Hanna Plaß: ‚Familiendynamik trifft Ermittlungsdruck‘

Die Schauspielerin Plaß spricht über die besondere Konstellation in «Im Grunde Mord», emotionale Konflikte im Ermittlerteam und warum ihre Figur Paula Schäfer bewusst aneckt statt zu vermitteln.

Frau Plaß, in «Im Grunde Mord» spielen Sie die Kommissarin Paula Schäfer, die in ihre Heimat Detmold zurückkehrt. Was hat Sie an dieser Figur sofort gereizt?
Ich finde Paulas Zwiespalt in der Familienkonstellation besonders reizvoll. Sie ist die Vorgesetzte ihres großen Bruders und einer Staatsanwältin unterstellt, die die beste Freundin ihrer verstorbenen Mutter war und sowas wie eine Ziehmutter für die beiden Geschwister. In dieser Situation professionell zu bleiben, ist nicht einfach und ich habe es mir von Anfang an spannend vorgestellt das zu spielen.

Paula ermittelt gemeinsam mit ihrem Bruder Leon – eine Konstellation, die im Krimi eher selten ist. Wie verändert dieses familiäre Ermittlerteam die Dynamik der Geschichte?
Für einen guten Krimi sind Spannung und Risiko wichtig. Paula geht häufiger größere Risiken ein als ihr großer Bruder. Das heizt die ohnehin schon angespannte Stimmung zwischen den Geschwistern auf. So trifft eine Familiendynamik auf eine Ermittler:innendynamik. Das gibt dem Krimi einen ganz eigenen Spin.

Ihre Figur kehrt in ihre alte Heimat zurück und muss dort nicht nur einen Mordfall lösen, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. Wie prägt dieses persönliche Umfeld Paula als Ermittlerin?
Es macht sie angreifbar und verletzlich. Für Paula ist es wichtig gut in ihrem Job zu sein. Aber um sich auf ihre Instinkte verlassen zu können, braucht sie einen klaren Kopf. Mit einem großen Bruder neben ihr, der eigentlich genervt von ihr ist, gar nicht so einfach…

Der Fall führt in ein Geflecht aus lokalen Machtstrukturen, politischen Interessen und persönlichen Beziehungen. Wie wichtig ist dieser regionale Mikrokosmos für die Spannung des Films?
Macht beziehungsweise der Verlust von Macht ist bekanntlich eines der Hauptmotive für Mord. Deshalb sind genau diese Dynamiken, die Sie erwähnen, sehr wichtig für «Im Grunde Mord». Auch die kommenden Fälle von «Im Grunde Mord» nehmen größere Themen in den Blick, die unweigerlich mit Politik und Machtstrukturen verbunden sind.

Die Geschichte beginnt mit einem mysteriösen Todesfall an den Externsteinen im Teutoburger Wald. Welche Rolle spielt diese besondere Landschaft für Atmosphäre und Ton des Films?
Die mystische Stimmung des Teutoburger Waldes und der Externsteine zieht viele verschiedene Menschen in ihren Bann und ist mit einem Füllhorn von Geschichte und Geschichten verbunden. Für unsere Krimireihe ist das ein großer Schatz.

Zwischen Paula und der Staatsanwältin Britta Everslage besteht eine familiäre Verbindung, gleichzeitig geraten sie auch politisch unter Druck. Wie kompliziert wird dieses Verhältnis im Laufe der Ermittlungen?
Auch hier überschneiden sich berufliches und privates, und Britta Everslage muss wirklich das ein oder andere Machtwort sprechen. Aber sie bleiben dran und versuchen jeden Tag aufs Neue zueinander zu finden.

Der Film verbindet klassische Mordermittlung mit gesellschaftlichen Konflikten im lokalen Umfeld. Glauben Sie, dass genau diese Mischung eine mögliche Reihe besonders spannend machen könnte?
Ich hoffe es sehr!

Wenn «Im Grunde Mord» tatsächlich als Serie oder Reihe weitergeführt wird: Was würden Sie gerne noch stärker über Paula Schäfer erzählen?
Paula ist ein Charakter, der sich noch in so viele Richtungen entfalten kann. Ich bin wirklich gespannt mit ihr auf die Reise zu gehen und herauszufinden, was sie eigentlich nach Detmold getrieben hat.

Viele TV-Krimis leben von ihren Ermittlerfiguren. Was unterscheidet Paula Schäfer Ihrer Meinung nach von anderen Kommissarinnen im deutschen Fernsehen?
Sie ist stur und keine Vermittlerin. Das erleben wir bei Frauen selten.

Wenn das Publikum nach diesem Film sagt: „Diese Figur würde ich gerne öfter sehen“ – wäre das für Sie das schönste Signal für eine Fortsetzung der Reihe?
Das wäre ein riesengroßes Geschenk und würde mich sehr, sehr freuen. Und ich wäre mit der Meinung nicht allein. 😊

Danke für das Gespräch!

«Im Grunde Mord» ist am Montag, 20. April, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen. „Blutsbande“ kann seit 11. April im ZDF gestreamt werden.
15.04.2026 16:00 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/170794