Daniel Zillmann: ‚Tüffi ist mehr als nur der schräge Nachbar‘

Mit der vierten Staffel von «Ich dich auch!» kehrt Daniel Zillmann als exzentrischer Tüffi auf ZDFneo zurück. Im Interview spricht er über die besondere Mischung aus Chaos, Humor und Emotion, neue Facetten seiner Figur – und warum Vielfalt für ihn als Schauspieler entscheidend ist.

Herr Zillmann, die vierte Staffel von «Ich dich auch!» startet Ende März auf ZDFneo. Was reizt Sie an dieser Serie – und besonders an Ihrer Figur – auch nach mehreren Staffeln noch?
Ich finde es faszinierend, dass sich das Konzept der Serie so lange hält. Drama, Tragödie und Comedy auf engstem Raum in Echtzeit zu erzählen, ist eine Herausforderung. Von Staffel zu Staffel gelingt es uns sogar immer mehr. Mittlerweile sind fast alle Handlungsstränge aus den Charakteren heraus motiviert und man kann als Zuschauer:innen bei allen Figuren mitfiebern. Mein Charakter Tüffi ist so eine eigene Figur, sodass ich immer wieder neue Seiten an ihm entdecke. Er ist nicht nur der schräge, exzentrische Nachbar, der für zusätzliches Chaos sorgt. Er ist auch ein Mensch, der andere Menschen und ihre Angelegenheiten sehr ernst nimmt und helfen will, wo er nur kann. Seine Liebe zu Jackie ist so pur, da gibt es keine Zweifel und Grenzen. Er würde alles für sie tun. Natürlich kämpft er auch immer wieder gegen seine Dämonen, z.B. Ängste an. Das alles darf ich mit Tüffi erleben. Ich hoffe, noch sehr lange.

«Ich dich auch!» lebt stark von pointierten Dialogen und Beziehungschaos. Was macht für Sie den besonderen Humor der Serie aus?
Mittlerweile kennen wir die Figuren sehr gut. Wenn Svenja trockene Seitenhiebe verteilt, erwartet man es von ihr. Genauso erwartet man wieder neue irrsinnige Ideen von Jackie oder nicht enden wollende Missverständnisse zwischen Caro und Yannik, die zum Beziehungschaos führen. Alles geschieht ohne Ausnahme in dieser kleinen Wohnung und die Zuschauer:innen sind live dabei, wenn dieses Chaos entsteht. Und weil diese Figuren trotz ihrer Macken so liebenswert sind, geht man mit ihnen mit. Im Drama und in der Comedy.

Ihre Rolle bewegt sich oft zwischen Ironie, Verletzlichkeit und Selbstironie. Wie finden Sie als Schauspieler die Balance zwischen Comedy und emotionaler Glaubwürdigkeit?
Die Figuren müssen immer glaubhaft und authentisch wirken, deshalb ist meine Herangehensweise in allen Genres gleich. Die Umgebung und die Geschichten erzählen das Genre. Ich kann nur mit einer Figur lachen oder weinen, wenn ich sie als glaubhaft empfinde. Das ist immer eine Herausforderung, darauf zu achten, dass man die Rolle in der Performance nicht verrät oder sie zu wenig ernst nimmt.

Nach mehreren Staffeln kennt man die Figuren sehr gut. Entdecken Sie an Ihrer Rolle trotzdem noch neue Facetten?
Genau deshalb liebe ich Tüffi so sehr. Er hat immer wieder neue Seiten, die zum Vorschein kommen. In der letzten Staffel konnte man sehen, wie leidenschaftlich er liebt. Das ändert sich in der neuen Staffel auch nicht, allerdings lernt man in einer Folge, in der Jasna Fritzi Bauer einen wundervollen Gastauftritt hat, eine ganz andere Seite von ihm kennenlernen. Dazu möchte ich jetzt noch nicht allzu viel verraten. Aber ich war schon etwas überrascht, als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe.

