Maxim Mehmet über 25 Filme «Friesland»: ‚Ohne unser Ensemble wäre das Format nicht das, was es ist‘
Zum Jubiläumsfilm „Schiffe schrotten“ spricht Maxim Mehmet über die besondere Mischung aus Krimi und Humor, die Langlebigkeit von «Friesland», die Spielfreude an Henk Cassens – und warum er sich für die Zukunft mehr Mut zu Extremen wünscht.
“Schiffe schrotten“ ist bereits der 25. Film der Reihe «Friesland». Was macht für Sie persönlich die Langlebigkeit dieses Formats aus?
Mit der Mischung zwischen Krimi und Humor, gepaart mit der Verortung in einer beliebten Ferienregion, scheinen wir, nach wie vor, eine guten Nerv bei unserem Publikum zu treffen.
Henk Cassens ist kein klassischer Ermittlerheld, sondern eher bodenständig, direkt und manchmal unbequem. Was reizt Sie an dieser Figur – gerade über so viele Filme hinweg?
Ich mag Henk, weil er in vielerlei Hinsicht ein Kindskopf geblieben ist. Impulsiv, ohne sich zu viele Gedanken über sich und seine Mitmenschen zu machen, vielleicht manchmal etwas arbeitsscheu und trotzdem da, wenn’s drauf ankommt. Dass er dabei oft auch kindisch reagiert, erhöht auch meine Spielfreude.
In „Schiffe schrotten“ geraten auch private Verbindungen von Henk in den Fokus. Wie wichtig sind diese persönlichen Verstrickungen, um den Krimi emotional zu erden?
Ich glaube, sie sind sehr wichtig. Denn letztendlich sind es ja nicht nur die, im besten Fall, spannenden Kriminalgeschichten, die das Publikum emotional einbinden, sondern eben vor allem die persönlichen Verstrickungen der Charaktere. Was läuft da wie, zwischen wem.
Die Reihe lebt stark vom Zusammenspiel des Ensembles – Polizei, Apothekerin, Bestatter. Wie sehr trägt diese ungewöhnliche Mischung zum besonderen Ton von «Friesland» bei?
Ich würde mal sagen, sie macht den Ton. Ohne unser Ensemble wäre Friesland nicht das, was es ist.
Der Fall kreist um illegale Machenschaften in der Schifffahrt und wirtschaftliche Interessen. Was erzählt dieser Film aus Ihrer Sicht über Macht, Profit und Schweigen in scheinbar ruhigen Regionen?
Naja, kriminelle Energie gibt’s (zum Glück für unser Format) überall und was die „ruhigen Regionen“ betrifft, würde ich mal behaupten, stille Wasser sind oft die tiefsten. Der Reiz ist ja, dass wir oft Themen behandeln, die zwar regional verortet sind, dabei aber auch Probleme berühren, die weit über die Provinz hinausgehen. Zumindest wittert Brockhorst immer wieder den großen, internationalen Coup. In „Schiffe Schrotten“ hat das unser Autor Georg Ludy ganz wunderbar geschafft, wie ich finde.
Henk Cassens ist oft derjenige, der intuitiv handelt, während andere strukturierter vorgehen. Ist er für Sie eher Bauchmensch oder jemand mit klarem moralischem Kompass?
Ganz klar Bauchmensch. Den anderen Part hat ja eher Süher inne.
Sie haben im Laufe Ihrer Karriere sehr unterschiedliche Rollen gespielt – vom historischen Stoff bis zum modernen Krimi. Was gibt Ihnen eine feste Serienfigur wie Henk Cassens, das Einzelrollen nicht leisten können?
Man hat viel mehr Zeit und Raum, verschiedene Fassetten einer Figur kennen zu lernen und zu spielen. Das bringt auf Dauer eine Gelassenheit, die ja in jedem Beruf wünschenswert ist. Dennoch würde es mich reizen, auch mal wieder eine ganz andere Figur zu spielen.
«Friesland» verbindet Krimi mit trockenem Humor und regionalem Flair. Wie fein muss man diese Balance treffen, damit weder Spannung noch Leichtigkeit verloren gehen?
Ein «Friesland»-Drehbuch zu schreiben ist, denke ich, genau aus dem Grund eine große Herausforderung. Weil eben viele Parameter bedient werden wollen und diese feine Balance zwischen Krimi und Humor, zwischen Fall und Privatem der Figuren, getroffen werden muss. Die Aufgabe von uns Schauspielern ist es dann, die Texte zu unseren zu machen und alles rauszuwerfen, was auch gespielt werden kann, damit der Humor situativ bleibt und die Konflikte nachvollziehbar.
Der Film ist bereits im Streaming erfolgreich, läuft aber auch klassisch um 20:15 Uhr im ZDF. Spüren Sie beim Drehen noch den besonderen Anspruch des linearen Fernsehfilms?
Ich wüsste nicht, was das für ein besonderer Anspruch beim linearen Fernsehfilm sein soll. Mittlerweile läuft doch alles auch online, und die großen Streamer produzieren sogar ausschließlich dafür. Mit offenbar noch höherem Anspruch. Was man beim Drehen spürt, sind die Anzahl der Drehtage, die leider auch in den Öffentlich-Rechtlichen immer weniger werden.
Mit Blick nach vorne: Was würden Sie sich wünschen, wohin sich Henk Cassens – und die Reihe insgesamt – nach 25 Filmen noch entwickeln darf?
Was Geschichten und Figuren betrifft, wünsche ich mir mehr Mut zu Extremen und vielleicht auch mal Stränge, die über mehrere Folgen hinweg, also eher horizontal erzählt werden. Aber ich denke, das sind wir schon auf einem guten Weg.
Danke für Ihre Zeit!
«Friesland» ist am Mittwoch, den 11. März, um 20.15 Uhr zu sehen. Der Film ist bereits seit 31. Dezember 2025 in der Mediathek abrufbar.