Mehr Öl, mehr Probleme: «Landman» bleibt spannend, aber unfokussiert

Die zweite Staffel der Paramount-Serie hat neue Höhen und bringt auch einige Tiefen mit. Das Fazit fällt dennoch sehr gut aus.

Auch in der zweiten Staffel ist Tommy Norris für die Firma M-Tex in Texas unterwegs und sorgt mit seinen verschiedenen Crews dafür, dass die Ölbohrungen gewartet und verwaltet werden. Das Unternehmen, in dem er arbeitet, ist seit dem Start der neuen Staffel führungslos. Tommy (Billy Bob Thornton) muss ohne seinen Chef Monty Miller (Jon Hamm) auskommen. Montys Witwe Cami (Demi Moore) eröffnet die neue Staffel mit einer Hiobsbotschaft für die vielen Anleger: Das Geschäft ist intakt und wird auch weiterhin fortgeführt.

Bei Tommy ereignet sich ein weiterer Schicksalsschlag: Seine Mutter ist verstorben, weshalb er und seine Familie seinen Vater T. L. (Sam Elliott) zu sich holen. Die Geschichte um den gebrechlichen Vater nimmt teilweise auch humorvolle Züge an. Weil er sich immer schwerer bewegen kann, besorgt Tommy Cheyenne (Francesca Xuereb), eine Stripperin, die kurzerhand zur Physiotherapeutin wird.

Das Hauptaugenmerk der neuen Staffel liegt zunächst auf Tommys Sohn Cooper (Jacob Lofland), der bei Probebohrungen auf den von ihm erworbenen Pachtflächen einen vollen Erfolg einfährt. Mit 500 Barrel pro Tag könnte er einen jährlichen Millionenumsatz erzielen, jedoch gibt es vertragliche Probleme, die sein Vater lösen muss. Doch daraus wird zunächst nichts, denn ein anderes juristisches Problem erfordert volle Aufmerksamkeit: M-Tex wird von einer Versicherung verklagt, die dem Unternehmen vorwirft, eine Entschädigung in Höhe von 420 Millionen Dollar veruntreut zu haben, nachdem eine Bohrinsel vor der Küste Louisianas durch einen Hurrikan beschädigt wurde. Rebecca Falcone (Kayla Wallace), mittlerweile Unternehmensjuristin, verhandelt mit M-Tex über den Bau einer neuen Bohrinsel.

Tommy konfrontiert Danny „Gallino“ Morrell (Andy Garcia), der sich öffentlich als seriöser Finanzinvestor über eine Tarnorganisation ausgibt. Er bemerkt, dass Gallinos Plan, Cooper bei ihm zu verschulden, gescheitert ist, nachdem alle sechs Bohrungen erfolgreich waren. Gallino erinnert Tommy daran, dass er ihm einst das Leben gerettet hat, und besteht darauf, dass sie zu ihrem gegenseitigen Vorteil Geschäftspartner werden.

Obwohl die Serie «Landman» eigentlich einer klaren Linie folgt, macht sich der Vibe des New Western bemerkbar: Die Serie strauchelt immer wieder seitlich. So gibt es beispielsweise einen Schwefelwasserstoffaustritt bei einer stillgelegten Förderanlage, der mehrere Jäger tötet – dieses Problem wird jedoch in der weiteren Staffel kaum noch aufgegriffen. Die Familiengeschichte um Tommys Mutter nimmt genau drei Episoden Raum ein, danach ist auch dieser Handlungsstrang abgeschlossen. So wird in der vierten Folge noch die Geschichte des plötzlichen Kindstods von Tommys Schwester eingeflochten. Nebenbei lernt Rebecca den charmanten Charlie kennen, mit dem sie widerrechtlich ein Verhältnis eingeht. Doch weil alle erstaunlich gelassen reagieren, interessiert es letztlich niemanden, dass sie gegen die Firmenpolitik verstoßen hat.

Zwischenzeitlich möchte Cooper nach Corpus Christi reisen, um den Vater von Ariana (Paulina Chavez) zu treffen. Die beiden Verliebten wollen nach ihren Differenzen sogar heiraten. Zusätzlich wird Ariana hinter einer Bar brutal zusammengeschlagen, woraufhin Cooper einen Mann tötet. Die Polizei startet eine regelrechte Hexenjagd, doch das Team aus Anwälten und Landman Tommy kann die übereifrigen Ermittler wieder einfangen. Das Kurz-Intermezzo von Charlie (Guy Burnet) und Rebecca endet wieder in einem funktionierenden Verhältnis, ehe Charlie für mehrere Monate aus der Serie geschrieben wird: Er soll auf einer Bohrinsel dafür sorgen, dass diese reibungslos funktioniert.



Im Staffelfinale lehnt Tommy ein Jobangebot seines Konkurrenten Bob Knowles ab und trifft sich widerwillig mit Gallino. Er überzeugt ihn, den ursprünglichen Vertrag mit Cooper für die neuen Ölquellen wiederzubeleben, der deutlich erfolgversprechender ist als das Gasprojekt, und warnt ihn vor Camis Unerfahrenheit sowie den beträchtlichen Schulden von M-Tex. In einer beinahe rührseligen Schlussszene werden nahezu alle Figuren zu einer Feier zusammengeführt. Die Serie endet mit einem schönen Bild, doch das ist noch nicht das Ende des Formats: Paramount hat bereits eine dritte Staffel bei Serienschöpfer Taylor Sheridan bestellt, die derzeit von ihm geschrieben wird.

In den kommenden Monaten muss Sheridan beweisen, dass er aus der Serie noch mehr herausholen kann. Zwar wurden in der aktuellen Staffel zahlreiche gute Vorlagen aus der ersten Staffel zusammengeführt, echte neue Impulse für die zweite Runde blieben jedoch aus. Außerdem braucht die Serie weiterhin interessante Nebenhandlungen – etwa den Casino-Ausflug mit dem Altenheim-Gag oder Ainsleys Abenteuer an der Universität.

«Landman» gibt es bei Paramount+
05.04.2026 12:30 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/170194