Gabriel Raab: ‚Der Krampus bringt das Märchen plötzlich in die Realität‘

Im neuen «Bozen-Krimi» bekommt das Krampus-Brauchtum eine düstere Wendung: Ein Mörder nutzt die dämonische Gestalt für seine Taten. Schauspieler Gabriel Raab spricht über mystische Folklore im Krimi, die gewachsene Partnerschaft seines Ermittlers Jonas Kerschbaumer mit „Capo“ Sonja Schwarz – und darüber, wie sich eine Figur nach mehr als 20 Filmen weiterentwickelt.

Herr Raab, im neuen «Bozen-Krimi» bekommt das traditionelle Krampus-Brauchtum eine tödliche Wendung. Was hat Sie an dieser Verbindung von Folklore und Serienmord besonders gereizt?
Ich finde alte Bräuche und Märchen bringen immer etwas mystisches mit, das
ich auch selbst gerne in Krimis sehe. Der Krampus geht ja auf die Perchtenläufe zurück, die dunkle Geister vertreiben. Das da auf einmal eine Figur, die in Südtirol und auch
in Bayern jeder kennt und auch ein bisschen fürchtet zum Mörder wird bringt das Märchen in die Realität, diese Verschiebung gefällt mir gut.

Ihr Jonas Kerschbaumer steht diesmal einem Täter gegenüber, der sich bewusst als dämonische Schreckgestalt inszeniert. Wie verändert das die Ermittlungsarbeit – auch psychologisch?
Die Frage die Sich bald auftut ist, sind die Opfer vielleicht auch Täter.
Da es ja beim Krampus auch immer um Bestrafung von schlechten Taten geht,
und eventuell gibt es auf einmal nicht mehr nur noch eine Schuld bei dem mordenden Krampus, sondern vielleicht auch bei denen die er bestraft.

Der Fall wirkt fast wie ein moderner Mythos: Ein „Krampus“, der scheinbar aus dem Dunkeln zuschlägt. Wie wichtig war es Ihnen, Jonas trotz dieser mystischen Aufladung bodenständig zu halten?
Ich finde die Bodenständigkeit passt generell gut zu der Figur Jonas und auch zu der Südtiroler Mentalität.

Zwischen Jonas und „Capo“ Sonja Schwarz ist über die Jahre ein eingespieltes Team gewachsen. Was hat sich in ihrer Dynamik im 21. Film verändert – vielleicht auch im Tonfall oder im Vertrauen?
Die Beziehung ist über die Jahre gewachsen und auch das Vertrauen, es muss nicht alles ausdiskutiert werden und auch ein bisschen Humor blitzt manchmal auf. Die beiden sind nicht nur Kollegen sondern auch Freunde.

Die Reihe lebt stark von ihrer Südtirol-Kulisse. Welche Rolle spielt die Landschaft diesmal dramaturgisch – ist sie eher atmosphärischer Hintergrund oder aktiver Spannungstreiber?
Ich würde sagen beides, die Landschaft hilft natürlich sehr als Spannungstreiber, aber auch ein paar schöne Bilder in denen man sich kurz entspannen und an den letzten Südtirol Urlaub erinnern darf sind natürlich dabei.

Besonders auffällig ist das Motiv der Inszenierung: Ein auffälliges Kostüm für eine Tat in der Abgeschiedenheit. Wie sehr geht es in diesem Krimi auch um Täuschung und bewusste Irreführung?
Klar geht es auch um Irreführung. Im Besten fall war es am Ende, der von dem es der Zuschauer am wenigsten erwartet hat, oder vielleicht doch der verdächtigste, weil man das am wenigsten erwartet? Wir werden es sehen!

Jonas wird immer wieder mit familiären Bezügen konfrontiert – sowohl privat als auch in den Fällen. Gibt es in „Teuflische Strafe“ Momente, die ihn emotional stärker fordern als frühere Ermittlungen?
Ja es gibt vor allem einen Moment am Ende, da geht es aber generell um Ungerechtigkeit und wie er als Kommissar damit umgehen kann.

Der Film steuert auf ein dramatisches Finale zu. Wie bereiten Sie sich als Schauspieler auf solche hochintensiven Szenen vor – eher analytisch oder aus dem Moment heraus?
Ich überlege mir schon viel vorweg, aber am Ende entscheidet der Moment. Ich bin froh, wenn Sich dann wie dieses mal spontan etwas ganz Neues entwickelt.

Mit Hans Hofer führt erstmals ein Südtiroler Regisseur Regie bei der Reihe. Hat sich dadurch am Set oder in der Tonalität des Films etwas spürbar verändert?
Ich finde Hans Hofer hat einen authentischen Blick auf seine Heimat gefunden, zum Beispiel haben wir jetzt eine Pathologin die Dialekt spricht, aber auch kleinere Dinge, wie das Krampus Kostüm, das ein Original-Kostüm war wurden beachtet.
Mir hat die Zusammenarbeit große Freude bereitet.

«Der Bozen-Krimi» erreicht regelmäßig ein Millionenpublikum. Spüren Sie bei der Arbeit an einem neuen Film einen Erwartungsdruck – oder eher die Freiheit, eine etablierte Figur weiterzuentwickeln?
Ich vertraue auf die Berge und die Landschaft Südtirols die ja auch keine unbedeutende Role spielen. Ansonsten bin ich einfach sehr dankbar in einer so schönen Gegend mit Kollegen die mir sehr am Herz liegen arbeiten zu dürfen

Nach 21 Filmen: Was entdecken Sie heute noch Neues an Jonas Kerschbaumer – und was möchten Sie mit ihm in kommenden Fällen unbedingt noch erzählen?
Ich entdecke das er, wie auch ich selber, älter geworden ist, das Alter verändert einen Menschen und eine Figur. Dieses Älterwerden zu erzählen finde ich spannend. Wenn dabei ein bisschen Humor nicht fehlt bin ich sehr zufrieden.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Der Bozen-Krimi» ist am Donnerstag, 12. März, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.
11.03.2026 12:34 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/169537