«Not Suitable for Work» bleibt hinter den Möglichkeiten
Nach Erfolgen wie «Never Have I Ever» und «The Sex Lives of College Girls» präsentiert Mindy Kaling ein weiteres Young-Adult-Drama. Trotz starker Darsteller und interessanter Ansätze verliert sich die Serie jedoch in oberflächlichen Figurenzeichnungen und einer zu knapp bemessenen Staffel.
Die Schauspielerin, Autorin und Produzentin Mindy Kaling hat seit «The Mindy Project» einen Lauf. Nachdem die romantische Ärztinnen-Comedy bei Hulu zu Ende ging, entwickelte sie für Netflix «Never Have I Ever», für Max «The Sex Lives of College Girls» und die Basketball-Comedy «Running Point» für Netflix. Am 2. Juni 2026 startete die neue Serie «Not Suitable for Work» mit einer weiteren Figur mit indischen Wurzeln, wie man es aus Kaling-Produktionen kennt. Avantika Vandanapu verkörpert Abby, die als Assistentin der Promi-Stylistin Vanessa Hsu (Constance Wu) arbeitet.
Die Koproduktion von Warner Bros. Television, Kaling International, 3 Arts Entertainment und Charlie Grandy Productions ist zwar offiziell als Comedy-Serie eingeordnet, doch Zuschauer dieses Genres dürften enttäuscht sein. «Not Suitable for Work» ist vielmehr ein Young-Adult-Drama, in dem das Leben von Mittzwanzigern im Mittelpunkt steht. Die Probleme, die gelegentlich zu einem Schmunzeln anregen könnten, wirken oftmals eher wie Ausdruck von Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit.
Der Reihe nach: Fünf junge Menschen leben in einem Wohnhaus nebeneinander. Die Männer-WG besteht aus Davis Beau Bradley Barrett III (Will Angus), Josh Teitelbaum (Jack Martin) und Kel Washington (Nicholas Duvernay), die Frauen-Wohnung aus AJ Pascarelli (Ella Hunt) und der bereits erwähnten Abby. Im Mittelpunkt steht Davis, der bei der renommierten Investmentbank Fisher Stassen arbeitet. Die aus Boston zugezogene AJ stößt ebenfalls zum Unternehmen. Zwischen ihr und ihrem Vorgesetzten Bill Gibson (Jay Ellis) entwickelt sich eine Romanze, die allerdings nicht besonders glücklich verläuft. Aufgrund der großen Zahl an Figuren und der knapp bemessenen Staffel mit nur neun Episoden, die meist lediglich rund 30 Minuten dauern, bleiben viele Charaktere wie die Bürokollegin Jocelyn (Hay Hong) nur oberflächlich ausgearbeitet.
Kel ist zu Beginn der Serie noch Medizinstudent, bricht sein Studium jedoch ab. Seine große Leidenschaft ist die Schauspielerei, weshalb er seinen Traum verwirklichen möchte. Doch diese Entscheidung wirkt nicht besonders durchdacht, schließlich muss sich der Sohn einer wohlhabenden Mutter anschließend mit einem Aushilfsjob als Lehrer über Wasser halten. Das erscheint nicht nur unklug, sondern auch wenig glaubwürdig. Kel hätte sein Studium problemlos fortführen können. In den neun Folgen hetzt er beispielsweise von einer Privatschule, an der er Geschichte unterrichtet, durch den Central Park, um anschließend für eine Broadway-Rolle zu proben.
Joshs Vater ist Chef des Senders PBS, bei dem Wes Dryden (Victor Garber) eine investigative Fernsehsendung moderiert. Mit einem Trick verschafft sich Josh dort einen Job, stößt jedoch Produktionsleiterin Paula (Judy Gold) vor den Kopf. Man kann sich früh denken, dass der Sprössling mit allerlei Kniffen letztlich doch noch bei Paula punkten wird. Nur in der letzten Folge haben die Autoren wirklich gepatzt: Josh schreibt Live-Texte für Wes bei einer Silvester-Gala. Nachdem er ihm einige Formulierungen weitergegeben hat, schickt Paula ihn plötzlich zu seinem Date. Keine besonders sinnvolle Entscheidung, wenn der Moderator mit zwei jungen Stars noch stundenlang am Times Square über popkulturelle Ereignisse sprechen soll.
