Filme des Grauens: «Dumb and Dumberer: When Harry Met Lloyd»

Wie man einen Kultfilm (fast) kaputtmacht. Ein Prequel ohne Stars, ohne Witz – und ohne das Herz des Originals.

Mit «Dumb and Dumberer: When Harry Met Lloyd» versuchte Hollywood 2003, an den gigantischen Erfolg der Kultkomödie «Dumb and Dumber» von 1994 anzuknüpfen. Doch statt eines würdigen Nachfolgers entstand ein Film, der bis heute als Paradebeispiel für misslungene Prequels gilt. Regisseur Troy Miller erzählt darin die angebliche Ursprungsgeschichte der beiden Kultfiguren – allerdings ohne die Originalstars Jim Carrey und Jeff Daniels, was sich als entscheidender Schwachpunkt erweisen sollte.

Die Handlung spielt im Jahr 1986 und zeigt, wie sich Harry Dunne (Derek Richardson) und Lloyd Christmas (Eric Christian Olsen) erstmals kennenlernen. Beide sind Außenseiter – der eine naiv, der andere noch naiver. Ihre Freundschaft entsteht quasi zufällig, als sie sich auf dem Weg zur Schule begegnen. Schnell geraten sie in die Machenschaften des korrupten Schuldirektors Collins (Eugene Levy), der eine gefälschte Förderklasse für „besondere“ Schüler einrichtet, um staatliche Gelder zu kassieren. Harry und Lloyd helfen begeistert dabei, weitere „geeignete“ Kandidaten zu rekrutieren – ohne zu begreifen, dass sie Teil eines Betrugs sind. Parallel entwickelt sich eine typische Teenie-Nebenhandlung um eine Schülerreporterin, erste romantische Versuche und natürlich jede Menge Slapstick. Am Ende decken Harry und Lloyd – eher aus Versehen als aus Intelligenz – den Betrug auf und retten die Situation.

Das größte Problem des Films liegt auf der Hand: Er wirkt wie eine Kopie ohne Seele. Während das Original von der einzigartigen Chemie zwischen Jim Carrey und Jeff Daniels lebte, fehlt hier genau diese Dynamik. Richardson und Olsen bemühen sich zwar, die bekannten Gesten und den Humor zu imitieren, doch oft bleibt es bei einer blassen Nachahmung. Hinzu kommt, dass die Macher des Originals – die Farrelly-Brüder – nicht beteiligt waren. Dadurch fehlt dem Film die kreative Handschrift, die den ersten Teil so besonders machte. Stattdessen wirkt vieles wie ein zusammengestückelter Versuch, bekannte Gags zu reproduzieren, ohne sie wirklich zu verstehen.

Der Humor von «Dumb and Dumberer» setzt stark auf überdrehte Situationskomik und bewusst alberne Szenen. Doch was im Original noch überraschend und charmant wirkte, erscheint hier oft bemüht. Viele Witze zünden nicht, einige Szenen wirken schlicht peinlich. Kritiker bemängelten vor allem, dass der Film mehr auf Lautstärke als auf Timing setzt. Statt cleverer Gags gibt es überzogene Slapstick-Einlagen, die selten wirklich lustig sind. Das Ergebnis: mehr Fremdscham als Lacher.

Die Resonanz fiel entsprechend vernichtend aus. Auf Rotten Tomatoes kommt der Film auf rund zehn Prozent Zustimmung, bei Metacritic liegt er sogar noch darunter. Viele Kritiker empfahlen schlicht, stattdessen das Original noch einmal anzusehen. Auch bei den „Goldenen Himbeeren“ wurde der Film mehrfach nominiert – unter anderem als schlechtestes Sequel und für das Drehbuch. Trotzdem war das Einspielergebnis mit rund 39 Millionen Dollar weltweit bei einem Budget von 19 Millionen zumindest solide, wenn auch weit entfernt vom Erfolg des ersten Teils.

Trotz der Kritik bietet der Film einige bekannte Namen. Eugene Levy sticht als schmieriger Schuldirektor hervor und sorgt zumindest gelegentlich für komödiantische Highlights. Auch Luis Guzmán als Hausmeister bringt eine gewisse Präsenz mit. Interessant ist zudem ein früher Auftritt von Shia LaBeouf, der später zum Hollywood-Star wurde. Damals war er noch ein Teenager – und einer der wenigen Lichtblicke in einem ansonsten schwachen Ensemble.

«Dumb and Dumberer: When Harry Met Lloyd» zeigt eindrucksvoll, wie schwierig es ist, einen Kultfilm fortzusetzen – vor allem ohne die zentralen kreativen Köpfe. Der Film kopiert Oberfläche und Figuren, verfehlt aber den Ton und den Witz des Originals. Am Ende bleibt ein Prequel, das kaum jemand wirklich gebraucht hat: finanziell akzeptabel, aber künstlerisch enttäuschend. Oder, um es im Sinne der Reihe zu sagen: ziemlich „dumm“ – aber leider nicht besonders „lustig“.
04.04.2026 12:57 Uhr  •  Sebastian Schmitt Kurz-URL: qmde.de/169877