«German Guilt»: Mischke-Doku kommt nachts

Thilo Mischke, Katja Riemann und Ronja von Rönne gehen der NS-Vergangenheit ihrer eigenen Familien nach.

In der Nacht zum Montag, 4. Mai 2026, zeigt das ZDF um 00.35 Uhr die Dokumentation «German Guilt – Familiengeheimnisse». Der Film von Boris Quatram und Thilo Mischke ist Teil einer dreiteiligen Reihe, die bereits seit Januar im ZDF-Streamingportal verfügbar ist. Im Zentrum steht eine Frage, die viele deutsche Familien betrifft: Welche Rolle spielten die eigenen Vorfahren während der NS-Zeit – Täter, Mitläufer oder Opfer? Und warum wurde darüber über Jahrzehnte hinweg so häufig geschwiegen? Die Doku nähert sich diesen Themen über sehr persönliche Geschichten.

Journalist Thilo Mischke stößt bei seinen Recherchen auf ein verborgenes Kapitel seiner eigenen Familie: Seine Großmutter wurde in einem sogenannten Lebensborn-Heim geboren – einer Einrichtung der SS, die Teil der nationalsozialistischen Rassenpolitik war. Für Mischke wird die Spurensuche damit auch zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.

Auch Schauspielerin Katja Riemann begibt sich auf eine intime Recherche. Sie will herausfinden, was mit ihrer Großmutter geschah, die 1945 unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Autorin Ronja von Rönne wiederum kennt aus ihrer Familiengeschichte vor allem Fragmente – etwa die rätselhafte Erzählung über ihren Großvater, der mit einer Kugel im Kopf lebte. Für sie geht es vor allem um emotionale Aufarbeitung und das Aufbrechen von Mythen.

Ergänzt werden diese individuellen Perspektiven durch die Einordnung des Publizisten Michel Friedman, der die Sicht der Opfer und ihrer Nachkommen einbringt. Er kritisiert, dass Erinnerungskultur oft von Schweigen geprägt sei – und fordert eine offenere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
28.03.2026 10:18 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/170257