«Ich dich auch!»: Starkes Kammerspiel mit zu viel Beziehungsdrama

Die vierte Staffel von «Ich dich auch!» überzeugt mit pointiertem Humor und starken Einfällen – verliert sich aber zu oft in immer gleichen Beziehungskonflikten.

Seit vier Jahren versüßt «Ich dich auch!» das Leben der ZDF-Zuschauer. Die Serie basiert auf dem britischen Format «Him & Her», das bereits zwischen 2010 und 2013 von Stefan Golaszewski für BBC Three produziert wurde. In der deutschen Adaption übernehmen Rojan Juan Barani und Meriel Hinsching die Rollen von Yannik Stefan und Caro Golaszewski.

Bereits im Finale der dritten Staffel wurde offenbart, dass in Yanniks Bett nicht etwa dieser liegt, sondern eine völlig fremde Person. Caro kommt früher aus Neuseeland zurück und findet Malte vor, der ebenfalls überrascht ist. Schließlich sollte seine Affäre Sven in der Wohnung sein. Unterdessen führt Yannik nun einen Getränkeladen, allerdings hat dieser einen Wasserschaden. Aus diesem Grund wird das gesamte Inventar in der Küche gelagert. Yannik hatte noch vor, innerhalb eines Tages eine komplette Küche aufzubauen – das kann ja nur schiefgehen. Nachdem auch Svenja vorbeikommt, folgt ein typisches Katz-und-Maus-Versteckspiel durch das Appartement: Schlafzimmer, Küche, Bad und Hausflur. Svenja hat beim Ausparken Maltes Auto angefahren, begeht aber Fahrerflucht. Jackie ist jetzt beim Ordnungsamt und versucht ständig, zu ihrer Arbeit aufzubrechen. Tüffi, der Liebling von allen, vermutet, an Gonorrhö zu leiden. Zum Glück kann Svens Affäre Malte die Situation aufklären – es könnte auch nur eine leichte Entzündung der Prostata sein, schließlich ist er Arzt.

Willkommen bei der ersten Folge der vierten «Ich dich auch!»-Staffel. Auch hier verliert die Serie nicht ihren eigenen Geschmack und bietet ein herrliches Kammerspiel mit überraschenden Momenten. Während sich einige Probleme wie Svenjas Fahrerflucht anbahnen, sind andere Geschichten wirklich angenehm überraschend. Beispielsweise wollen Tüffi und Jackie zu ihren Verwandten auf Gran Canaria aufbrechen, doch die Pässe sind verschwunden. Wo diese dann gefunden werden, ist eben typisch Jackie.

In „Der Engel“ findet ein Christopher Street Day vor der Haustür statt, bei dem Jackies Schwester übers Wochenende auftaucht. Yannik schluckt eine unbekannte Pille, woraufhin er Panik vor einem Drogenrausch bekommt. Sven outet sich als bisexuell, möchte sich jedoch nicht der CSD-Community anvertrauen. Unterdessen kehrt Malte zurück, der seine PrEP-Pille sucht. Ja, genau diese hat Yannik geschluckt – nichts mit Drogen.

Eine gelungene Folge ist beispielsweise „Der Dichtungsring“, in der Svenja und Sven endlich ihre Scheidungspapiere unterschreiben. Der Bekannte Hauke kommt zu Besuch und soll Caro bei ihrer Psychologie-Facharbeit helfen. Es folgt eine Familienaufstellung, doch es kommt zu Streitigkeiten. Sven gesteht Svenja, dass er sie nicht nur mit Männern, sondern auch mit Isabella Schmidt betrogen hat. Obwohl Svenja das emotional schwer trifft, küssen sich die beiden im Hauseingang noch einmal. Caro macht Yannik einen Heiratsantrag – allerdings nur zum Spaß.

Das steigert sich in der Folge „Der Butterkuchen“, als Caros und Svenjas Oma Magda verstorben ist. Die Familie ist versammelt, und Caro fällt gar nicht auf, dass Yannik auf Fotos fehlt und aufgrund der geizigen Mutter nicht einmal auf dem Kranz erwähnt wurde. Yannik will die Verlobung offiziell machen, doch Caro selbst hat das nie ernst gemeint. So kommt es in einer der späteren Episoden scheinbar zum Bruch zwischen den beiden. Eigentlich ist die Nachbarin Sam aus einem der oberen Stockwerke in Yannik verliebt, doch dieser würde nicht fremdgehen. Schließlich erklärt Caro jedoch, dass sie sich mit 26 Jahren noch nicht binden möchte. Wie bereits in mehreren Folgen zuvor ist sie unschlüssig – dafür war sie schließlich sogar ein Jahr in Neuseeland.

Für Yannik bricht eine Welt zusammen. Um dieses Gefühl noch weiter auszuspielen, haben sich die Autoren etwas Besonderes einfallen lassen: „Das Zwiebelfest“ ist ein Rückblick. Yannik hat ein Date mit Isabella Schmidt, die sich jedoch verspätet. Caro und Svenja tauchen plötzlich auf, weil auch Sven dort unterwegs ist. Die Staffel endet einmal mehr unbefriedigend, und man fragt sich, was die Autoren eigentlich wollen.

«Ich dich auch!» ist eigentlich eine Comedy-Serie, in der die Paare irgendwann ein eingespieltes Team sein sollten. Doch diese dauernde Trennungsangst, die den Zuschauern vermittelt wird, ist bei Yannik und Caro inzwischen ermüdend. Soll die Beziehung beendet werden? Dann bitte mit der fünften Staffel ein neues Setting aufbauen. Die vierte Staffel endet jedoch erneut mit einem Cliffhanger, der vermutlich erst 2027 aufgelöst wird – eine verdammt lange Zeit.

«Ich dich auch!» ist seit 17. März 2026 beim ZDF abrufbar.
08.07.2026 12:00 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/171061