Was als faszinierendes Serienkonzept begann, verliert in Staffel zwei spürbar an Fokus: «Paradise» verzettelt sich in Rückblenden, Nebenplots und zu vielen offenen Fragen.
Dan Fogelman erschuf mit «Paradise» eine fantastische Serie – und droht sie mit Staffel zwei gerade selbst zu verspielen. Die Prämisse der ersten Folge war klar: Der US-Präsident Cal Bradford (James Marsden) wird umgebracht, und der Secret-Service-Chef Xavier Collins (Sterling K. Brown) findet den Verstorbenen. Am Ende der ersten Episode wird klar, dass wir uns nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika befinden, sondern in einer Parallelgesellschaft, die in einem vermeintlichen Paradies lebt. Es machte in der ersten Staffel durchaus viel Spaß, diese neue Welt zu erkunden. Allerdings war das Rätsel um den Mord eher unterdurchschnittlich. Am Ende entpuppte sich ein ehemaliger Projektmanager als Täter, der die Identität des Bibliothekars von Liberty Grove angenommen hatte. Inzwischen war die Storyline, ob er außerhalb der Kuppel weiterleben kann, deutlich spannender.
In der zweiten Folge lässt Fogelman Jason Wilborn weit zurückblicken: 2004 verletzte sich Collins bei der Ausbildungsakademie des Secret Service am Knie und lernte dort Teri (Enuka Okuma) im Krankenhaus kennen. In der Gegenwart stürzt Collins während eines Hagelsturms und kugelt sich die Kniescheibe aus. Eine Gruppe von Kindern rettet ihn, ehe später Annie auf ihn trifft. Der frühere Schauspieler Scott Weiniger schrieb das Drehbuch für „Another Day in Paradise“, eine Episode, die erneut ausschließlich im Bunker spielt.
Gleichzeitig wird unfassbar viel Zeit für Rückblenden verschwendet. Was bei «This Is Us» funktionierte, wirkt bei «Paradise» wie ein Fremdkörper. Statt die Handlung voranzutreiben, tritt die Serie auf der Stelle. Die acht Episoden erzählen letztlich erschreckend wenig – verlieren sich aber in Nebengeschichten, die kaum Relevanz haben. Vor allem die Episoden „The Mailman“ und „Jane“ sind symptomatisch für das Problem der Staffel: Sie erzählen ausführlich Geschichten, die für die eigentliche Handlung kaum Bedeutung haben. Statt Spannung entsteht Leerlauf – und der Zuschauer wartet darauf, dass es endlich weitergeht. Eine Stunde lang wird die Geschichte des Postboten Gary Jones (Cameron Britton) erzählt, der auf Verschwörungstheorien hereinfällt und sich mithilfe einer Online-Überlebensgruppe auf eine mögliche Katastrophe vorbereitet. Die Zuschauer erfahren, wie Gary Teri kennenlernt und wie sie sich im Bunker wiederbegegnen. Nachdem ein Zug in die Stadt einfährt, steigen die meisten Mitglieder der Gruppe aus. Xavier Collins trifft ebenfalls auf Gary, der immer wieder Informationen zurückhält, sodass Collins beinahe sein Leben verliert.
In der Episode „Jane“ wird dem Zuschauer ausführlich die Geschichte von Jane Driscoll erzählt. Beispielsweise erhält ein Mann im Jahr 1997 die Nachricht, dass ein bestimmtes Kind, das zu einem gewissen Zeitpunkt geboren wird, getötet werden müsse – es sei der Teufel. Driscoll wird tatsächlich zur eiskalten Mörderin, und mithilfe dieser Hintergrundgeschichte lässt sich ihr Weg nachvollziehen. Wirklich interessant ist das jedoch nicht, da sich ihr Weg von dem der übrigen Überlebenden früher oder später trennen wird. Nach diesen beiden Füller-Episoden geht es endlich weiter: Xavier trifft seine Frau, und gemeinsam machen sich alle auf den Weg nach Colorado zum Bunker. Dort kommt es aufgrund einer abgeschlagenen Leitung durch ein Stahlrohr zu einem möglichen Super-GAU. Zudem trifft Sinatra Redmond auf einen alten Bekannten.