Bringt die Eishockey-WM ProSieben wirklich etwas?

Zum dritten Mal übertrugen ProSieben und ProSieben Maxx die Eishockey-WM. Die Quoten zeigen: Ohne deutsche Beteiligung bleibt das Turnier ein Nischenprodukt. Trotzdem ist das Rechtepaket für Seven.One nicht automatisch wertlos.

Zum dritten Mal haben ProSieben und ProSieben Maxx die Eishockey-Weltmeisterschaft übertragen. Auf dem Papier klingt das nach einem konsequenten Ausbau der Sportstrategie: American Football hat bei ProSieben Maxx über Jahre funktioniert, die Darts-WM liefert Sport1 traditionell schöne Winterwerte, und auch Eishockey besitzt eine treue, leidenschaftliche Fangemeinde. Doch die nackten Zahlen der vergangenen drei Jahre erzählen eine deutlich kompliziertere Geschichte. Denn wer die WM-Quoten von 2024, 2025 und 2026 nebeneinanderlegt, erkennt vor allem eines: Das Turnier bringt ProSieben nur dann wirklich etwas, wenn Deutschland spielt – und selbst dann nicht immer.

Insgesamt liegen für die drei Turniere 207 ausgewertete Sendestrecken vor, meist aufgeteilt nach Dritteln. Der Durchschnittswert über alle Übertragungen fällt ernüchternd aus. 2024 kamen die WM-Strecken im Schnitt auf 0,34 Millionen Zuschauer und 2,6 Prozent Marktanteil. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen standen durchschnittlich 0,09 Millionen Zuschauer und 4,0 Prozent zu Buche. 2025 sah es mit 0,42 Millionen Zuschauern, 3,6 Prozent Gesamtmarktanteil und 6,0 Prozent in der Zielgruppe deutlich besser aus. 2026 fiel das Niveau wieder auf 0,38 Millionen Zuschauer, 2,6 Prozent Gesamtmarktanteil und 4,0 Prozent bei den Jüngeren zurück.

Damit ist die wichtigste Erkenntnis bereits benannt: Die Eishockey-WM ist kein verlässlicher Quotenbringer. Sie kann funktionieren, wenn Spiel, Gegner, Uhrzeit und sportliche Bedeutung zusammenpassen. Sie kann aber ebenso schnell ins Bedeutungslose rutschen. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen ProSieben und ProSieben Maxx. Während ProSieben über die drei Jahre durchschnittlich 0,59 Millionen Zuschauer und 4,6 Prozent Marktanteil erreichte, kam ProSieben Maxx nur auf 0,14 Millionen Zuschauer und 1,0 Prozent. In der Zielgruppe lag ProSieben im Schnitt bei 7,6 Prozent, ProSieben Maxx dagegen bei lediglich 1,2 Prozent.

Das ist kein kleiner Abstand, sondern ein struktureller Bruch. ProSieben funktioniert als Bühne für deutsche Spiele, ProSieben Maxx dient eher als Auffangbecken für Zusatzpartien. Diese Zusatzpartien mögen für Eishockey-Fans interessant sein, für das klassische Fernsehpublikum sind sie aber kaum relevant. Spiele wie Österreich gegen USA, USA gegen Finnland oder Schweiz gegen Österreich erreichten 2026 teilweise nur verschwindend geringe Zielgruppenwerte. Einige Strecken lagen bei 0,0 bis 0,2 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Das ist selbst für einen kleineren Sender bitter.

Der Befund wird noch klarer, wenn man die Spiele mit deutscher Beteiligung separat betrachtet. 2024 erreichten Deutschland-Spiele durchschnittlich 0,70 Millionen Zuschauer und 6,0 Prozent Marktanteil, in der Zielgruppe sogar 10,3 Prozent. 2025 stieg der Schnitt bei deutschen Partien auf 0,75 Millionen Zuschauer und 6,9 Prozent Gesamtmarktanteil, bei den Jüngeren auf starke 12,1 Prozent. 2026 fiel das Niveau auf 0,66 Millionen Zuschauer, 4,1 Prozent Gesamtmarktanteil und 6,9 Prozent in der Zielgruppe. Noch immer waren deutsche Spiele klar stärker als der Rest, aber der große Schwung des Vorjahres fehlte. Diese Quoten wurden von dem sehr schlechten Start der deutschen Mannschaft untermauert, die fast alle Spiele verloren.

