Uwe Ochsenknecht: ‚Am Ende soll immer Hoffnung bleiben‘
Seit Jahren gehört «Die Drei von der Müllabfuhr» zu den verlässlichen Reihen im Programm des Ersten. Schauspieler Uwe Ochsenknecht spricht im Interview über den besonderen Blick auf den Berliner Alltag, die Balance zwischen Humor und gesellschaftlichen Themen – und warum seine Figur Werner Träsch trotz aller Probleme immer für Hoffnung steht.
«Die Drei von der Müllabfuhr» läuft inzwischen seit mehreren Jahren sehr stabil im Ersten. Was ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsgeheimnis dieser Reihe – Figuren, Themen oder der Tonfall?
Es geht nicht um Vergewaltigungen, Messerstechereien, Terroristen sondern eher zwischenmenschliche Probleme in einer großen Stadt wie Berlin.
Die Filme greifen immer wieder konkrete gesellschaftliche Probleme im Berliner Alltag auf – von Hausbesetzungen bis zu Betrugsmaschen gegen Senioren. Wie wichtig ist Ihnen dieser Realitätsbezug?
Sehr. Diese „Problemchen“ vieler Menschen in so einer großen Stadt wie Berlin geraten oft in Vergessenheit, da uns dauernd die „großen“ weltpolitischen Konflikte um die Ohren gehauen werden.
Käpt’n Werner Träsch ist kein Ermittler und kein Politiker, sondern ein ganz normaler Arbeiter. Warum eignet sich gerade diese Perspektive so gut, um moralische Fragen zu erzählen?
Es gibt den Zuschauern das Gefühl, der ist einer von uns. Und lässt sie mit ihren Problem nicht ganz allein. Es zeigt ihnen auf, dass andere Menschen in ähnlichen schwierigen Situationen sind und wie man damit umgehen kann.
In „Hand in Hand“ geht es um Zivilcourage, in „Miese Abzocke“ um systematischen Betrug. Wie wählen Sie die Themen aus, die eine ganze Folge tragen dürfen?
Das machen im Wesentlichen die Drehbuchautoren. Ich habe aber ganz früh angeregt gesellschaftliche Probleme im Alltag von Berlin aufzuzeigen. Und da gibt es genug Themen.
Die Reihe bewegt sich zwischen Wohlfühlfilm, Sozialdrama und klarer Haltung. Wie schwierig ist es, diese Balance zu halten, ohne belehrend zu wirken?
Ja, da muss man mit Fingerspitzengefühl ran. Wir haben da ein tolles Team, die mit diesen Themen sehr sensibel umgehen, um diese Balance zu halten.
Werner Träsch handelt oft impulsiv – manchmal mit Konsequenzen. Ist er für Sie eher moralischer Kompass oder bewusst auch eine Figur mit blinden Flecken?
Er ist ein Mensch, der das Herz auf der Zunge trägt. In seinem impulsivem Handeln, ist er vielleicht nicht immer political correct, aber am Ende werden Probleme gelöst. Und das zählt am Ende.
Die Müllabfuhr wird hier als Beruf mit Stolz, Verantwortung und Gemeinschaftsgefühl gezeigt. Wie wichtig ist diese positive Darstellung von Arbeitswelten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?
Diese Art Berufe werden oft viel zu wenig respektiert und gewertschätzt. Ob im öffentlich-rechtlichen oder privatem Fernsehen, kann man nicht oft genug auf diese Arbeitswelten aufmerksam machen, die unseren Alltag erleichtern.
Die Filme thematisieren zunehmend auch digitale Probleme wie Fake-Webseiten, Social Media oder Online-Abzocke. Wie sehr verändert sich dadurch das Erzählen im Vergleich zu den frühen Folgen?
Gar nicht. Es kommen lediglich neue Themen hinzu.
Die Reihe bleibt trotz ernster Themen immer zugänglich und humorvoll. Wie bewusst wird Humor als Mittel eingesetzt, um gesellschaftliche Konflikte erzählbar zu machen?
Alles was bei uns eingesetzt wird, wird bewusst eingesetzt. Humor und damit verbunden mit einer gewissen Leichtigkeit kann ein Mittel der Wahl sein, schwierige Konflikte erzählbar zu machen.
Wenn Sie auf die bisherigen Filme schauen: Was soll das Publikum am Ende idealerweise mitnehmen – eher ein gutes Gefühl oder auch unbequeme Gedanken?
Immer nur ein gutes Gefühl. Eins der Hoffnung.
Danke für Ihre Zeit!
Die Drei von der Müllabfuhr» ist ab 20. März um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.