Die Kritiker: «Der Salzburg-Krimi – Tod am Wolfgangsee»

«Der Salzburg-Krimi» will mit psychologischem Tiefgang überzeugen und bleibt doch vor allem Regionalkrimi.

Stab

Darsteller: Fritz Karl, Lisa Schützenberger, Franz Josef Danner, Anna Loos, Peter Lohmeyer, Tanja Raunig
Musik: Manfred Plessl
Kamera: Matthias Pötsch
Drehbuch: Friedrich Anton Karl und Till Franzen (auch Regie)
Mit «Der Salzburg-Krimi – Tod am Wolfgangsee» versucht die Reihe um den Kriminalpsychologen Thomas Meiberger, dem sattsam bekannten Fernsehkrimi eine Prise metaphysischen Tiefgang zu verleihen – und landet dabei in einem ästhetisch ansehnlichen, dramaturgisch jedoch unerquicklich zähen Zwischenreich.

Der Film eröffnet mit einem Paukenschlag: Ein junger Mann hängt kopfüber gekreuzigt am Mast eines Segelboots auf dem Wolfgangsee, eine makabre Petrus-Ikonografie, die weniger schockiert als kalkuliert wirkt. Der See glitzert, die Kamera von Matthias Pötsch fährt genießerisch über das Postkartenidyll – und man ahnt früh, dass hier Atmosphäre wichtiger sein wird als narrative Stringenz.

Dabei ist der Ansatz durchaus vielversprechend. Wenn klassische Polizeiarbeit an Grenzen stößt, soll die forensische Psychologie verborgene Motive freilegen. Meiberger (Fritz Karl), ein Vertrauter der einflussreichen Familie Aidbichler, wird von politischer Seite in die Ermittlungen gedrückt – ein Kunstgriff, der Konfliktpotenzial birgt. Hauptkommissarin Anna Grünwald, gespielt von Lisa Schützenberger, reagiert erwartbar reserviert auf den selbstgewissen Einzelgänger. Dass diese Konstellation nicht neu ist, wäre verzeihlich, würde der Film mehr daraus machen als das routinierte Aneinanderreihen von Kompetenzgerangel und bedeutungsschweren Blicken.

Karl gibt seinen Meiberger als Mischung aus Charmeur und Besserwisser, als Mann, der in jeder Regung seiner Mitmenschen ein Trauma wittert. Das hat Witz, wenn er etwa mit sanfter Ironie die Befindlichkeiten der Provinz seziert. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird, dass die Figur vor allem als dramaturgischer Dietrich dient: Er weiß mehr, spürt früher, ahnt tiefer. Die Psychologie wird dabei zum allzu bequemen Erklärinstrument. Wo Beweise fehlen, tritt Intuition an ihre Stelle – und das Drehbuch behandelt beides mit derselben Gewissheit.

Der Fall selbst, eine Ritualmord-Serie im Salzburger Land, bemüht religiöse Symbolik, Schuld und Sühne, sakrale Kunst. Professor Rost, gespielt von Peter Lohmeyer, gerät ins Visier, während im Hintergrund ein Netz aus Doppelleben und moralischer Verfehlung gesponnen wird. Das klingt nach Abgründigkeit, bleibt aber erstaunlich blutleer. Die Motive der Täter – so viel sei verraten – wirken weniger wie das Ergebnis seelischer Verwerfungen als wie die Erfüllung eines Exposés, das „psychologischen Tiefgang“ verspricht und doch an der Oberfläche verharrt.

So pendelt «Tod am Wolfgangsee» zwischen Anspruch und Konvention. Dieser Film will mehr sein als der übliche Regionalkrimi, betont seine psychologische Dimension, seine religiösen Chiffren, seine moralischen Fragen. Gleichzeitig verlässt er sich auf vertraute Fernsehmechanik: Verdächtige werden eingeführt und wieder verworfen, falsche Fährten fliegen der Reihe nach als solche auf, und am Ende fügt sich alles zu einem Bild, das weniger überrascht als erleichtert. Das ist kein Ärgernis, aber eben auch kein Ereignis. Der Film ist solide gespielt, atmosphärisch dicht und handwerklich sauber inszeniert. Doch wo er Tiefe behauptet, bleibt er Behauptung.

Der Film «Der Salzburg-Krimi – Tod am Wolfgangsee» wird am Donnerstag, den 26. Februar um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
24.02.2026 11:20 Uhr  •  Oliver Alexander Kurz-URL: qmde.de/169238