Neben AJ, die sich – wie bereits erwähnt – in ihren Chef Bill verliebt, steht Abby im Mittelpunkt einer weiteren Handlung. Die Nachwuchsstylistin ist stark auf ihre Chefin Vanessa angewiesen, die sich jedoch verletzt. Nachdem Abby einige Entscheidungen eigenständig treffen muss, versucht sie sich alleine in der New Yorker Modewelt durchzuschlagen – mit mäßigem Erfolg. Das liegt unter anderem daran, dass sie mit ihrem begrenzten Gehalt keine Luxusmarken für ihre Klienten organisieren kann. Zwischendurch entwickelt sich ein Flirt mit Schauspieler Austin Blanchett (Harry Richardson), der sich allerdings nur kurzzeitig für Mode interessiert und seine Aufmerksamkeit schnell anderen Frauen widmet.
Obwohl Mindy Kaling als Autorin und Produzentin häufig starke Frauenfiguren in den Mittelpunkt stellt, gelingt dies in «Not Suitable for Work» nur eingeschränkt. Besonders problematisch ist die Darstellung von AJ, einer Analystin im ersten Jahr bei Fisher Stassen. Nachdem in den ersten Episoden noch einige Aspekte ihres Berufslebens beleuchtet werden, reduziert sich ihre Handlung zunehmend auf die Beziehung zu ihrem Chef, die selbstverständlich geheim bleiben muss. Der Zuschauer erlebt einmal mehr, wie eine junge Frau den erfolgreichen und mächtigen Vorgesetzten anhimmelt. Das wäre zumindest leichter zu akzeptieren, wenn die Serie tatsächlich eine Komödie wäre. Doch die wenigen humorvollen Momente reichen nicht aus, um «Not Suitable for Work» als echte Comedy erscheinen zu lassen. Stattdessen dominiert das Young-Adult-Drama.
Ein weiteres Problem von «Not Suitable for Work», das von Charlie Grandy entwickelt wurde, ist die viel zu kurze Laufzeit. In nur neun Episoden werden die Figuren bestenfalls angerissen. Moderne Young-Adult-Serien kämpfen häufig mit diesem Problem, obwohl es vergleichsweise leicht zu beheben wäre. Vor zwei Jahrzehnten verfügten Formate wie «The OC» oder «Dawson’s Creek» noch über mehr als 20 Episoden pro Staffel. Die neue Mindy-Kaling-Serie sieht zwar hochwertig aus, gehört aber keineswegs zu den aufwendigsten Produktionen des Streamingzeitalters. Wie schon bei «Never Have I Ever» fehlen für eine wirklich runde Geschichte schlicht einige zusätzliche Episoden.
Mit «Not Suitable for Work» liefert Mindy Kaling eine solide, hochwertig produzierte Serie ab, die vor allem von ihrem jungen Ensemble profitiert. Doch die neun Episoden reichen kaum aus, um den zahlreichen Figuren die nötige Tiefe zu verleihen. Viele Handlungsstränge wirken angerissen, manche Konflikte wiederholen sich, und gerade die vermeintliche Comedy bleibt erstaunlich humorarm. So entsteht ein durchaus unterhaltsames Young-Adult-Drama, das sein Potenzial erkennen lässt, aber noch nicht die erzählerische Reife früherer Kaling-Produktionen erreicht. Sollte eine zweite Staffel bestellt werden, wäre vor allem eines nötig: mehr Zeit für die Figuren.
«Not Suitable or Work» ist seit 23. Juni bei Disney+ zu finden.