Filme des Grauens: «Die unendliche Geschichte III»

Was einst als magisches Fantasy-Abenteuer begann, endet hier als liebloser Teenie-Film und als trauriger Tiefpunkt einer einst geliebten Reihe.

Es gibt Filmreihen, die mit jedem Teil wachsen. Und es gibt solche, die mit jedem weiteren Kapitel ein Stück ihrer Seele verlieren. «Die unendliche Geschichte III» gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Was 1984 mit Wolfgang Petersens Verfilmung von Michael Endes Roman als visuell beeindruckendes, emotionales Märchen begann, wird hier endgültig zu einem erstaunlich beliebigen Stück 90er-Jahre-Familienkino degradiert.

Dabei ist schon die Ausgangslage problematisch: Der dritte Teil hat mit der literarischen Vorlage kaum noch etwas zu tun. Autor Michael Ende war nicht mehr beteiligt, die Geschichte ist komplett neu und das merkt man in jeder Szene. Statt poetischer Fantasie und existenzieller Themen gibt es nun eine Mischung aus Highschool-Komödie, Slapstick und Fantasy-Versatzstücken.

Im Zentrum steht erneut Bastian, diesmal gespielt von Jason James Richter, der nach «Free Willy» als jugendlicher Star aufgebaut werden sollte. Doch statt eines träumerischen Außenseiters sehen wir nun einen typischen Teenager mit Alltagsproblemen: neue Familie, neue Schule, nervige Stiefschwester. Fantásien wird dabei eher zum Nebenkriegsschauplatz – ein Ort, den man besucht, wenn die Realität gerade zu langweilig ist.

Und genau hier liegt das größte Problem des Films: Die Magie ist verschwunden. Fantásien wirkt nicht mehr wie eine geheimnisvolle Welt voller Wunder, sondern wie eine billige Kulisse, die nur noch lose an frühere Zeiten erinnert. Figuren wie Fuchur oder Engywook sind zwar wieder dabei, doch sie wirken wie Karikaturen ihrer selbst – ohne Tiefe, ohne Bedeutung. Stattdessen rückt eine neue Bedrohung in den Mittelpunkt: „The Nasties“, eine Gruppe von Schulhof-Schlägern, die mit dem Buch Chaos in Fantásien anrichten. Das klingt schon auf dem Papier absurd – und ist es auch. Die Idee, dass Teenager-Bullys zur zentralen Antagonistenkraft einer Fantasy-Welt werden, nimmt dem Film jede Ernsthaftigkeit. Aus einer metaphysischen Bedrohung wie dem „Nichts“ wird hier ein plumper Highschool-Gag. Besonders deutlich wird das im Tonfall des Films. Während der erste Teil noch von Melancholie und Nachdenklichkeit geprägt war, setzt «Die unendliche Geschichte III» auf Klamauk. Slapstick, überzeichnete Figuren und alberne Situationen dominieren das Geschehen. Selbst dramatische Momente werden oft durch Humor untergraben, der selten zündet.

Ein kurioser Lichtblick ist aus heutiger Sicht die Besetzung: Ein junger Jack Black ist hier in einer frühen Rolle als Anführer der „Nasties“ zu sehen. Doch auch er kann den Film nicht retten – seine Figur ist eindimensional, seine Performance eher laut als wirklich komisch. Es ist einer dieser Fälle, in denen ein späterer Star in einem schwachen Projekt gefangen ist, lange bevor er sein eigentliches Potenzial zeigen konnte.

Technisch betrachtet ist der Film ebenfalls ein Rückschritt. Zwar stammen die Kreatureneffekte erneut aus dem Umfeld von Jim Hensons Creature Shop, doch der Charme der praktischen Effekte wirkt hier abgeschwächt. Vieles sieht günstiger aus, weniger liebevoll gestaltet. Das Budget von rund 25 Millionen Dollar ist dem Film kaum anzusehen – zumindest nicht dort, wo es darauf ankäme. Auch die Struktur des Films wirkt zerfahren. Die Handlung springt zwischen Erde und Fantásien hin und her, ohne einen klaren Rhythmus zu entwickeln. Figuren tauchen auf, verschwinden wieder, Konflikte werden angerissen und schnell aufgelöst. Es fehlt ein roter Faden, der das Ganze zusammenhält.

Am Ende bleibt ein Film, der sich anfühlt wie ein Fremdkörper innerhalb der Reihe. Statt die Welt von «Die unendliche Geschichte» weiterzudenken, reduziert er sie auf eine beliebige Abenteuergeschichte mit Teenie-Elementen. Die großen Themen – Fantasie, Verlust, Selbstfindung – werden durch oberflächliche Konflikte ersetzt. Das spiegelt sich auch in der Rezeption wider: Kritiker sprachen von einer „charmlosen“ und „verzweifelten“ Fortsetzung, das Publikum blieb größtenteils aus. In Deutschland spielte der Film zwar noch einige Millionen ein, international ging er jedoch weitgehend unter. So steht «Die unendliche Geschichte III» exemplarisch für ein Problem, das viele Filmreihen betrifft: Wenn der kreative Kern verloren geht, helfen auch bekannte Figuren und große Namen nicht mehr. Was bleibt, ist eine Hülle ohne Inhalt. Oder anders gesagt: Die Geschichte mag „unendlich“ heißen – aber ihre Magie war es nicht.
02.05.2026 12:55 Uhr  •  Sebastian Schmitt Kurz-URL: qmde.de/170738