Ab dem 6. Mai 2025 setzt das ZDF auf einen «Aktenzeichen XY… Ungelöst»-Ableger am Mittwoch um 19.25 Uhr. Doch kann das Format eine seit Jahren schwächelnde Schiene wirklich stabilisieren?

Der Mittwochvorabend im ZDF ist seit Jahren eine der größten Baustellen im deutschen Fernsehen. Kaum ein anderer Sendeplatz hat in den vergangenen fünf Jahren eine derart hohe Fluktuation an Formaten erlebt und kaum einer war so konstant von schwankenden bis schwachen Quoten geprägt. Zwischen 2020 und 2025 bewegten sich die meisten Produktionen um 19.25 Uhr in einem Korridor von 2,0 bis 2,8 Millionen Zuschauern, mit Marktanteilen zwischen 7,0 und 10,0 Prozent beim Gesamtpublikum. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lagen die Werte häufig nur bei 3,0 bis 6,0 Prozent, einzelne Ausgaben rutschten sogar unter 2,0 Millionen Zuschauer oder 6,0 Prozent Marktanteil. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender mit dem Anspruch des ZDF ist das zu wenig und vor allem zu instabil.
Auffällig ist dabei vor allem die strategische Entwicklung der vergangenen Jahre. Über Jahrzehnte hinweg funktionierte der ZDF-Vorabend insbesondere mit fiktionalen Krimi-Serien. Reihen mit klarer Figurenbindung, wiederkehrenden Ermittlern und episodischer Struktur sorgten zuverlässig für Reichweiten jenseits der 3,0-Millionen-Marke und Marktanteile im Bereich von 10 bis 14 Prozent. Diese Stabilität ging jedoch zunehmend verloren und wurde schließlich vom Sender selbst aufgegeben.

Mit
«Blutige Anfänger» hatte das ZDF noch bis 2024 eine Serie im Angebot, die zumindest phasenweise an diese Tradition anknüpfen konnte. Die Produktion erreichte meist 3,0 bis 3,8 Millionen Zuschauer und kam auf 10 bis 13 Prozent Marktanteil. In der Spitze wurden sogar Werte knapp unter der 4,0-Millionen-Marke erzielt. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen bewegte sich die Serie mit fünf bis sieben Prozent Marktanteil auf einem für das ZDF soliden Niveau. Dennoch zeigte sich auch hier der typische Vorabend-Effekt: Mit fortschreitender Laufzeit sank die Reichweite teilweise auf unter drei Millionen Zuschauer, was einem Rückgang von rund 15 bis 20 Prozent entspricht. Trotz dieser Schwankungen war «Blutige Anfänger» eines der erfolgreicheren Formate auf diesem Sendeplatz.
Ganz anders verlief die Entwicklung bei
«Hotel Mondial» im Jahr 2023. Die Serie startete mit rund 2,7 Millionen Zuschauern und etwa 9,5 Prozent Marktanteil, fiel jedoch bereits nach wenigen Wochen auf Werte zwischen 2,1 und 2,4 Millionen zurück. Das entspricht einem Verlust von über 20 Prozent innerhalb kurzer Zeit. In der Zielgruppe rutschte die Produktion teilweise auf 3 bis 4 Prozent Marktanteil ab. Damit wurde «Hotel Mondial» zum Paradebeispiel für die Risiken fiktionaler Vorabendserien ohne starke Markenbasis oder klaren Wiedererkennungswert.
Trotz dieser durchwachsenen Bilanz ist die strategische Entscheidung des ZDF bemerkenswert: Der Sender hat sich weitgehend von Krimi-Serien auf diesem Sendeplatz verabschiedet – obwohl genau dieses Genre über Jahrzehnte hinweg für Stabilität sorgte. Stattdessen setzte man verstärkt auf Factual-Formate, also dokumentarische Inhalte und Magazin-ähnliche Sendungen.
Ein Beispiel dafür ist
«Terra X: Serengeti – Wilde Geschichten aus der Savanne», das klar im Bereich der Naturdokumentation angesiedelt ist und nichts mit True Crime zu tun hat. Solche Formate stehen exemplarisch für den Versuch, mit hochwertigen, aber eher episodischen Inhalten den Vorabend zu bespielen. Die Quotenentwicklung zeigt jedoch, dass dieser Ansatz nur bedingt funktioniert. Factual-Formate bewegten sich meist zwischen 2,1 und 2,8 Millionen Zuschauern, mit Marktanteilen von 7,0 bis 9,5 Prozent. In der Zielgruppe lagen die Werte häufig sogar nur bei vier bis fünf Prozent.

