Der neue «Tatort» frustriert seine Zuschauer ungemein - und zwar nicht, weil er schlecht gemacht wäre!
Stab
Darsteller: Melika Foroutan, Edin Hasanovic, Judith Engel, Gordana Boban, Seyneb Saleh, Michael Schenk
Musik: Christoph M. Kaiser und Julian Maas
Kamera: Philipp Sichler
Drehbuch: Sebastian Heeg und Tom Schilling
Regie: Rick OstermannEs gibt diese «Tatort»-Folgen, bei denen man schon nach wenigen Minuten spürt, dass hier eigentlich alles angerichtet ist für einen großen Wurf – nur um dann umso ernüchterter dabei zuzusehen, wie sich das Ganze Szene für Szene selbst die Luft abdreht. «Tatort – Fackel» ist genau so ein Fall: ein Film, der mit brennender Wucht beginnen will, aber am Ende eher wie ein glimmender Docht vor sich hin qualmt.
Dabei ist der Ausgangspunkt stark, fast schon zwingend: ein verheerender Hochhausbrand, 13 Tote, ein möglicher Skandal um billig verbautes Dämmmaterial, politische Verstrickungen, ein Untersuchungsausschuss, der im Sande verläuft. Das ist nicht nur Stoff für einen guten Krimi, sondern für ein gesellschaftliches Statement. Und genau hier liegt das größte Versäumnis dieses Films: Er deutet all das an, aber er traut sich nicht, daraus wirklich etwas zu machen.
Im Zentrum steht Kommissar Hamza Kulina, gespielt von Edin Hasanovic, der auf seine Ex-Freundin Almila trifft – eine Begegnung, die emotional aufgeladen sein sollte, es aber nur punktuell ist. Seyneb Saleh gibt dieser Figur zwar eine eindringliche Ernsthaftigkeit, doch das Drehbuch lässt sie zu oft als Funktionsträgerin für den Plot stehen. Ihre Wut, ihr Schmerz, ihr Aktivismus – all das bleibt seltsam abstrakt, als würde man durch Milchglas auf eine eigentlich intensive Figur blicken.
Auch die Ermittlungen selbst wirken merkwürdig entkernt. Da gibt es einen mysteriösen Todesfall, einen Baustoffkonzern, politische Verbindungen – alles klassische Zutaten für einen packenden Thriller. Doch «Fackel» inszeniert diese Elemente mit einer Vorsicht, die beinahe schon lähmend ist. Statt Zuspitzung gibt es Umwege, statt Spannung eher Behauptung. Man hat nie das Gefühl, dass die Kommissare wirklich etwas riskieren – obwohl der Film ständig behauptet, genau das sei der Fall.
Besonders auffällig ist dabei, wie sehr sich der Film vor klaren Aussagen drückt. Die Kritik an Profitgier, an politischer Verflechtung, an strukturellem Versagen bleibt angedeutet, aber nie konkretisiert. Es ist, als wolle man die Missstände immer im Ungefähren belassen wollen – und genau dadurch verliert die Geschichte ihre Schärfe.
Formal ist das alles durchaus solide. Die Kameraarbeit von Philipp Sichler setzt auf eine gewisse Schwere, die gut zum Thema passt. Auch die Musik von Christoph M. Kaiser und Julian Maas unterstreicht die melancholische Grundstimmung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Aber auch hier gilt: solide ist nicht genug, wenn der Rest nach mehr verlangt.

Interessanterweise blitzen immer wieder Momente auf, in denen «Fackel» zeigt, was möglich gewesen wäre. Kleine, intensive Szenen zwischen Kulina und Azadi, gespielt von Melika Foroutan, die mit ruhiger Präsenz überzeugt. Oder Augenblicke, in denen die Tragödie des Brandes tatsächlich spürbar wird. Doch diese Momente bleiben Inseln in einem Film, der sich ansonsten zu sehr auf Konventionen verlässt.
Am Ende ist «Tatort – Fackel» vor allem eines: frustrierend. Nicht, weil der Film schlecht wäre – dafür ist er zu kompetent gemacht. Sondern weil er so offensichtlich unter seinen Möglichkeiten bleibt. Hier war ein Projekt angelegt, das hätte wehtun können, das hätte wütend machen können, das etwas zu sagen gehabt hätte über Verantwortung und Versagen. Stattdessen bekommt man einen Krimi, der sich mit Mittelmaß zufriedengibt.
Der Film «Tatort – Fackel» wird am Sonntag, den 22. März um 20.20 Uhr im Ersten ausgestrahlt.