiert auf Galinas Kinderwunsch mit Unsicherheit und Angst. Wie spannend fanden Sie es, eine Beziehung zu zeigen, in der nicht nur Frauen, sondern auch Männer mit familiären Erwartungen ringen?
Ich finde, es ist schon ein recht männliches Phänomen, auf zukommende Verantwortung, erstmal mit Bedenken zu reagieren, zumindest in meiner Generation.

Viele Zuschauer kennen Sie aus dramatischen Stoffen. Was macht für Sie den besonderen Reiz einer Familienkomödie aus, die ernste Themen mit Humor verbindet?
Humor ist unverzichtbar. Gerade wenn’s ernst wird, sollte man nicht vergessen, zu lachen. Gerade im Familienleben ist Humor ein Zaubermittel.

Die Geschichte lebt von den Reibungen zwischen den Figuren. Wie wichtig war dabei das Zusammenspiel mit Oliver Wnuk und Stefanie Stappenbeck?
Oliver ist von Beginn an mein Hauptabspielpartner. Mit Stefanie entwickelt sich die Verbindung erst so richtig in Folge 3. Wir haben das große Glück, dass wir persönlich keinerlei Reibungen haben und somit eine tolle Lebenszeit am Set haben. In der inhaltlichen Auseinandersetzung ist das natürlich auch sehr angenehm, dass man sich versteht und konstruktiv arbeiten kann.

Galina ist neu in einer bestehenden Familienstruktur. Wie schwierig ist es, eine Figur zu spielen, die dazugehören möchte, aber immer wieder an unsichtbare Grenzen stößt?
Da besteht keine Schwierigkeit. Und Galina löst auch das sehr pragmatisch und packt die Grenze am Kragen.
Im Film geht es auch um die Frage, was Familie heute eigentlich bedeutet. Hat sich Ihr eigener Blick auf dieses Thema während der Dreharbeiten verändert?
Nein. Ich finde, der Film gibt einem einen Blick genau darauf, wie es so laufen kann in einer Familie, mit vielen Pointen und Augenzwinkern. Und schafft am Ende auch immer wieder Momente des Innehaltens, in denen man sich aufs Wesentliche besinnen kann. Das Miteinander.

Die Reihe erzählt Alltagskonflikte mit viel Humor. Warum eignen sich gerade komödiantische Geschichten manchmal besonders gut, um über Beziehungen und Familie zu sprechen?
Ansonsten wär‘s doch langweilig. Alltag ohne Humor zu erzählen.
Mit Sicherheit haben all diese kleinen und größerer Konflikte, die wir erzählen, einen hohen Wiedererkennenungswert bei vielen Zuschauern. Wir zeigen die Tücken und die Schwere des Alltags mit einer fröhlichen Leichtigkeit, das tut einfach mal ganz gut, das aus der Perspektive zu sehen.

Fabian Möhrke inszeniert den Film mit viel Tempo und Ensemble-Szenen. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit ihm erlebt?
Fabian ist ein Regisseur, der seinen Schauspieler*innen viel Vertrauen entgegenbringt. Somit entsteht ein Raum, wo sich die Figuren und das Zusammenspiel ganz wunderbar entwickeln können.

Patchwork-Familien gehören heute für viele Menschen zum Alltag. Glauben Sie, dass sich Zuschauerinnen und Zuschauer gerade deshalb besonders gut in den Figuren wiederfinden werden?
Ich denke, dass den Figuren eine erbarmungslose Menschlichkeit mit allen Macken aber auch herzlichen Seiten gegeben ist, bei denen alle irgendwo andocken können.

Der Film stellt die Frage, ob Menschen nach einer Trennung wirklich einen Neuanfang schaffen oder alte Muster sie immer wieder einholen. Zu welcher Antwort neigt Galina am Ende Ihrer Meinung nach?
Ein Felsenfestes Ja zum Neuanfang. Aber natürlich trotzdem mit den alten Mustern.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Die Bachmanns» ist seit Montag, 13. Juli, im ZDF streambar.
14.07.2026 12:00 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/173499