«Resident Evil Requiem» führt die Horrorreihe zurück zu ihren Wurzeln – düster, klaustrophobisch und gnadenlos. Zwischen Verfall, Angst und Überleben entsteht ein Albtraum, der lange nachwirkt.
Mit «Resident Evil Requiem» setzt Capcom die traditionsreiche Reihe fort und besinnt sich dabei stärker denn je auf ihre Ursprünge. Nach actionlastigeren Ausflügen der letzten Jahre rückt «Requiem» wieder das in den Mittelpunkt, was «Resident Evil» einst groß gemacht hat: langsamer, bedrückender Survival-Horror, bei dem jede Kugel zählt und jede Tür ein Risiko darstellt. Die äußerst positiven Rezensionen zeigen, dass dieser Kurs bei Fans und Kritikern gleichermaßen ankommt.
Schon der Einstieg macht klar, dass es hier nicht um schnelle Action geht. Die Spielwelt wirkt bedrückend und feindselig, Räume sind eng, Wege verschlungen, Sichtlinien eingeschränkt. Dunkelheit wird nicht nur als Stilmittel eingesetzt, sondern als aktiver Gegner. Lichtquellen sind begrenzt, Orientierung fällt schwer, und jeder Schritt kann eine Bedrohung auslösen. «Resident Evil Requiem» lebt von dieser Unsicherheit – dem Gefühl, nie wirklich sicher zu sein.
Die Handlung bleibt bewusst rätselhaft. Ohne sich auf eine einzelne Figur zu beschränken, erzählt das Spiel von einer Welt, die erneut vom biologischen Horror erfasst wird. Alte Experimente, neue Mutationen und bekannte Motive verschmelzen zu einer Geschichte, die weniger auf große Erklärungen setzt, sondern auf Atmosphäre und Entdeckung. Dokumente, Tonaufnahmen und Umgebungsdetails liefern Hinweise, die sich nach und nach zu einem größeren Bild fügen. Spielmechanisch setzt Requiem stark auf Ressourcenmanagement. Munition ist knapp, Heilmittel rar, und Inventarplätze begrenzt. Jede Entscheidung hat Gewicht: Wird eine Begegnung vermieden oder riskiert man den Kampf? Wird ein Raum vollständig durchsucht oder lieber schnell verlassen? Diese ständige Abwägung erzeugt eine Spannung, die weit über klassische Schreckmomente hinausgeht.
Die Gegner sind dabei mehr als bloße Hindernisse. Kreaturen bewegen sich unberechenbar, reagieren auf Geräusche und wirken oft weniger wie „Gegner“ als wie Teil einer lebendigen Bedrohung. Einige Begegnungen sind bewusst unfair gestaltet – nicht im Sinne von Frust, sondern um das Gefühl der Hilflosigkeit zu verstärken. Flucht ist oft die bessere Option als Konfrontation.
Ein weiterer Fokus liegt auf Rätseln. Klassische Elemente wie Schlüssel, Mechanismen und versteckte Passagen kehren zurück, werden aber moderner interpretiert. Rätsel sind stärker in die Umgebung eingebettet und wirken weniger wie isolierte Aufgaben, sondern wie Teil der Welt. Wer aufmerksam spielt, erkennt Muster und Zusammenhänge – wer ungeduldig ist, wird schnell ausgebremst.
Visuell gehört «Resident Evil Requiem» zu den stärksten Vertretern des Genres. Capcom nutzt moderne Technik, um eine dichte, fast greifbare Atmosphäre zu schaffen. Feuchte Wände, zerfallene Strukturen, organische Verformungen und subtile Lichtquellen sorgen für eine Umgebung, die gleichzeitig realistisch und albtraumhaft wirkt. Besonders die Detailtiefe der Umgebungen trägt dazu bei, dass jeder Ort eine eigene Geschichte erzählt. Das Sounddesign spielt eine ebenso zentrale Rolle. Knarrende Türen, entfernte Geräusche, unklare Stimmen – oft ist es das, was man hört, das die größte Angst erzeugt. Musik wird gezielt eingesetzt und bleibt meist im Hintergrund. Stille ist hier ein wichtiges Werkzeug, das Spannung aufbaut und Erwartungen schürt.
Die Rückmeldungen der Community fallen entsprechend stark aus. Gelobt wird vor allem die Rückkehr zu klassischen Survival-Horror-Elementen, die dichte Atmosphäre und das durchdachte Leveldesign. Kritik gibt es vereinzelt an der bewusst langsamen Spielweise, die nicht jedem gefallen dürfte. Doch genau diese Entschleunigung ist es, die Requiem von vielen modernen Horror-Spielen abhebt. Es zeigt, dass weniger oft mehr ist: weniger Action, weniger Ressourcen, weniger Sicherheit – dafür mehr Spannung, mehr Atmosphäre und mehr Wirkung. «Resident Evil Requiem» ist kein Spiel, das man einfach „durchspielt“. Es ist ein Erlebnis, das sich festsetzt – wie ein Schatten, der nicht mehr verschwindet.
13.04.2026 12:29 Uhr
• Benjamin Wagner
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