Anna Friedmann: ‚Das Licht hebt den Schatten hervor‘

In der neuen Folge von «Die Toten vom Bodensee» wird ein Jahrmarkt zum Schauplatz eines Mordes – ein Ort voller Lichter und Lebensfreude, der plötzlich eine düstere Seite zeigt. Anna Friedmann spricht im Interview über diesen besonderen Kontrast, die Entwicklung ihrer Figur Mara Eisler und warum gerade Gegensätze den Reiz dieses Falls ausmachen.

Frau Friedmann, eine junge Frau wird in der neuen Folge von «Die Toten vom Bodensee» in einer Gondel des Riesenrads ermordet – wie haben Sie die besondere Atmosphäre dieses Tatorts erlebt?
Ich mag es immer gerne, wenn Mordfälle an einem Ort passieren, der nicht zusätzlich auch noch gruselig oder dunkel ist, sondern eigentlich - eben wie der Jahrmarkt – ein Ort, der für Spaß und Leichtigkeit bestimmt ist. Die Diskrepanz macht die Folge sehr spannend.

Ihre Figur Mara Eisler bewegt sich in diesem Fall in der abgeschotteten Welt der Schausteller. Wie nähert sie sich einem Milieu, das von Loyalität und Schweigen geprägt ist?
Da es in den meisten Krimi-Mordfällen so ist, dass sich die Leute oftmals gegenseitig decken und nicht mit offenen Karten spielen, beziehungsweise Dinge verbergen oder lügen, ist es auch in diesem Fall nicht anders als sonst. Im Gegenteil, die Menge an Menschen, die sich durch ihre Loyalität zueinander versuchen zu decken, ist oftmals der Schlüssel. Da kann es schneller passieren, dass sich Aussagen widersprechen.

Jahrmarkt bedeutet eigentlich Lichter, Musik und Lebensfreude – hier wird er zum Schauplatz eines Verbrechens. Wie wichtig ist dieser Kontrast für die Spannung des Films?
Lustig, jetzt habe ich diese Frage sozusagen schon beantwortet, ohne zu wissen, dass sie so konkret noch gestellt werden würde. Wie bereits erwähnt, finde ich genau diesen Kontrast sehr spannend. Das Licht hebt den Schatten deutlicher hervor.

Mara Eisler wirkt oft analytisch und kontrolliert. Gibt es in „Schicksalsrad“ Momente, in denen sie emotional stärker gefordert wird als sonst?
Abgesehen von ihrer großen Freude, zum ersten Mal einen Jahrmarkt zu erleben, ist Mara Eisler in diesem Film sehr klar auf den Fall konzentriert. Nur die Wendung am Ende macht ihr dann doch emotional zu schaffen.

Das Ermittlerduo mit Micha Oberländer, gespielt von Matthias Koeberlin, ist seit Jahren eingespielt. Hat sich in diesem Fall etwas in ihrer Dynamik verändert?
Mara Eisler ist neu in dem Team. Das Schicksalsrad Ist ihr zweiter gemeinsamer Fall und die Dynamik verändert sich momentan stark. Eisler taut auf, fängt an, sich wohler zu fühlen, und lässt ihren teilweise fast schon kindlichen Impulsen freien Lauf.

Die Schaustellerwelt folgt eigenen Regeln. Wie haben Sie sich auf dieses spezielle Umfeld vorbereitet – gab es Recherchen oder Gespräche mit echten Schaustellern?
Da ich in Wien in der Nähe des Praters aufgewachsen bin, und als Kind dort sehr viel Zeit verbracht habe, ist mir dieses Milieu nicht neu. Es war sozusagen ein Heimspiel.

Regisseurin Patricia Frey hat den Film inszeniert. Welche Akzente hat sie Ihrer Figur mitgegeben?
Wir haben in dieser Folge gemeinsam das Freudige, Impulsive und Kindliche, im Gegensatz zum Analytischen und Kühlen untersucht. Auch hier heben sich die Gegensätze wechselseitig hervor.

Die Reihe ist eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Krimiformate von ZDF und ORF. Spüren Sie bei jedem neuen Film den Anspruch, dem Publikum immer wieder etwas Neues zu bieten?
Zum Glück macht es diese Figur sehr einfach, immer wieder Neues zu entdecken. Ich überlasse das also ganz und gar den Merkwürdigkeiten der Frau Eisler und freue mich selbst immer wieder darauf, von ihr überrascht zu werden.

Der Titel „Schicksalsrad“ klingt fast symbolisch. Spielt das Motiv von Zufall und Vorherbestimmung auch für Mara Eisler eine Rolle?
Ja, eine sehr große sogar. Was genau das bedeutet, wird sich aber erst im Laufe der nächsten Filme entblättern.

Wenn Sie auf diesen Fall zurückblicken: Was nehmen Sie persönlich aus „Schicksalsrad“ mit – gab es eine Szene oder einen Moment, der Ihnen besonders naheging?
Die Schlussszene mit Mara Eisler und ihrem Kollegen Micha Oberländer im Riesenrad war auf jeden Fall sehr einprägsam. Seine Verwundbarkeit aufgrund seiner Höhenangst, gemischt mit der Vorahnung der Tarotkarte, und das Erlebnis, ihren sonst so sehr kompetenten und starken Kollegen plötzlich so angreifbar zu erleben, war sehr berührend.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Das ZDF strahlt „Schicksalsrad“ von «Die Toten am Bodensee» am Montag, 13. April, um 20.15 Uhr aus. Die Episode ist seit 6. April im ZDF erhältlich.
12.04.2026 12:14 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/170383