Marco Girnth: ‚Zwischen Hoffnung und Neubeginn‘

Im Interview spricht Girnth über die besondere Atmosphäre der Reihe, die Mischung aus medizinischen Fällen und persönlichen Geschichten – und warum gerade diese leisen, hoffnungsvollen Töne beim Publikum so gut ankommen.

Herr Girnth, Sie sind als Dr. David Mandel Teil des mittlerweile 27. Films der Reihe. Was macht für Sie persönlich den anhaltenden Erfolg von «Praxis mit Meerblick» aus?
Ich habe den Eindruck, dass sich die Stimmung innerhalb des Teams eins zu eins auf die Zuschauer*innen überträgt. Ich selber bin ja erst seit letztem Jahr dabei, aber ich war sofort begeistert von der Freundlichkeit und Warmherzigkeit am Set. Außerdem werden in jedem Film auf respektvolle, emphatische Weise menschliche Schicksale aufgegriffen und – meistens – zu einem hoffnungsvollen Ende gebracht… und ich glaube, dass das zur Zeit vielen Menschen Freude macht.

Die Reihe verbindet medizinische Fälle mit sehr persönlichen Lebensfragen. Wie wichtig ist es, dass die Figuren nicht nur „Fälle lösen“, sondern auch selbst in Umbrüchen stecken?
Ich denke, dass das nicht nur für die Zuschauer*innen sehr wichtig ist, weil man sich dadurch besser mit den Protagonist*innen identifizieren kann, sondern auch für uns Schauspielende. Eine persönliche Involvierung macht es deutlich einfacher eine emotionale Haltung zu den Schicksalen aufzubauen.

Nora Kaminski kehrt mit Liebeskummer nach Rügen zurück – Ihr Charakter begegnet ihr in einer Phase des Neubeginns. Wie verändert sich dadurch die Dynamik im Team?
Dadurch, dass “Dr. David Mandel“ eigentlich ein bisschen zur Unzeit in “Nora Kaminskis“ Leben platzt, sorgt er für einige Unruhe und Stressspitzen. Und ich glaube, Nora Kaminski ist sich nicht ganz sicher, ob das nervt oder ob das schmeichelt und wie man überhaupt zu diesem Typen stehen soll.

In „Willkommen zu Hause“ geht es um die Frage nach Kinderwunsch und Selbstbestimmung. Wie erleben Sie es als Schauspieler, wenn gesellschaftliche Debatten so sensibel in eine Geschichte eingebettet werden?
Ich empfinde es als eine elegante Form den gesellschaftlichen Diskurs zu einem Thema zu eröffnen. Eben nicht über trockene, analytische Fakten, sondern anhand von fiktionalen, aber sehr menschlichen Schicksalen. Manchmal ergibt sich dadurch ein Perspektivwechsel oder Denkanstoß, der im besten Fall sogar Verständnis für eine Position weckt, die man selber gar nicht teilt.

Die Reihe lebt stark von ihrer Inselkulisse. Spürt man beim Drehen auf Rügen tatsächlich diesen besonderen Rhythmus zwischen Weite, Ruhe und emotionaler Intensität?
Absolut… Mein allererster Eindruck, den ich von Rügen bekam, war eben genau diese Weite, Ruhe und dieses sensationelle Licht. Das Meer, die Strände und die Menschen erzeugen das Gefühl von „Hier ist die Welt noch in Ordnung“. Und das wirkt sich auch auf die Arbeit am Set aus. Wir freuen uns auf die Dreharbeiten und wir freuen uns auf den gemeinsamen Feierabend… Beides am liebsten draußen in dieser umwerfenden Natur.

«Praxis mit Meerblick» erzählt oft von zweiten Chancen. Würden Sie sagen, dass auch Dr. David Mandel ein Mensch ist, der eher neu anfängt als zurückblickt?
Dr. David Mandel möchte eigentlich nach vorne blicken. Er hat sich eine Fassade aufgebaut, die auf den ersten Blick oberflächlich und einfältig erscheint. Damit versucht er sich vor den Gespenstern seiner Vergangenheit zu schützen. Es wird ihm aber nicht ganz gelingen, so dass er sich auch seiner Vergangenheit stellen muss…

Nach 27 Filmen kennt das Publikum die Figuren sehr gut. Sie sind relativ frisch dabei. Wollen Sie länger hier zu sehen bleiben?
Wenn es nach mir geht auf jeden Fall. Vom ersten Moment an habe ich gedacht… „oh Mann, wie toll!! Hier will ich so schnell nicht wieder weg.“

Die medizinischen Themen sind oft nah an der Lebensrealität vieler Zuschauerinnen und Zuschauer. Wie wichtig ist es, diese Balance zwischen fachlicher Glaubwürdigkeit und emotionaler Zugänglichkeit zu halten?
Die fachliche Glaubwürdigkeit ist sehr wichtig, darf aber nicht auf Kosten der Dramaturgie gehen. Am Ende ist die «Praxis mit Meerblick» keine Doku-Reihe über den schwierigen Alltag einer Inselärztin, sondern eine fiktionale Geschichte, die unterhalten soll. Den Ausgleich dabei zu finden ist die Herausforderung.

Im Vergleich zu klassischen Arztserien wirkt «Praxis mit Meerblick» leiser, fast entschleunigt. Ist genau das vielleicht der Grund, warum die Reihe am Freitagabend so gut funktioniert?
Das weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass sich die Zuschauer*innen im Moment gerne etwas Entschleunigung in ihr Leben holen wollen. Die Zeiten sind aufwühlend und manchmal möchte man sich auf etwas Verlässliches und Hoffnungsvolles zurückziehen.

Wenn Sie nach vorne blicken: Was würden Sie sich für Dr. Mandel wünschen – mehr private Einblicke, stärkere Konflikte im Team oder vielleicht einmal einen Fall, der ihn selbst an seine Grenzen bringt?
Von allem etwas, solange der Charakter der Reihe dabei erhalten bleibt.

Das wünschen wir Ihnen auch!

Die neuen Folgen von «Praxis mit Meerblick» laufen ab Freitag, 10. April, im Ersten. Ab 8. April in der ARD Mediathek.
08.04.2026 12:57 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/170380