Kurz darauf startet mit «My Ex» ein weiteres Projekt auf ZDFneo. Worin unterscheidet sich diese Serie tonal oder erzählerisch von «Ich dich auch!»?
Ach, ich glaube beide Serien spielen auf dem Feld der Romantic Comedy, wobei sie inhaltlich und tonal schon sehr unterschiedlich sind. Von «My Ex» habe ich bisher noch nicht viel gesehen, kann aber sagen, dass der mystische Ansatz schon sehr eigen und neu ist.

Im Mai sind Sie außerdem im ZDF-Film «Olivia» zu sehen, basierend auf Olivia Jones’ Bestseller „Ungeschminkt“. Was hat Sie an diesem Stoff besonders interessiert?
Der Film kommt genau zur richtigen Zeit. Er erzählt eine Geschichte einer Person, die immer Außenseiter war und dann durch einen sehr steinigen Weg zu einer der bekanntesten deutschen TV-Persönlichkeiten aufgestiegen ist. Das ist einfach eine große Geschichte, die motiviert und Hoffnung macht. Außerdem ist «Olivia» großartig erzählt. Die Geschichte zeigt nicht nur die schillernden Komponenten, sondern erzählt auch von den Ängsten und Unsicherheiten der einzelnen Figuren. Das Ganze ist so warm und leicht erzählt, man kann lachen und weinen. Selten habe ich so ein bewegtes Publikum, wie zur «Olivia»-Premiere beim Filmfest Hamburg gesehen. Auf persönlicher Ebene finde ich es wichtig, dass wir solche queeren Geschichten erzählen und sie nicht aus falscher politischer Vorsicht zurück an den Rand gedrängt werden.

Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch ein sehr gefragter Synchronsprecher – unter anderem als Pumbaa. Wie unterschiedlich fühlt sich die Arbeit im Tonstudio im Vergleich zur Kameraarbeit an?
Die Arbeit unterscheidet sich nur in der Technik. Ich gehe an alles mit großer Spielfreude ran und versuche immer, mich bestmöglich für die Aufgabe zu öffnen. Als Pumbaa hatte ich schon viele Freiheiten. Trotzdem habe ich mich aber stark vom originalen Sprecher Seth Rogen inspirieren lassen. Beim Synchron legt man viel in den stimmlichen Ausdruck, beim Hörspiel sogar noch mehr, und vor der Kamera „ist“ man einfach.

Viele kennen Ihre Stimme aus großen internationalen Animationsfilmen. Begegnen Ihnen Kinder oder Zuschauer manchmal zuerst als Stimme und erst danach als Schauspieler?
Tatsächlich kommt das schon mal vor. Manchmal erkennen mich die Kinder als Stimme von Fitz, dem Koboldmaki aus «Die Schule der magischen Tiere 4» oder als Clawhauser aus «Zoomania». Ihre Eltern wiederum aus dem Theater oder aus Kinofilmen wie «Känguru Chroniken» oder «Das Kanu des Manitu». Ich liebe das breite Spektrum.

Ihre Karriere reicht von der Volksbühne mit Regisseuren wie Frank Castorf bis zu Streamingserien und Synchronrollen. Wie wichtig ist Ihnen diese stilistische Vielfalt?
Was ich an meiner bisherigen Karriere so liebe, ist eben genau diese Vielfalt. Der Output ist vielleicht anders, aber die Arbeit fußt immer auf kreativer Schöpfung. Manchmal drehe ich und denke „ach, Theater wäre jetzt großartig“ oder ich Probe für ein Stück und denke plötzlich „als Nächstes würde ich gerne einen Animationsfilm sprechen“. Ich liebe diese Abwechslung und bin sehr froh, dass ich die verschiedensten Kanäle bespielen darf und hätte mir nix anderes für mein Leben wünschen können.

Wenn Sie auf die kommenden Monate schauen – mit Serienstart, Film und neuen Projekten – worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?
Das Jahr ist noch zu jung. Natürlich freue ich mich auf die Veröffentlichungen, aber vielmehr freue ich mich aufs Arbeiten. Es gibt einige spannende Projekte, auf die ich mich schon sehr freue…

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Die neue Staffel von «Ich dich auch!» ist ab 27. März in der ZDFmediathek. Die lineare Ausstrahlung erfolgt dienstags ab 21.45 Uhr.
30.03.2026 12:44 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/170188