‚Ein Rennen ist nur dann spannend, wenn es für die Figur eine innere Bedeutung hat‘
Regisseur Jakob Fischer und Regisseurin Johanna Moder sprechen im Interview über emotionale Zuspitzungen und die Verantwortung gegenüber einem jungen Publikum.
Mit der dritten Staffel von «School of Champions» verlässt die Serie endgültig den sicheren Raum der klassischen Nachwuchs- und Schulstruktur. Leistungsdruck, Identitätssuche und die Frage nach dem eigenen Traum rücken stärker in den Mittelpunkt – erzählt konsequent aus der Perspektive der Jugendlichen.
«School of Champions» geht in Staffel 3 – und ist längst mehr als eine klassische Coming-of-Age-Serie. Was war Ihr zentrales inhaltliches Ziel für diese neue Staffel?
In dieser Staffel kommen die Figuren an einen Punkt, an dem sie sich ehrlich fragen müssen, ob sie wirklich weiter für ihren Traum kämpfen wollen – und ob sie dabei als Gruppe bestehen können. Gleichzeitig haben wir uns bewusst dafür entschieden, konsequent aus der Perspektive unserer jungen ProtagonistInnen zu erzählen. Diese Entscheidung hat alles beeinflusst: die Bildsprache, die Erzählweise und die Themen, die wir in den Vordergrund rücken.
Die Schließung der Schule ist ein drastischer Einschnitt. Warum war dieses narrative „Beben“ genau jetzt notwendig für die Entwicklung der Figuren?
Dieser Einschnitt zwingt die Protagonistinnen dazu, schneller erwachsen zu werden, als es ihnen vielleicht lieb ist. Nach zwei Staffeln im Schulkontext war es für uns ein logischer nächster Schritt, sie stärker mit der Welt außerhalb dieser Struktur zu konfrontieren – mit all den Unsicherheiten und Verantwortungen, die damit einhergehen.
Die Serie erzählt von Leistungsdruck, Ehrgeiz und Identität. Wie haben Sie es inszenatorisch geschafft, den Spitzensport realistisch darzustellen, ohne die Figuren zu reinen Funktionsträgern zu machen?
Für uns waren von Anfang an zwei Dinge zentral: unser außergewöhnlicher junger Cast und die spektakulären Skiaufnahmen unserer Ski-Unit-Regisseurin Sandra Lahnsteiner. Aber diese Bilder funktionieren nur, wenn sie emotional aufgeladen sind. Ein Rennen ist nur dann spannend, wenn es für die Figur eine innere Bedeutung hat. Deshalb steht immer die emotionale Situation im Zentrum – jedes Rennen muss für unsere ProtagonistInnen stark aufgeladen sein.
Viele Handlungsstränge sind stark emotional aufgeladen – Outing, familiäre Belastungen, Rebellion gegen Autoritäten. Wie finden Sie die Balance zwischen Drama und Authentizität, gerade mit einem jungen Publikum?
Ich bin ursprünglich als Schauspielcoach zum Projekt gekommen und habe seit der ersten Staffel sehr eng mit dem jungen Cast gearbeitet. Daraus ist über die Jahre eine große Vertrauensbasis entstanden – und für mich persönlich auch ein eigenes Coming-of-Age vom Coach zum Regisseur.
Der Cast ist bis heute einer meiner wichtigsten Arbeitspartner. Niemand kennt die Figuren so gut wie sie selbst. Da sie während der Dreharbeiten tatsächlich erwachsen geworden sind, vertreten sie die Zielgruppe auf eine sehr direkte, ehrliche Weise. Sie sind früh in Drehbuchfassungen eingebunden.
Die Figuren werden älter, kantiger und widersprüchlicher. Welche Entwicklung hat Sie bei den Jugendlichen in Staffel 3 persönlich am meisten interessiert?
Mich hat vor allem interessiert, wie sich die Gruppendynamik verschiebt, wenn vertraute Strukturen wegfallen. Besonders gefreut habe ich mich persönlich auf die vierte Episode: Unsere Protagonistinnen verlassen für eine ganze Folge die Skipiste – einen Raum, in dem sie sich sicher fühlen – und tauchen stattdessen in einen Rave ein. Dort sind sie plötzlich ungeübt, orientierungslos und mit ganz anderen Fragen konfrontiert. Das hat großen Spaß gemacht.
