‚Elli schaut auf eine ungewöhnliche Weise auf die Welt‘
In der ZDF-Serie «Einfach Elli» spielt Klara Deutschmann eine Notfallsanitäterin mit ADHS, die zwischen Bergrettung, Klinikalltag und familiären Konflikten ihren eigenen Weg sucht. Im Interview spricht sie über die Wucht und Verletzlichkeit ihrer Figur – und warum gerade Ellis unangepasster Blick auf die Welt die Serie so besonders macht.
«Einfach Elli» erzählt von Sanitäterin Elli mit ADHS, die ihr Team verlässt und in die Berge zieht. Was hat Sie an Elli Kempfer sofort gereizt – eher ihre Stärke oder ihre Verletzlichkeit?
Mir hat an Elli von Anfang an gefallen, dass sie eine ungewöhnliche Art hat auf die Welt zu schauen und unangepasste Entscheidungen trifft. Dass sich das mal in einer Verletzlichkeit ausdrückt und mal mit einer ziemlichen Wucht um die Ecke kommt, hat mir große Freude gemacht.
Die Serie spielt zwischen Bergidylle und medizinischem Ernstfall. Wie wichtig war dieser Kontrast für Ihre Arbeit an der Figur – auch emotional?
Das Spannungsfeld zwischen der wunderschönen Natur und dem harten Klinikalltag, den mitunter herausfordernden familiären Verflechtungen und Ellis extremer beruflichen Funktionalität, all das hat die Figur für mich reich und spannend gemacht.
Schon vor ihrem ersten offiziellen Arbeitstag rettet Elli ein Leben. War das für Sie eher ein Heldinnenmoment oder der Beginn einer Überforderung?
Elli würde sich selbst bestimmt nicht als Heldin beschreiben. In Extremsituationen übernehmen in ihr eine große Professionalität und Selbstsicherheit, von denen sie sich tragen lässt. Die Überforderung, die durchaus auch ein Teil von ihr ist, schleicht sich erst danach ein oder kommt, in vermeintlich harmlosen Situationen, ganz plötzlich in ihr auf.
Im Zusammenspiel mit Felix Sorell, Dr. Jasper Graf bzw. auch mit Dr. Mai Trang entstehen Reibungen. Was erzählen diese Beziehungen über Macht, Vertrauen und Rollenbilder im medizinischen Alltag?
Wie in viele Berufen herrschen auch im Klinikalltag steile Hierarchien. Dass Elli sich als Notfallsanitäterin in die medizinischen Entscheidungen der Ärzt*innen einmischt, ist ganz klar grenzüberschreitend. Sie ignoriert teilweise einfach die ungeschriebenen Gesetze des medizinischen Personals. Mit diesem Verhalten eckt sie zwar an, weckt gleichzeitig aber auch Sympathien. Die Figuren spielen mit der Dynamik von Status, Fachwissen, Anziehung und Macht auf eine immer wieder auch sehr humorvolle Art.
Elli verlässt sich stark auf ihr Bauchgefühl. Ist das für Sie eine Stärke der Figur – oder auch eine potenzielle Gefahr?
Das Bauchgefühl ist für Elli und auch für mich ganz persönlich ein ganz wichtiger Ratgeber.
Neben den Notfällen spielt die Familiengeschichte eine große Rolle. Wie haben Sie die Beziehung zwischen Elli und ihrer Mutter Louise verstanden?
Elli und Louise sind sich trotz ihrer Unterschiedlichkeit sehr nah. Während Elli sich mit ihrem ADHS auseinandersetzt, Therapie macht und medikamentös eingestellt ist, lehnt Louise die „Modediagnose“ völlig ab und verleiht ihrer Besonderheit eher auf eine künstlerische Art Ausdruck. Beide Figuren bereichern sich gegenseitig in ihren Eigenarten und fordern sich gleichzeitig sehr heraus.
Ein lange gehütetes Familiengeheimnis verändert Ellis Blick auf sich selbst. Wie sehr verschiebt dieser Aspekt die Serie vom Einsatzdrama hin zum emotionalen Familienporträt?
Mich interessiert bei «Einfach Elli» besonders die Vielschichtigkeit des Formats und der Figuren. Die Folgen lassen sich nicht in eine Schublade stecken, sondern verbinden viele Ebenen, die hoffentlich beim Zusehen berühren und auch Leichtigkeit vermitteln.
«Einfach Elli» ist kein klassisches Krankenhausformat. Was unterscheidet die Serie Ihrer Meinung nach von anderen medizinischen Reihen im deutschen Fernsehen?
Im Fokus des Formats stehen Notfallsanitäter*innen, alleine das ist schon ein großer Unterschied zu Filmen und Serien, in denen es sich doch meist um Ärzt*innen dreht. Durch diesen Fokus können wir sowohl den Klinikalltag als auch das Leben außerhalb des Krankenhauses abbilden.
Danke für Ihre Zeit!
Die neue Serie ist seit 5. März in der ZDFmediathek abrufbar. Die lineare Premiere erfolgt am Donnerstag, 12. März, um 20.15 Uhr.