Weniger «Panorama», mehr Pause: Wie Das Erste seine Politmagazine ausbremst

Immer häufiger weichen «Panorama» und Co. Serien, Sport oder Eventprogrammen und verlieren dabei schleichend ihren festen Platz im Ersten

Im Juni 2021 feierte das Politmagazin «Panorama» sein 60-jähriges Jubiläum. Fünf Jahre nach dem Geburtstag scheint die Feierfreude jedoch nicht besonders groß zu sein. Schon vor einem halben Jahrzehnt wurden Magazine von diversen Politikern beschossen. Doch inzwischen sitzt der Gegner nicht mehr unbedingt im Plenarsaal, sondern offenbar in der Programmredaktion von Das Erste. Im vergangenen Jahr wurden nur noch dreizehn Ausgaben der halbstündigen Sendung hergestellt, im Jahr 2024 wurde mit zwölf Ausgaben ein neuer Negativrekord eingefahren. Unter den Ausgaben des NDR-Magazins lief auch eine Dokumentation von Sulaiman Tadmory; der Reporter floh im Jahr 2015 vor Diktator Assad und blickte am Donnerstagabend auf sein Leben zurück.

Neben den üblichen «Panorama»-Filmen wie „Das Netzwerk der Vergewaltiger“ oder „Mit deutscher Technik: So schützt Putin seine Atomwaffen“ tauchen mindestens einmal jährlich recht schwache Dokumentationen auf. Der Film „Tanken und das Klima“ lief mit 2,26 Millionen Zuschauern zwar recht gut, bot wenig neue Erkenntnisse über bereits bekannte Zusammenhänge. Auf der einen Seite wurden Tankstellenbetreiber befragt, die mit fossilen Brennstoffen, Tabak und Alkohol ihre Umsätze erzielen, auf der anderen Seite ging es um die Wandlung zur E-Mobilität. Die Zuschauer bekamen letztlich einen Ist-Bericht ohne Neuigkeitswert. Was sollte dieses Werk bezwecken? Dass die Tankstellenbetreiber ihren Lebensunterhalt aufgeben und sich einen Job im Bereich erneuerbarer Energien suchen? Unter Journalisten blieb das Werk eher eine offene Frage nach dem Sinn als ein Beweis für Sinnhaftigkeit.

Zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 setzte Das Erste auf insgesamt 16 «Panorama»-Sendungen. Im Jahr 2021 – als die Olympischen Sommerspiele ausgetragen und die UEFA-EM nachgeholt wurden – schaffte es Das Erste-Programmchefin Christine Strobl dennoch, der Sendung 15 Sendeplätze einzuräumen. 2022, im Jahr der Winter-Weltmeisterschaft in Katar, durfte «Panorama» noch 16 Mal auf Sendung gehen. Im Sportjahr 2024 kam «Panorama» im Sommer hingegen nur auf drei Ausgaben – trotz Olympia und Europameisterschaft. Vielmehr ist es der Jahresabschluss, der der Sendung die Sendeplätze wegnimmt. Strobl platziert hier gerne Miniserien oder Specials – also theoretisch Quote vor Information.

Die letzte «Panorama»-Folge im vergangenen Jahr lief am 4. Dezember, die erste Ausgabe in diesem Jahr – mit der „Tanken“-Dokumentation – am 29. Januar. Sieben Wochen Sendepause bekam das Team um NDR-Moderatorin Anja Reschke. Doch damit nicht genug: Die erste reguläre Folge ist erst am 26. Februar 2026 zu sehen. Das Ersatzprogramm ist zum Teil dürftig. Die Serie «Mozart/Mozart» schnappte sich einen Sendeplatz, obwohl die Kritiken durchweg enttäuschend waren. Mitte Dezember war das Jahresprogramm von Dieter Nuhr wichtiger, obwohl die Programmverantwortlichen wussten, dass die folgenden zwei Wochen von Feiertagen geprägt sein würden.

Gleich drei Mal ließ Strobl die Polit-Sendungen ohne ersichtlichen Grund ausfallen: Am 6., 13. und 22. Januar wurden im Anschluss an «In aller Freundschaft» oder den Donnerstagskrimi direkt die «Tagesthemen» gesendet. Am 15. Januar lief die Handball-Europameisterschaft im Ersten. Noch bevor die Olympischen Winterspiele in Italien starteten, sollte die «Kontraste»-Dokumentation „Waren die 80er besser?“ punkten. Ein solcher emotionaler Rückblick gehört eher auf einen späten Montagabend – und nicht auf den angestammten Platz eines wichtigen Politmagazins.

In den vergangenen 13 Wochen standen 26 Sendeplätze zur Verfügung, vier davon entfielen auf die Weihnachts- und Neujahrstage. Dennoch liefen nur zehn Ausgaben von «Panorama», «Report Mainz», «Report München», «Monitor», «Kontraste» und «Fakt». Zumindest ab dieser Woche wird die Programmplanung von Das Erste wieder stärker an die investigativen Magazine glauben – wenngleich am 10. März schon wieder eine «Fakt»-Dokumentation auf dem angestammten Magazinplatz steht. Das Erste antwortete: „Aufgrund von Sonderprogrammierungen rund um die Feiertage und den Jahreswechsel sowie der umfangreichen Übertragungen von Sport-Großereignissen – darunter die Handball-Europameisterschaft und die Olympische Winterspiele – wurden die politischen Magazine zeitweise nicht in der gewohnten Regelmäßigkeit ausgestrahlt. Ab der kommenden Woche erscheinen die Magazine – darunter auch «Panorama» – wieder planmäßig.“ Doch es gibt wieder Ausnahmen: An Gründonnerstag hat die Redaktion von «Kontraste» frei; stattdessen ist die Wiederholung von «Mord auf Shetland – Der stumme Zeuge» mit Ashley Jensen und Alison O’Donnell eingeplant. Würde die Programmplanung stattdessen auf das Berliner Magazin setzen, müssten womöglich weder die «Tagesthemen» ausfallen werden noch die «HumorZone 2026 – Die Gala» mit Olaf Schubert erst um 23.50 Uhr starten.
24.02.2026 12:16 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/169119