Die Kritiker: «Der Garmisch-Krimi - Wolfsmord»

Zwei ungleiche Ermittlerinnen ermitteln in Garmisch in einem politisch brisanten Naturschutzmordfall.

Stab

Darsteller: Lavinia Wilson, Philine Schmölzer, Michael Kranz, Harald Windisch, Marcel Mohab, Max von Thun
Schnitt: Sebastian Schreiner
Musik: Malakoff Kowalski
Kamera: Roland Stuprich
Drehbuch: Leona Stahlmann und Niklas Hoffmann
Regie: Saralisa Volm
Mit «Der Garmisch-Krimi – Wolfsmord» legt das ZDF im Jahr 2026 einen Provinzkrimi vor, der von der ersten Minute an viel vorhat: Gesellschaftskommentar, Charakterdrama, Heimatstudie und Spannungsstück in einem. Regisseurin Saralisa Volm inszeniert nach einem Drehbuch von Leona Stahlmann und Niklas Hoffmann eine Geschichte, die mit einem starken Motiv beginnt – ein abgetrennter Wolfskopf, per Post verschickt an einen Naturschützer – und sich dann in den Untiefen eines alpenländischen Kulturkampfs verfängt.

Der Wolfskopf ist natürlich mehr als ein Schockeffekt. Er steht für die Rückkehr des Verdrängten, für den Konflikt zwischen Tradition und Moderne, für die Angst vor dem Fremden – kurz: für alles, was sich in bayerischen Tälern symbolisch aufladen lässt. Als der bedrohte Naturschützer tot aufgefunden wird, ist klar: Hier geht es nicht um eine schrullige Drohgebärde, sondern um Mord. Die Ermittlungen führen in ein Milieu aus Bauern, Aktivisten und Lokalpolitikern, das brodelt wie ein schlecht eingestellter Dampfdrucktopf.

Im Zentrum stehen zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ira Zach (Lavinia Wilson), erfahren, desillusioniert, mittlerweile im Baumarkt gestrandet, trifft auf die junge, ehrgeizige Daphne Meindl (Philine Schmölzer), neu im Amt und voller Idealismus. Der Film setzt auf das klassische Motiv der ungleichen Ermittlerinnen, die erst aneinander reiben und dann zusammenfinden. Das ist nicht neu, aber solide gespielt. Wilson gibt ihrer Ira eine lakonische Schwere, die angenehm unaufgeregt wirkt. Schmölzer hingegen verkörpert die Unbeirrbarkeit einer Frau, die noch nicht gelernt hat, wie sehr Provinzpolitik und persönliche Verstrickungen Ermittlungen erschweren können.

Was «Wolfsmord» gut gelingt, ist die Zeichnung des sozialen Klimas. Der Konflikt um den Wolf wird nicht zur plumpen Parabel, sondern bleibt konkret. Allerdings verliert sich das Drehbuch gelegentlich in Dialogen, die mehr Thesenpapier als Gespräch sind. Wenn über Artenschutz und Heimat geredet wird, klingt das bisweilen wie eine Diskussionsrunde im dritten Programm – nur mit besserem Catering.

Visuell setzt Kameramann Roland Stuprich auf satte Alpenpanoramen und kühle Innenräume. Die Berge wirken majestätisch, aber auch abweisend; die Natur ist hier kein Postkartenidyll, sondern Resonanzraum für Gewalt. Im Ensemble überzeugt neben Wilson und Schmölzer derweil vor allem Michael Kranz als Patrick Wams mit einer angenehm uneitlen Präsenz. Auch Nebenfiguren wie Graner (Harald Windisch) oder Corky (Marcel Mohab) bekommen genug Kontur, um mehr zu sein als bloße Stichwortgeber. Dennoch bleibt der Eindruck, dass der Film seine vielen Figuren nicht immer ganz im Griff hat, denn manche Motivationen werden eher behauptet als entwickelt.

In der Summe ist «Der Garmisch-Krimi – Wolfsmord» ein durchwachsener Beitrag zur deutschen Fernsehkrimi-Landschaft. Der Film punktet mit einem starken Ausgangsbild, engagierten Darstellerinnen und einem relevanten Thema. Gleichzeitig leidet er unter dramaturgischen Unebenheiten und einer gewissen didaktischen Schwere. Zwischen Heimatdrama, Politthriller und Charakterstudie findet er schließlich nicht immer die richtige Balance.

Der Film «Der Garmisch-Krimi – Wolfsmord» wird am Samstag, den 28. Februar um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
26.02.2026 11:20 Uhr  •  Oliver Alexander Kurz-URL: qmde.de/169306