Olga von Luckwald: ‚Das Saarland ist für mich ein spannender Schauplatz‘

Mit «Der Saarland-Krimi» startet im Ersten eine neue DonnerstagsKrimi-Reihe, die nicht nur auf spannende Fälle, sondern auch auf starke Figuren setzt. Olga von Luckwald spricht im Interview über ihre Rolle als Elisa Santori, die komplizierte Beziehung zu ihrem Ex-Kollegen und darüber, warum gerade das Saarland als Schauplatz eine besondere Dynamik entfaltet.

Frau von Luckwald, mit «Der Saarland-Krimi» startet eine neue ARD Degeto DonnerstagsKrimi-Reihe. Was hat Sie an diesem Projekt und insbesondere an der Figur Elisa Santori gereizt?
Beim ersten Lesen des Drehbuchs von Matthias Schnelting mochte ich vor allem die Figur Elisa und die Dynamik zwischen ihr und ihrem Ex-Kollegen Tayfun Can. Die beiden verbindet eine lange gemeinsame Geschichte und vor allem ein großes Schweigen. Unausgesprochenes zwischen Menschen weckt immer meine Neugier und bringt automatisch Spannung mit sich. Dass diese neue Krimireihe auf einer so persönlichen und zugleich konfliktreichen Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren aufbaut, fand ich besonders reizvoll.

Elisa Santori trifft in diesem Fall auf ihren ehemaligen Kollegen Tayfun Can, der privat tief verstrickt ist. Wie beeinflusst diese persönliche Nähe die Ermittlungsarbeit Ihrer Figur?
Die persönliche Nähe zu Tayfun macht es Elisa natürlich schwer, ihre professionelle Distanz zu wahren. Durch ihre gemeinsame Vergangenheit fühlt sie sich ihm nach wie vor verbunden, gleichzeitig steht aber viel zwischen ihnen. Deshalb muss Elisa sich zunehmend fragen, ob sie Tayfun wirklich trauen kann. Schließlich war er es, der sie beruflich im Stich gelassen und persönlich tief verletzt hat.

Der Film erzählt nicht nur einen Kriminalfall, sondern auch eine Geschichte über Familie, Loyalität und Schuld. Wie wichtig ist diese emotionale Ebene für die Figur Elisa?
Extrem wichtig. Diese emotionale Ebene und die Auseinandersetzung mit Themen wie Familie, Loyalität und Schuld bilden das Fundament der Figur Elisa. Das sind Fragen, die uns alle auf unterschiedliche Weise beschäftigen. Es hat mir große Freude gemacht, mich in Elisas Gefühlswelt hineinzudenken und herauszufinden, wie sie mit diesen Themen umgeht.

Elisa Santori bewegt sich zwischen professioneller Distanz und persönlicher Vergangenheit. Wie haben Sie diese Balance in Ihrer Darstellung entwickelt?
Ich habe versucht, Elisa in all ihren Gefühlen ernst zu nehmen. Sie hat einen hohen Anspruch an sich selbst und möchte als Kriminalhauptkommissarin einen guten Job machen. Gleichzeitig nagt ihre Vergangenheit an ihr, und die Begegnung mit Tayfun löst einiges in ihr aus. Wir kennen ja alle diese Momente, in denen man das Gefühl hat, dass Herz und Kopf nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten. Das klingt vielleicht ein bisschen klischeehaft, aber genau dieses Gefühl der inneren Zerrissenheit hat mir sehr geholfen, die Figur zu greifen.

Elisa Santori wirkt als Figur sehr fokussiert und professionell. Gibt es in diesem Film Momente, in denen sie emotional stärker ins Wanken gerät?
Auf jeden Fall. Elisa hat gelernt, sich eine Art Panzer zuzulegen, um sowohl beruflich als auch privat bestehen zu können. Umso schöner fand ich die Momente im Drehbuch, in denen dieser Panzer Risse bekommt – in denen sie ins Wanken gerät, unsicher wird und die Kontrolle verliert. Gerade in den Begegnungen mit ihrem Ex-Kollegen Tayfun wird ihre Verletzlichkeit spürbar. Ihre gemeinsame Vergangenheit löst noch immer mehr in ihr aus, als ihr lieb ist.

Das Saarland ist neu im Kosmos des DonnerstagsKrimis. Was macht diesen Schauplatz aus Ihrer Sicht besonders – auch im Vergleich zu anderen Krimireihen?
Das Saarland ist für mich ein spannender Schauplatz, gerade weil es im Krimi-Kosmos noch nicht so stark bespielt ist. Besonders reizvoll finde ich die Lage mit gleich zwei internationalen Grenzen. Dadurch bekommen die Geschichten eine andere Dimension. Fälle können sich viel schneller über Landesgrenzen hinweg entwickeln, die Tragweite wird größer, komplexer, gleichzeitig auch politischer oder kulturell vielschichtiger. Saarbrücken selbst hat mich beim Drehen sehr überrascht. Die Stadt ist groß genug, so dass man sich dort durchaus anonym bewegen kann und klein genug um sich mit seinen Mitmenschen vertraut zu fühlen. Und genau das macht es für einen Krimi so spannend. Im schlimmsten Fall ist man einem Verbrechen eben nicht so fern, wie man denkt. Diese Mischung aus Nähe und möglicher Anonymität, gepaart mit der besonderen Grenzlage, gibt dem Saarland für mich eine ganz eigene Atmosphäre mit viel erzählerischem Potenzial.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Der Saarland-Krimi» mit dem Titel „Bruder, Liebe, Tod“, ist am Donnerstag, den 30. April, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Ab 27. April kann der Film gestreamt werden.
28.04.2026 12:08 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/171063