Carolin Worbs über Satire: ‚Je wichtiger das Thema, desto größer die Verantwortung‘
Autorin Carolin Worbs spricht über «ZDF Magazin vor Ort», kreative Großprojekte und den Anspruch, komplexe Themen im «ZDF Magazin Royale» verständlich und zugleich unterhaltsam zu erzählen.
Frau Worbs, «ZDF Magazin Royale präsentiert: ZDF Magazin vor Ort» verlegt das bekannte Format plötzlich in ein fiktionales Live-Szenario. Was hat Sie an dieser Idee besonders gereizt?
Das tolle an “Live-Fernsehen” ist ja, dass jederzeit alles passieren kann. Damit zu arbeiten und darauf rumzudenken, finde ich sehr reizvoll. Wir hatten im Autor*innenteam viel Spaß beim Brainstormen. Mir persönlich macht es immer viel Spaß, wenn im Quatsch ein wahrer Kern steckt und wenn Realität und Fiktion verschwimmen. Wenn man sich beim Anschauen einer Sendung fragt: "Moment ist das echt?" und dann selbst anfängt, hinterherzugoogeln.
Die Sendung spielt mit der Ästhetik klassischer Live-Berichterstattung. Wie bewusst war es Ihr Ansatz, journalistische Formen zu parodieren – und gleichzeitig ernst zu nehmen?
Das Ganze ist als Hommage an Live-Berichterstattung gedacht. Ich habe eine totale Bewunderung für Moderator*innen und Reporter*innen, die Live-Berichterstattung meistern. Gleichzeitig kann man da auch wunderbar Manierismen oder kleine Fehler beobachten, die eben nur live passieren und das macht Spaß.
Ihre Figur bewegt sich zwischen Reportage, Satire und Überzeichnung. Wie findet man die richtige Balance, damit es nicht nur Parodie bleibt?
Mir hilft es, mir Backstories für meine Figuren zu auszudenken und zu überlegen: Wie fühlt diese Person in dieser Situation und warum? In welchen Momenten muss sie etwas überspielen? Wann ist sie souverän? Wann reißt vielleicht auch mal der Geduldsfaden? Es hilft, Empathie mit Figuren zu entwickeln und gleichzeitig kleine Schwächen und Marotten herauszuarbeiten.
Viele Beiträge des Formats «ZDF Magazin Royale» gehen viral und prägen öffentliche Debatten. Spürt man als Autorin eine besondere Verantwortung bei solchen Themen?
Als Autor*innen im «ZDF Magazin Royale» gehört es auch zu unserer Aufgabe, komplizierte Sachverhalte für das Fernsehpublikum verständlich zu machen. Je wichtiger oder sensibler ein Thema ist, desto höher ist die Verantwortung, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Wenn ich Beiträge schreibe, die ich selber auch performe, ist es wichtig, zu seiner Haltung zu stehen und nicht den Kopf einzuziehen vor irgendwelchen möglichen Hass-Kommentaren oder rechten Trollen in der Kommentarspalte. Keine Angst, die kommen eh.
Sie haben unter anderem an aufwendig produzierten Stücken wie Musical- oder Animationsfolgen mitgearbeitet. Wie unterscheidet sich die Arbeit an solchen Großprojekten von schnellen Studioeinspielern?
Ideen für Einspieler oder Studioaktionen entstehen teilweise ganz spontan aus der Tagesaktualität. Da ist dann viel Druck drauf, in kurzer Zeit lustige Texte abzuliefern. Großprojekte, wie das Musical- oder die Animationsfolge erfordern viel mehr Zeit und vor allem Ausdauer, sich über einen längeren Zeitraum ausgiebig mit Texten und Charakteren zu beschäftigen. Da braucht es einen lang angelegten Plan, damit alle kreativen Gewerke ihre Arbeit an dem Projekt richtig ausführen können. An solchen Projekten arbeiten wir Monate, teilweise Jahre. Aber am Ende, kurz vor Deadline wird die Zeit natürlich trotzdem immer knapp.
Mit „ZDF Magazin vor Ort“ entsteht eine Art Serienformat innerhalb der Sendung. Glauben Sie, dass solche wiederkehrenden fiktionalen Elemente die Zukunft von Satireformaten sind?
Das kann ich schwer beurteilen. Mir persönlich machen solche Spezial-Folgen, bei denen man mal ein bisschen ausbricht aus der gewohnten Form, total Spaß. Absolute Highlights waren für mich die Musical-Folge vom «ZDF Magazin Royale», „Der Eierwurf von Halle“ und auch unser UK-Special – da waren wir mit dem ganzen Team anlässlich der Krönung von King Charles in London unterwegs.
Neben Ihrer Fernseharbeit moderieren Sie den Podcast „too many tabs“. Wie unterscheidet sich das Erzählen für Audio von der Arbeit für Fernsehen und Social Media?
Ich mag es generell sehr, vor dem Mikro zu stehen, egal ob im Podcast oder bei meinem Job als Sprecherin. Bei unserem Podcast „too many tabs“ habe ich die Freiheit, mehr drauflos zu reden und auch mal eine persönlichere Seite von mir selbst zu zeigen, als in geskripteten Formaten oder Rollen im Fernsehen. „too many tabs“ nehme ich gemeinsam mit meinem Podcast-Partner Miguel Robitzky auf. Wir können uns dabei Zeit lassen und auch wieder neu ansetzen, wenn wir uns verhaspeln, ohne dass gleich ein ganzes Drehteam drumherum steht und wartet, dass es weitergeht. Das empfinde ich als Safe Space.
Vielen Dank für das Interview!
«ZDF Magazin Royale präsentiert: ZDF Magazin vor Ort» ist am Freitag, den 10. April, um 23.00 Uhr im ZDF zu sehen. Im Stream kommt die Sendung ab 20.00 Uhr.