Nach Antisemitismus-Kritik: RTL nimmt umstrittene Raab-Sendung offline

Ein Einspieler zu IBES-Teilnehmer Gil Ofarim enthielt Darstellungen und Kommentierungen, die von vielen als judenfeindliche Stereotype moniert wurden.

Direkt in der ersten Ausgabe des Dschungel-Nachklapps «Die Stefan Raab Show - Die halbe Stunde nach der Stunde danach» sorgte der Moderator mit einem Einspieler über IBES-Teilnehmer Gil Ofarim für Diskussionen. Die Kritikpunkte, die der vermeintlich satirischen Auseinandersetzung mit dessen Hotel-Skandal entgegengebracht wurden, reichten dabei noch über die Tatsache hinaus, dass der Beitrag ausgerechnet am 27. Januar - dem Holocaust-Gedenktag - gesendet wurde.

Denn in der weiteren Darstellung beinhaltete der Einspieler Sequenzen, in denen folgender Off-Text zum Tragen kam: "Das musikalische Talent hat er von Vater Abi Ofarim, der in Wirklichkeit aber gar kein Abi hatte. Das bringt uns zum Betrüger-Gen von Gil, was er seinem Onkel Samuel zu verdanken hat." Weiter tönte es: „Trotz des großen Skandals ist er natürlich ein Ausnahmetalent, das vor allem in der jüdischen Gemeinde einen Hit nach dem anderen landet.“ In diesem Moment wurden ultraorthodoxe Männer beim wilden Tanz gezeigt.

Genau die Herstellung dieses Zusammenhangs in Kombination mit klischeebeladener Aufmachung ist nun Gegenstand weitreichender Kritik geworden. Unter anderen die Autorinnen Ayala Goldmann und Susanne Siegert merkten eine fatale Assoziation des ausgedachten Onkels zum Vorgehen der Hitler-Jugend in den 30er-Jahren an, die ähnliche Konstruktionen nutzten, um Feindbilder für ihre Zwecke zu stilisieren. Für sich folgert Siegert: "Witze über Juden als Betrüger sind keine Witze, sondern Nazipropaganda und Antisemitismus".

Auf Anfrage von "t-online" nahm nun RTL Stellung zu der Kritik: Laut Sender setze sich "Der Beitrag mit der Person Gil Ofarim und seinem öffentlichen Auftreten im Kontext der bekannten Betrugsvorwürfe auseinander", Intention sei eine "humoristisch überspitzte Befassung mit seiner Person" gewesen. Dennoch räumte der Kanal Bedenken ein: „RTL weist jede Form von Antisemitismus entschieden zurück. Zugleich sehen wir ein, dass der Einspieler zu Missverständnissen führen konnte. Vor diesem Hintergrund nehmen wir den Beitrag offline".

Tatsächlich ist die Raab-Sendung vom 27. Januar mittlerweile vollständig von der Plattform RTL+ verschwunden. Gestreamt werden können dort lediglich noch die späteren zwei Ausgaben. Die Produktionsfirma und Stefan Raab persönlich äußerten sich zunächst nicht offiziell zu den Diskussionen.
03.02.2026 19:41 Uhr  •  Mario Thunert Kurz-URL: qmde.de/168640