Der öffentlich-rechtliche Sender kann auch nun beim «Eurovision Song Contest» teilnehmen. Eine Entscheidung hierzu soll demnächst getroffen werden.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat CBC/Radio-Canada als Vollmitglied aufgenommen. Die Entscheidung fiel auf der 96. Generalversammlung der Organisation in Prag. Damit vertieft sich die Zusammenarbeit zwischen der EBU und dem kanadischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der bereits seit 1950 als assoziiertes Mitglied Teil des Netzwerks war.
Mit dem neuen Status erhält CBC/Radio-Canada Zugang zu sämtlichen Angeboten der EBU. Dazu gehören unter anderem exklusive Netzwerke für investigativen Journalismus, Faktenprüfung, digitale Nachrichten und Datenjournalismus sowie die Dienste Eurovision News Exchange und Euroradio Music Exchange. Nach Angaben der EBU soll dadurch der Austausch von Nachrichten und Inhalten zwischen den Mitgliedern weiter gestärkt werden.
Mit der Vollmitgliedschaft eröffnet sich für CBC/Radio-Canada zudem die Möglichkeit, am «Eurovision Song Contest» teilzunehmen. Wie die „New York Times“ berichtet, erlaubt der neue Status dem kanadischen Sender grundsätzlich eine Teilnahme am Wettbewerb. Eine Entscheidung darüber ist bislang jedoch nicht gefallen. Ein Sprecher von CBC/Radio-Canada kündigte lediglich an, man werde sich zu diesem Thema zu einem späteren Zeitpunkt äußern. Sollte Kanada tatsächlich antreten, wäre es nach Australien das zweite außereuropäische Land, das regelmäßig am «ESC» teilnehmen könnte. Mit Céline Dion, die 1988 für die Schweiz den Wettbewerb gewann, verbindet Kanada bereits heute ein Stück Eurovision-Geschichte.
Möglich wurde die Aufnahme durch eine Änderung der EBU-Statuten, die ebenfalls von der Generalversammlung beschlossen wurde. Diese eröffnet künftig auch Rundfunkanstalten außerhalb Europas eine Vollmitgliedschaft, sofern ihre Länder über ein öffentlich-rechtliches Mediensystem verfügen, das den Grundsätzen des Europarats entspricht, und einen offiziellen Beobachterstatus beim Europarat besitzen. Kanada erfüllt beide Voraussetzungen. Mit der Aufnahme von CBC/Radio-Canada umfasst die EBU nun 115 Rundfunkorganisationen aus 57 Ländern.
Noel Curran, Generaldirektor der EBU, erklärte: „CBC/Radio-Canada gehört seit unserer Gründung im Jahr 1950 zur EBU-Familie. Als einer der weltweit führenden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hat CBC/Radio-Canada bereits einen enormen Beitrag zu unserer Union geleistet – indem sie uns dabei half, die Standards des öffentlich-rechtlichen Journalismus zu starten und aufrechtzuerhalten, die gerade jetzt von größter Bedeutung sind. Die Vollmitgliedschaft bedeutet, dass wir nun gemeinsam noch mehr erreichen können: bei der Rechenschaftspflicht der Plattformen, bei vertrauenswürdigen Nachrichten und bei der Widerstandsfähigkeit, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten für die kommenden Jahre aufbauen müssen. Kanadas Stimme in dieser Gemeinschaft macht uns stärker.“
Marie-Philippe Bouchard, Präsidentin und Geschäftsführerin von CBC/Radio-Canada, sagte: „Vielen Dank an die Europäische Rundfunkunion (EBU), dass sie CBC/Radio-Canada als Vollmitglied aufgenommen hat. Dieses neue Kapitel in unserer Beziehung zur EBU und ihren Mitgliedern wird unsere Zusammenarbeit in einer Zeit vertiefen, in der die kollektive Wirkung der öffentlich-rechtlichen Medien von entscheidender Bedeutung ist. Es ist ein wichtiger Meilenstein, der den Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks zugutekommen wird, indem er dazu beiträgt, Desinformation zu bekämpfen und den kulturellen Ausdruck zu fördern.“