Ein Horror-Klassiker wird zur Kampfansage umgebaut und verliert dabei fast alles, was ihn einmal unheimlich machte.

Mit
«Black Christmas» legte Sophia Takal 2019 bereits die zweite Neuauflage des gleichnamigen Stoffes nach dem Original von 1974 und dem Remake von 2006 vor. Die Voraussetzungen wirkten zunächst gar nicht schlecht: Blumhouse produzierte, Imogen Poots führte ein junges Ensemble an, und der Film wollte nicht einfach nur wieder einen alten Slasher aus dem Keller holen, sondern ihn politisch neu aufladen. Das Problem ist nur: Gute Absichten ersetzen weder Atmosphäre noch Spannung noch ein funktionierendes Drehbuch.
Die Geschichte setzt an einem College an, wo mehrere Studentinnen eines Verbindungshauses ins Visier eines maskierten Killers geraten. Im Mittelpunkt steht Riley, die nach einer Vergewaltigung traumatisiert ist und sich gegen eine Campus-Kultur behaupten muss, in der sexistische Strukturen nicht nur geduldet, sondern regelrecht gepflegt werden. Ihre Freundin Kris ist politisch laut, rebellisch und legt sich offen mit einer männerdominierten Universitätskultur an. So weit, so nachvollziehbar. Doch wo der Film anfangs noch wie ein zeitgemäßer Campus-Slasher mit echter Wut im Bauch wirkt, kippt er später in eine derart plumpe Übererklärung, dass selbst wohlmeinende Zuschauer irgendwann aussteigen.
Das größte Problem von «Black Christmas» ist, dass er sein Anliegen ständig ausspricht, aber kaum filmisch entwickelt. Statt subtiler Bedrohung, psychologischer Spannung oder kalter Weihnachtsatmosphäre bekommt man eine immer offensiver formulierte Botschaft serviert. Dass das Patriarchat böse ist, wird hier nicht erzählt, sondern mit dem Holzhammer eingedroschen. Der Film hat dabei durchaus einen legitimen Zorn, vor allem wenn es um sexualisierte Gewalt, institutionelles Wegschauen und männliche Machtzirkel geht. Doch Takals Film vertraut seiner Geschichte zu wenig, um diesen Zorn wirksam in Horror zu verwandeln. Er will ständig Haltung beweisen und vergisst darüber, eine wirklich packende Genreerfahrung zu sein.
Gerade im Vergleich zum Original fällt das auf. Bob Clarks «Black Christmas» von 1974 lebte von Unsicherheit, von Blicken, Geräuschen und der Ahnung, dass das Grauen jederzeit im Off lauern könnte. Die 2019er-Version dagegen erklärt fast alles, baut einen übernatürlichen Unterbau ein und verwandelt ihre Gegenspieler in ein Symbolsystem mit schwarzer Magie und toxischer Männlichkeit. Das klingt auf dem Papier vielleicht originell, wirkt auf der Leinwand aber erstaunlich albern. Besonders im letzten Drittel zerfällt der Film in eine Reihe hektischer Enthüllungen, die weder elegant noch wirklich schockierend sind. Statt Angst bleibt vor allem der Eindruck, dass hier jemand gleichzeitig Slasher, Campusdrama, Traumabewältigungsfilm und Manifest drehen wollte.
Dass der Film ausgerechnet ein PG-13-Rating bekam, half ebenfalls nicht. Takal wollte damit offenbar ein jüngeres Publikum erreichen, insbesondere junge Frauen, die sich für Horror interessieren und sich in den Themen wiederfinden sollten. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Aber das Ergebnis wirkt oft entschärft. Ein Stoff, der von Angst, Gewalt, Unterdrückung und Vergeltung lebt, verliert an Wucht, wenn er sich formal ständig zurücknimmt. So bleibt «Black Christmas» seltsam harmlos für einen Film, der doch so radikal erscheinen möchte.
Trotzdem ist der Film nicht völlig misslungen. Imogen Poots bringt als Riley eine Präsenz mit, die viele Szenen zusammenhält. Auch Aleyse Shannon hat Energie, und man merkt dem Ensemble an, dass es das Material ernst nimmt. Das ist vielleicht sogar das Frustrierendste an der ganzen Angelegenheit: Hier scheitern keine lustlosen Darsteller, sondern ein Filmkonzept, das die eigene Botschaft mit filmischer Überzeugung verwechselt.
An den Kinokassen lief «Black Christmas» auch eher ernüchternd. Bei einem Budget von rund fünf Millionen Dollar spielte der Film weltweit etwa 18,5 Millionen Dollar ein. Das ist für Blumhouse-Verhältnisse kein kompletter Totalschaden, aber eben auch kein nennenswerter Erfolg. Vor allem die Reaktion des Publikums war unerquicklich: Die CinemaScore-Note D+ zeigt ziemlich deutlich, dass der Film weder das Mainstream-Horror-Publikum noch die Fans des Originals wirklich überzeugte. Kritisch fiel die Resonanz gemischt bis negativ aus; manche lobten die Wut und den feministischen Zugriff, viele andere bemängelten den billigen Look, die fehlende Spannung und die absurde Finalwendung.
Für Sophia Takal blieb der Film ein mutiger, aber unglücklicher Ausflug ins Studiokino. Imogen Poots arbeitete danach weiter erfolgreich in Film und Fernsehen, ebenso Brittany O’Grady und Cary Elwes, die hier als Professor Gelson eine entsprechend schmierige Autoritätsfigur geben. Einen bleibenden kulturellen Fußabdruck hat der Film aber kaum hinterlassen.