Würzburg wurde über Christi Himmelfahrt zum Zentrum von Kirche, Politik und Medien. Der Katholikentag lockte zehntausende Besucher an, doch im Mittelpunkt standen weniger spirituelle Fragen als vielmehr Bundeskanzler Friedrich Merz, politische Debatten und ein enormes mediales Interesse.
Zwischen Christi Himmelfahrt und dem darauffolgenden Sonntag richtete die katholische Kirche den Katholikentag in Würzburg aus. Rund 74.000 Besucher strömten in die unterfränkische Universitätsstadt. Würzburg selbst ist ein Ort voller Widersprüche: eine traditionsreiche katholische Stadt, die zugleich moderne Wissenschafts- und Wirtschaftsregion ist. Hier sitzen mit der der 1402 gegründeten Universität und dem Universitätsklinikum die größten Arbeitgeber der Region, zugleich stammen Unternehmen wie Flyeralarm oder die Modemarke s.Oliver aus der Stadt (zuletzt nahm man ProSieben-Gesicht Heidi Klum unter Vertrag). Dennoch prägen Geschichte und Religion den Ort bis heute sichtbar. Noch bis 1749 wurden in der Region Menschen wegen Hexerei hingerichtet – eine der letzten bekannten Hexenverfolgungen im Heiligen Römischen Reich.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der Auftritt des Kanzlers am Freitag. Mehr als 600 Demonstranten protestierten gegen seine Politik, einige Aktivisten unterbrachen sogar kurzzeitig die Veranstaltung „Gemeinsam Zukunft gestalten“, an der neben Merz auch Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, sowie Lisa Quarch vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend teilnahmen. Auffällig war dabei die vergleichsweise lockere Sicherheitslage: Weder bei Bundeskanzler Merz noch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fanden sichtbare Taschen- oder Körperkontrollen statt.
Parallel dazu fanden zahlreiche weitere Diskussionsrunden statt. In der Würzburger Posthalle diskutierten Moderator Daniel Heinze, mit «Machtwechsel»-Moderator Robin Alexander, Journalist Tilo Jung, die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Yvonne Magwas sowie „Süddeutsche Zeitung“-Redakteurin Dr. Christina Berndt über gesellschaftliche Polarisierung und die Rolle von Angst in politischen Debatten. Die Planung hätte besser laufen können: Alexander ist Merz‘ kritischer Begleiter und hätte die Fakten bei der Panel-Diskussion belegen können. Alexander sprach dann noch am Samstag mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen ist.
Schon zur offiziellen Eröffnung in der Würzburger Residenz hatte Söder versucht, die Bedeutung christlicher Traditionen hervorzuheben und sich gegen die Abschaffung religiöser Feiertage ausgesprochen. Während Oberbürgermeister Martin Heilig das Publikum mit humorvollen Bemerkungen mit einem Witz zwischen Katholiken, Protestanten und Rabbinern auflockerte, sorgte vor allem die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dr. Irme Stetter-Karp, für einen der eindrucksvollsten Momente des Abends. Ohne große Inszenierung sprach sie frei zum Publikum und schuf damit eine Ruhe im Saal, die bei großen kirchlichen Veranstaltungen inzwischen selten geworden ist. Untermalt wurde der Festakt durch das ValdoQuartett (Sopran: Stella-Verona Ulrich).