Das Trainerteam steht zunehmend zwischen Förderung und Überforderung. Wie wichtig war Ihnen die Fokussierung auf die Athleten?
Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden. Bei so einem großen Ensemble ist Tiefe eine große Herausforderung. Für Staffel 3 war deswegen früh klar, dass wir die Athletinnen ins Zentrum stellen wollen.
Es geht stark um Emanzipation: von den Eltern, aber auch von den Trainerinnen und Trainern. Teilweise geschieht das freiwillig, teilweise aus der Not heraus, weil die schulische Struktur wegfällt. Diese Verschiebung von Verantwortung hat uns erzählerisch gereizt.
«School of Champions» wird stark über Atmosphäre, Berge und Bewegung erzählt. Welche Rolle spielt die Bildsprache im Zusammenspiel mit dem emotionalen Erzählen?
Eine sehr große. Uns war wichtig, dass sich die Bildsprache immer aus der Geschichte und den Emotionen der Figuren entwickelt. Wir wollten keine großen Bilder zeigen, nur weil sie spektakulär sind, sondern nur dann, wenn sie inhaltlich Sinn ergeben.
Oft hatten wir das Glück, bei frühen Fahrten auf den Berg besondere Lichtstimmungen einzufangen, die einen spannenden Kontrast zur inneren Situation der Figuren bilden. Für Lukas Allmaier (Kamera Folge 1-4) und mich war entscheidend, dass auch die großen, inszenierten Bilder immer aus der Szene heraus entstehen und dem emotionalen Erzählen dienen.
Die Serie erreicht besonders viele junge Zuschauer in der ARD Mediathek. Spüren Sie bei der Regiearbeit eine besondere Verantwortung gegenüber dieser Zielgruppe?
Auf jeden Fall. Es freut uns sehr, dass wir ein junges Publikum erreichen, und diese Verantwortung nehmen wir ernst. Da unsere Schauspielerinnen von Beginn an im Alter der Zielgruppe waren, haben wir sie bewusst stark eingebunden.
Eine 17-Jährige weiß am besten, wie 17-Jährige sprechen, denken und fühlen. Unser Hauptcast war deshalb von Anfang an eine Art Anwältin für die Zielgruppe und für die Themen, die sie wirklich bewegen.
Parallel zum Start von Staffel 3 laufen bereits die Dreharbeiten zu Staffel 4. Wie sehr beeinflussen sich diese beiden Staffeln dramaturgisch gegenseitig?
Da wir immer direkt an die vorherige Staffel anschließen, befinden wir uns teilweise noch im Schnitt, während die nächste Staffel bereits geschrieben wird. Das erlaubt uns, sehr direkt zu reagieren: Wo liegen unsere Stärken? Wo können wir uns weiterentwickeln? Welche Fragen sind offen geblieben, welche Beziehungen wollen wir vertiefen?
Staffel 4 verspricht mit Doping-Gerüchten, medialer Inszenierung und moralischen Grenzfragen eine weitere Zuspitzung. Können Sie schon sagen, wie sehr sich der Ton der Serie dadurch verändern wird?
Ähnlich wie beim Übergang von Staffel 2 zu 3: Unsere Schauspielerinnen – und auch unsere Zielgruppe – sind wieder ein Jahr älter geworden. Diesen Reifeprozess wollen wir thematisch und filmisch abbilden. Es kommt in Staffel 4 noch einmal zu einer Zuspitzung: Unsere Protagonistinnen bewegen sich nun im Profibereich, und damit stellt sich sehr konkret die Frage, wer dort tatsächlich bestehen kann.
Danke für Ihre Zeit!
«School of Champions» kann ab 6. Februar in der ARD Mediathek gestreamt werden. Das Erste zeigt die neuen Folgen am Samstag, 7. Februar, um 23.25 Uhr sowie in der Nacht zum Montag, 9. Februar, ab 00.30 Uhr.