Die Kritiker: «Havelland-Krimi – Hinter der Fassade»

Am Samstag startet das ZDF in eine neue Krimi-Reihe, die erstaunlich atmosphärisch daherkommt.

Stab

Darsteller: Dennenesch Zoudé, Jens Atzorn, Linda Belinda Podszus, Anton Dreger, Nadja Engel, Daniel Sträßer
Schnitt: Patricia Testor
Musik: Max Filges, Christoph Schauer
Kamera: Meret Madörin
Buch: Anne Katrin Mascher, Krystof Hybl
Regie: Sabine Bernardi
Mit seinem neuen «Havelland-Krimi» versucht das ZDF einmal mehr, der scheinbar unerschöpflichen Krimilandschaft eine neue regionale Variante hinzuzufügen. Das klingt zunächst nach Pflichtübung: Wasser, Nebel, eine tote Studentin, dazu die übliche Mischung aus Polizeiarbeit und persönlicher Betroffenheit. Und tatsächlich bewegt sich der Film von Regisseurin Sabine Bernardi lange auf vertrautem Terrain. Überraschend ist allerdings, wie konzentriert und angenehm unaufgeregt diese neue Reihe dabei wirkt.

Die Ausgangslage gerät vergleichsweise klassisch. Eine junge Frau wird tot am Havelufer gefunden. Sie studierte Restaurierung in Potsdam – ein Detail, das der Film nicht bloß als dekoratives Milieu benutzt, sondern geschickt in seine Erzählung einwebt.

Dass «Hinter der Fassade» über weite Strecken funktioniert, liegt dabei vor allem an seinem zentralen Ermittlerduo. Dennenesch Zoudé spielt Staatsanwältin Dena Paulos mit einer angenehmen Zurückhaltung. Keine demonstrative Exzentrik, keine modische Verschrobenheit, kein künstlich geschriebenes „Profil“. Stattdessen eine Figur, die zuhört, beobachtet und gelegentlich innehält. Gerade diese Ruhe gibt dem Film Halt. Jens Atzorn als Hauptkommissar Max Zeller ergänzt sie solide, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Zwischen beiden entwickelt sich keine jener routiniert flapsigen TV-Krimidynamiken, die nach drei Dialogzeilen erschöpft sind. Ihr Zusammenspiel lebt eher von kleinen Reibungen und professioneller Skepsis.

Der Film profitiert zudem davon, dass das Drehbuch von Anne Katrin Mascher und Krystof Hybl den Fall nicht unnötig aufbläst. Natürlich gibt es eine Verbindung zu einem früheren Mordfall, natürlich gerät ein einst freigesprochener Dozent erneut ins Visier der Ermittler. Das ist kein revolutionärer Einfall. Aber das Drehbuch widersteht immerhin der Versuchung, daraus eine hysterische Verschwörungsgeschichte zu machen. Stattdessen bleibt vieles erstaunlich bodenständig. Menschen handeln hier oft aus Schwäche, Angst oder Selbstschutz – nicht aus jener überdramatisierten Bosheit, die viele Fernsehkrimis inzwischen vor sich hertragen.

Einige Nebenfiguren bleiben derweil etwas skizzenhaft, und zudem spürt man bisweilen, dass diese neue Reihe bereits einzelne Figurenkonstellationen vorzubereiten scheint, die vermutlich erst in späteren Folgen vertieft werden sollen. Manche Dialoge erklären gerade in diesem Sinne etwas zu deutlich, und gelegentlich schleichen sich jene typischen Fernsehmomente ein, in denen Ermittler erstaunlich schnell genau die richtigen Zusammenhänge erkennen.

Dennoch hinterlässt «Havelland-Krimi – Hinter der Fassade» einen überraschend stabilen Eindruck. Der Film will offenbar kein hypermodernes Prestigeformat sein und auch kein sensationslüsterner True-Crime-Abklatsch. Stattdessen setzt er auf Atmosphäre, Figuren und eine gewisse emotionale Erdung. Das klingt bescheiden – und ist vielleicht gerade deshalb seine größte Stärke. Denn der Film entwickelt erstaunlich konsequent eine stille Melancholie, die gut zu seiner Geschichte passt. Manchmal erinnert das an skandinavische Krimiformate, allerdings ohne deren oft demonstrative Trostlosigkeit zu kopieren.

Wenn die Reihe dieses Niveau hält und ihren Figuren künftig noch etwas mehr Eigenleben erlaubt, könnte aus dem «Havelland-Krimi» tatsächlich mehr werden als nur ein weiterer Titel im endlosen deutschen Krimiverzeichnis. Dieser Auftakt wirkt jedenfalls wie ein Format, das verstanden hat, dass Spannung nicht immer Lautstärke braucht.

Der Film «Havelland-Krimi – Hinter der Fassade» wird am Samstag, den 9. Mai um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
08.05.2026 11:20 Uhr  •  Oliver Alexander Kurz-URL: qmde.de/171586