Mit «Korridore» schickt die ARD eine düstere Mystery-Horror-Serie ins Rennen, die urbane Legenden, digitale Albträume und okkulte Phänomene zu einem vielschichtigen Audio-Thriller verbindet.

Die Hörspielreihe
«Korridore» aus der ARD Audiothek verbindet klassische Mystery-Elemente mit modernem Horror und einem erzählerischen Rahmen, der sich langsam, aber unaufhaltsam verdichtet. Im Zentrum steht die Polizistin Zoe, die einen Vermisstenfall übernimmt: Der Student Patrick ist verschwunden. Die einzige Spur ist sein Handy – und eine Reihe von Sprachmemos, die er während seiner Recherche aufgenommen hat.
Patrick sucht nach seiner Mutter, die vor zwölf Jahren spurlos verschwand. Sie arbeitete im „Institut für Paramediale Phänomene“ (IPP), einem Ort, an dem unerklärliche, übernatürliche oder zumindest seltsame Fälle untersucht wurden. Als Patrick das verlassene Gebäude betritt und in den staubigen Korridoren nach Hinweisen sucht, stößt er auf Akten und Aufzeichnungen, die ihn tiefer in eine Welt aus grausamen Ereignissen, okkulten Experimenten und verstörenden Phänomenen ziehen. Was zunächst wie einzelne, bizarre Vorfälle wirkt, scheint allmählich zusammenzuhängen.
Jede Episode erzählt einen dieser Fälle – von einem unheimlichen Chatbot, der angeblich mit einem Geist kommuniziert, über eine Internet-Schnitzeljagd mit paranoiden Zügen bis hin zu einer sektenartigen Gemeinschaft rund um halluzinogene Kakteen. Auch digitale Motive spielen eine große Rolle: verfluchte Programme, bedrohliche Online-Communities oder technologische Artefakte, die ein Eigenleben zu entwickeln scheinen. Eine „suizidale Kaffeemaschine“ ist dabei noch eines der harmloseren Phänomene in diesem Kosmos.
Doch «Korridore» ist mehr als eine lose Sammlung von Gruselgeschichten. Durch Zoes Ermittlungen entsteht eine übergeordnete Handlungsebene, die die einzelnen Fälle miteinander verknüpft. Während sie sich immer tiefer in das Geheimnis des IPP verstrickt, wird klar, dass hier nicht nur ein Vermisstenfall gelöst werden soll – sondern möglicherweise etwas viel Größeres im Verborgenen lauert. Die Serie arbeitet mit einem klassischen Mystery-Bogen: Hinweise, falsche Fährten, wachsende Bedrohung und eine finale Konfrontation, die die Realität selbst infrage stellt.
Geschrieben und inszeniert wurde die Reihe von Lars Henriks, der ein Gespür für atmosphärische Dichte und Spannungsaufbau beweist. Die Besetzung mit Maximilian Schimmelpfennig, Nisan Arikan und Ulrich Bähnk trägt die emotionale Wucht der Geschichte. Besonders die akustische Gestaltung überzeugt: Hallende Gänge, knisternde Aufnahmen, verzerrte Stimmen und subtile Soundeffekte erzeugen eine intensive Klangwelt, die das Kopfkino antreibt.
«Korridore» knüpft an klassische Mystery-Erzählungen an, greift aber zugleich aktuelle Themen wie Digitalisierung, Verschwörungsglauben und die Sehnsucht nach Transzendenz auf. Die Serie spielt geschickt mit der Frage, ob das Übernatürliche real ist – oder ob menschliche Ängste, Isolation und Technologie die eigentlichen Monster sind.
Mit ihren zwölf Episoden pro Staffel und einer klaren seriellen Dramaturgie ist «Korridore» eine der ambitionierteren Genre-Produktionen in der deutschen Audio-Landschaft. Wer düstere Atmosphären, verschachtelte Erzählstrukturen und Mystery-Horror mit intellektuellem Unterbau schätzt, findet hier ein Hörspiel, das lange nachhallt – wie Schritte in einem verlassenen Gang, der kein Ende zu haben scheint.