Die besten Werte zeigen, welches Potenzial grundsätzlich vorhanden ist. Das dritte Drittel von Deutschland gegen Dänemark erreichte 2025 bei ProSieben 1,91 Millionen Zuschauer, 11,3 Prozent Gesamtmarktanteil und 15,6 Prozent in der Zielgruppe. Auch Deutschland gegen Schweiz, Deutschland gegen Norwegen oder USA gegen Deutschland kamen in einzelnen Dritteln auf sehr ordentliche Werte. 2024 erzielte das erste Drittel Slowakei gegen Deutschland 16,7 Prozent bei den Jüngeren, 2025 schaffte Schweiz gegen Deutschland sogar 17,9 Prozent. Solche Zahlen sind für ProSieben attraktiv, weil sie oberhalb des Senderschnitts liegen und zeigen, dass Live-Sport weiterhin Ereignischarakter entwickeln kann.

Doch diese Spitzen verdecken nicht das Grundproblem. Die WM besteht nicht nur aus deutschen Spielen. Und sobald Deutschland nicht beteiligt ist, bricht das Interesse massiv ein. 2024 kamen Nicht-Deutschland-Spiele im Schnitt nur auf 0,20 Millionen Zuschauer und 1,5 Prozent in der Zielgruppe. 2025 waren es 0,25 Millionen Zuschauer und 2,7 Prozent, 2026 0,23 Millionen Zuschauer und 2,5 Prozent. Das sind Werte, die man programmstrategisch kaum schönreden kann. Für ProSieben Maxx mögen einzelne Sportflächen als Markenpflege vertretbar sein, doch ein breites Publikum entsteht daraus nicht.

Für ProSieben stellt sich deshalb die Frage, ob der Sender mit der WM tatsächlich Reichweite gewinnt oder nur Programmfläche füllt. Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Als klassisches Quoteninvestment wäre die Eishockey-WM riskant. Zu viele Spiele laufen unter Senderschnitt, zu viele Partien interessieren außerhalb der Eishockey-Blase kaum jemanden. Aber als Sportmarke kann das Paket trotzdem sinnvoll sein. ProSieben erhält Live-Inhalte, kann «ran» weiter als plattformübergreifende Marke bespielen und hat im Erfolgsfall die Chance auf kurzfristige Aufmerksamkeit. Gerade deutsche K.o.-Spiele oder entscheidende Vorrundenpartien können Werte liefern, die mit Filmen oder Serienwiederholungen nicht selbstverständlich wären.

Hinzu kommt: Live-Sport hat einen anderen Wert als austauschbare Konservenware. Er ist planbar, werbefreundlich, aktuell und im besten Fall emotional. Selbst wenn viele Vorrundenspiele schwach laufen, kann ein einzelnes deutsches Spiel mit hoher Relevanz die öffentliche Wahrnehmung des Rechtepakets verbessern. Das Problem ist nur: Dieser Effekt lässt sich nicht garantieren. 2025 war aus Quotensicht das beste der drei Jahre, 2026 folgte wieder ein deutlicher Rückschritt. Damit fehlt der Nachweis, dass die WM bei Seven.One kontinuierlich wächst.

Besonders heikel ist die Rolle von ProSieben Maxx. Der Sender ist als Sportkanal zwar etabliert, aber die Eishockey-WM bringt dort nur selten echte Impulse. 2024 lag der durchschnittliche Zielgruppenmarktanteil bei 1,0 Prozent, 2025 bei 1,7 Prozent, 2026 bei 1,2 Prozent. Das ist keine Entwicklung, sondern ein Pendeln auf niedrigem Niveau. Wenn ProSieben Maxx mit Zusatzspielen vor allem Hardcore-Fans bedient, erfüllt das zwar einen Servicegedanken, wirtschaftlich dürfte der Nutzen aber begrenzt sein. Nach drei Jahren lässt sich sagen: Die Eishockey-WM ist kein Quotenhit. Sie ist ein kalkulierbares Sportprodukt mit gelegentlichen Ausreißern nach oben. Ob das reicht, hängt weniger von den Marktanteilen der Vorrundenspiele ab als von der Frage, wie viel Seven.One eine verlässliche Präsenz im Livesport wert ist.
05.06.2026 12:18 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/172269