Verbrauchersendungen wie
«Die Tricks…» starteten teilweise noch solide mit rund 3,2 Millionen Zuschauern und 11,5 Prozent Marktanteil, verloren jedoch innerhalb weniger Monate deutlich an Zugkraft und fielen auf unter 2,4 Millionen Zuschauer sowie etwa 8,0 Prozent Marktanteil zurück. Auch Reportage-Formate schwankten stark und erreichten oft nur 2,1 bis 2,8 Millionen Zuschauer bei 7,0 bis 9,5 Prozent Marktanteil. Besonders problematisch war die fehlende Zuschauerbindung: Viele dieser Formate verloren innerhalb weniger Wochen bis zu 20 bis 30 Prozent ihres Publikums. Die Factual-Formate «besseresser», «Duell der Gartenprofis – Mein grünes Paradies», «Hab ich Recht? Drei Richter für alle Fälle», «Die Immo-Helden» und «Garden Dreams» fielen in den vergangenen Jahren durch.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Einführung von
«XY Spuren des Verbrechens» wie ein logischer nächster Schritt. Das ZDF kombiniert erstmals systematisch die Stärke einer etablierten Marke mit dem Trend zu Crime-Inhalten am Vorabend. Die Muttermarke «Aktenzeichen XY… Ungelöst» gehört weiterhin zu den erfolgreichsten Formaten des Senders und erreicht regelmäßig 4,5 bis 6,0 Millionen Zuschauer sowie Marktanteile zwischen 16 und 22 Prozent. In besonders starken Ausgaben wurden sogar über 7,0 Millionen Zuschauer gemessen. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen liegt die Sendung mit 8 bis 12 Prozent Marktanteil deutlich über dem Vorabendschnitt.
Allerdings liegt genau darin auch die Herausforderung. Die Rahmenbedingungen am Vorabend unterscheiden sich erheblich von denen der Primetime. Während um 20.15 Uhr durchschnittlich 4,0 bis 5,5 Millionen Zuschauer erreicht werden, liegt die typische Reichweite um 19.25 Uhr nur bei 2,3 bis 2,8 Millionen. Die Marktanteile bewegen sich meist zwischen 8 und 10 Prozent, in der Zielgruppe zwischen vier und sechs Prozent. Selbst ein Erfolg wird also zwangsläufig deutlich unter den Werten der Hauptsendung bleiben.
Für «XY Spuren des Verbrechens» lassen sich dennoch klare Zielwerte formulieren. Ein nachhaltiger Erfolg wäre wohl erst ab etwa 3,0 Millionen Zuschauern und 10 bis 12 Prozent Marktanteil gegeben. In der Zielgruppe sollten mindestens 6 bis 8 Prozent erreicht werden, um sich klar vom bisherigen Durchschnitt abzusetzen. Werte darunter würden zwar möglicherweise eine Verbesserung darstellen, aber kaum als Durchbruch gelten.
Entscheidend wird letztlich die inhaltliche Umsetzung sein. Während «Aktenzeichen XY… Ungelöst» von Live-Elementen und einem hohen Fahndungsdruck lebt, muss «XY Spuren des Verbrechens» eine eigenständige Dramaturgie entwickeln. Sollte das Format zu stark in Richtung klassischer Dokumentation tendieren, droht ein ähnlicher Verlauf wie bei vielen Factual-Produktionen: solide Starts mit anschließenden Rückgängen von 10 bis 20 Prozent innerhalb weniger Wochen.
Die vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass der ZDF-Vorabend ein schwieriges Terrain bleibt. Vielleicht sollte das ZDF auch diesen Timeslot nutzen, um klassische «SOKO»-Ware zu produzieren. Das ist zwar weder kreativ, noch bringt das junge Zuschauer, führt aber zu steigenden Zuschauerzahlen. Mit «XY Spuren des Verbrechens» unternimmt das ZDF nun einen weiteren Versuch, diese Entwicklung zu durchbrechen – allerdings auf einem neuen strategischen Weg.