Peri Baumeister gerät im neuen ZDF-Montagsfilm als resolute Wissenschaftlerin in einen Strudel aus Hassnachrichten und Zersetzungsmaßnahmen.
Stab
Darsteller: Peri Baumeister, Serkan Kaya, Soraya Marie Efe, Elyas Efe, Carl Benzschawel, Kayla Shyx
Schnitt: Simone Klier
Musik: Stefan Benz
Kamera: Martin L. Ludwig
Buch: Nadine Gottmann
Regie: Sebastian HilgerEs gibt Filme, die ihre Themen laut vor sich hertragen, und solche, die sich vorsichtig an ihnen entlangtasten. «Eine bessere Welt» von Regisseur Sebastian Hilger gehört eindeutig zur zweiten Kategorie – und das ist zunächst einmal eine Stärke. Der Film nähert sich dem Phänomen digitaler Empörung und realer Angst nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern mit einem fast tastenden Blick auf eine Familie, die plötzlich aus der Bahn gerät.
Im Zentrum steht Elena, gespielt von Peri Baumeister, die nach einem aufgeheizten Talkshow-Auftritt zur Projektionsfläche kollektiver Wut wird. Baumeister trägt den Film mit einer bemerkenswert unaufgeregten Präsenz. Ihre Elena ist keine Heldin, sondern eine Figur, die zunehmend die Kontrolle verliert – über die Situation, über ihre Wahrnehmung und vielleicht auch über sich selbst. Gerade diese Uneindeutigkeit macht die Figur interessant. Es ist nie ganz klar, ob wir hier eine rationale Wissenschaftlerin sehen, die von äußeren Umständen in die Enge getrieben wird, oder jemanden, der sich langsam in eine Spirale aus Angst und Selbstzweifel hineinsteigert.
Auch Serkan Kaya als Deniz bleibt angenehm zurückhaltend. Seine Figur fungiert weniger als Gegenpol denn als leiser Resonanzraum für Elenas Eskalation. Die Beziehung der beiden wirkt glaubwürdig, gerade weil sie nicht permanent ausgespielt wird. Es sind die kleinen Momente – ein Blick, ein abgebrochener Satz –, die hier mehr erzählen als große Dialoge.
Formal ist «Eine bessere Welt» ein erstaunlich kontrollierter Film. Die Kamera von Martin L. Ludwig arbeitet mit ruhigen, oft leicht distanzierten Einstellungen, die das Geschehen nie sensationsheischend überhöhen. Stattdessen entsteht eine latente Unruhe, die sich langsam verdichtet. Das Haus der Familie wird dabei fast selbst zur Figur – ein Ort, der Sicherheit verspricht und doch zunehmend fremd wirkt. Unterstützt wird das durch den Schnitt von Simone Klier, der sich Zeit lässt, ohne träge zu werden. Szenen dürfen auslaufen, Spannungen dürfen stehen bleiben.
Interessant ist vor allem, wie das Drehbuch von Nadine Gottmann mit Erwartungshaltungen spielt. Was zunächst wie ein relativ klar umrissener Thriller über digitale Hetze beginnt, verschiebt sich nach und nach. Die mysteriösen Ereignisse – tote Hühner, ein fremder Mann, ein Brand in einem Restaurant – lassen sich nicht mehr eindeutig einordnen. Der Film verweigert die einfache Kausalität. Ist der Shitstorm die Ursache? Oder nur ein Katalysator für etwas, das ohnehin in Elena angelegt ist?
Diese Offenheit ist reizvoll, führt aber auch zu einem gewissen Ungleichgewicht. Nicht jede angedeutete Spur wird wirklich eingelöst. Gerade im letzten Drittel hat man das Gefühl, dass der Film mehr Fragen aufwirft, als er produktiv verarbeiten kann. Das ist kein grundsätzliches Problem – Ambivalenz kann ja durchaus eine Qualität sein –, aber hier wirkt es stellenweise eher wie ein Ausweichen.
Trotzdem gelingt diesem Film etwas Bemerkenswertes: Er macht die digitale Sphäre als reale Bedrohung spürbar, ohne sie platt zu visualisieren. Die Hassnachrichten bleiben oft abstrakt, fast beiläufig – und gerade dadurch entfalten sie Wirkung. Der eigentliche Schrecken liegt nicht in einzelnen Botschaften, sondern in ihrer Masse, ihrer Unaufhaltsamkeit.

Am Ende bleibt «Eine bessere Welt» ein Film, der mehr interessiert als begeistert. Er ist klug genug, um einfache Antworten zu vermeiden, und zurückhaltend genug, um seine Themen nicht zu überdehnen. Gleichzeitig fehlt ihm stellenweise die letzte Konsequenz, um seine eigenen Fragen wirklich zuzuspitzen. Vielleicht ist das aber auch Teil seines Konzepts: eine Welt zu zeigen, die eben nicht besser, sondern vor allem komplizierter geworden ist. Und ein Film, der sich dieser Komplexität stellt, ist – bei aller Zurückhaltung – immer noch bemerkenswert genug.
Der Film «Eine bessere Welt» wird am Montag, den 23. März um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.