MDR setzt «NS-Cliquen: Von Menschen und Mördern» fort

Der MDR veröffentlicht fünf neue Folgen seines Geschichtspodcasts über Täterbiografien im Nationalsozialismus und lädt zum Staffelstart zu einer öffentlichen Diskussion nach Halle ein.

Der MDR hat die dritte Staffel seines Podcasts «NS-Cliquen: Von Menschen und Mördern» gestartet. Die erste der insgesamt fünf neuen Episoden ist ab sofort in der ARD Audiothek verfügbar, weitere Folgen erscheinen jeweils donnerstags. Begleitend zum Staffelstart veranstaltet der Sender am 25. Juni 2026 um 18 Uhr im Funkhaus Halle (Saale) eine öffentliche Podiumsdiskussion. Produziert wird «NS-Cliquen: Von Menschen und Mördern» von Studio Schumann in Leipzig im Auftrag des MDR. Autorin der dritten Staffel ist Susann Reich, die redaktionelle Verantwortung liegt bei Andrea Besser-Seuß.

Die neue Staffel knüpft an die Veröffentlichung der vollständig digitalisierten NSDAP-Mitgliederkartei an und beleuchtet exemplarisch Biografien von Männern und Frauen, die auf unterschiedliche Weise in das Terror- und Vernichtungssystem des Nationalsozialismus eingebunden waren. Historiker Dr. Stefan Hördler und Wissenschaftsjournalistin Janine Funke untersuchen dabei anhand umfangreicher Recherchen und bislang unveröffentlichter Quellen die Entstehung von Täternetzwerken und die Radikalisierung einzelner Personen.

Im Mittelpunkt steht das Jahr 1941, das als Wendepunkt der nationalsozialistischen Gewaltpolitik gilt. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 eskalierte die Gewalt gegen Zivilisten und Bevölkerungsgruppen in bislang unbekanntem Ausmaß. Die Podcast-Reihe zeichnet anhand von fünf Lebensläufen nach, wie sich Karrieren innerhalb des NS-Systems entwickelten und welche Rolle Ideologie, Opportunismus und persönliche Ambitionen spielten.

Die erste Folge widmet sich Ludolf-Hermann von Alvensleben aus Halle (Saale). Der Angehörige eines Adelsgeschlechts war als Führer des sogenannten Volksdeutschen Selbstschutzes in Danzig-Westpreußen für zahlreiche Massaker verantwortlich und stieg später zum SS- und Polizeiführer auf der Krim auf. Eine weitere Episode beschäftigt sich mit Jakobus Onnen, einem ostfriesischen Lehrer und SS-Funktionär, der auf einem bekannten Holocaust-Foto aus dem ukrainischen Berditschiw zu sehen ist. Der Podcast untersucht die ideologischen und persönlichen Faktoren, die zu seiner Beteiligung an Massenverbrechen führten.

Auch Gerhard Palitzsch steht im Fokus der neuen Staffel. Der aus Sachsen stammende SS-Angehörige war an den ersten Giftgasversuchen im Konzentrationslager Auschwitz beteiligt und galt als einer der brutalsten Funktionäre des Lagers. Seine Karriere endete erst nach Gewalt- und Alkohol-Exzessen sowie sexuellen Übergriffen, die schließlich zu seiner Verurteilung durch ein SS-Gericht führten.

19.06.2026 00:02 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/172794