Routine-Razzia oder Ticket ins Paradies? Das Team von Drogenermittler Dane Dumars erwartet einen Drogengeldfund von 150.000 Dollar und entdeckt hinter einer Wand 20 Millionen. 150.000 Dollar schreiben Drogenhändler ab. 20 Mio aber sind auch für diese viel Geld. Und 20 Mio wecken auch bei den Polizisten Begehrlichkeiten.
Inzwischen ist Affleck im Streaming daheim und auch Matt Damon orientiert sich mehr und mehr in diese Richtung. Und die Chemie zwischen beiden packt nach wie vor, und das, oder obwohl, sie in «The Rip» eher als Kontrahenten agieren. Da ist also dieser Einsatz. Ein Tipp führt die Einheit in eine eher ruhige Wohnsiedlung weit ab von Downtown Miami. Die Straße wirkt ruhig und das Haus, in dem die 150.000 Dollar liegen sollen, wird von einer jungen Frau ohne Vorstrafenregister bewohnt. Sie hat es von ihrer Großmutter geerbt. Es ist also möglich, dass sie tatsächlich nicht weiß, dass in dem Haus Geld versteckt sein soll. Dennoch gehen die Polizistinnen und Polizisten professionell vor, lassen die junge Frau nicht aus den Augen und suchen das Haus ab – um fündig zu werden. Doch statt der 150.000 Dollar, die der Tippgeber erwähnt hat, finden sie eimerweise Geld hinter einer Wand. Geschätzt: 20 Millionen Dollar. Der Fund lässt die Situation augenblicklich eskalieren, denn Routine hin oder her, das Team ist angeschlagen: Eine Kollegin ist ermordet worden. Es ist nicht bei einem Einsatz passiert. Ihr wurde nachts aufgelauert. Es war eine Hinrichtung und der Verdacht steht im Raum (zumindest gilt dies fürs FBI), dass ein Teammitglied möglicherweise korrupt sein könnte. Im Visier steht J.D. Byrne, der bekannt dafür ist, dass ihm sein Temperament gerne mal durchgeht und der schon lange mit seinem Job hadert. Aber auch Dane steht nicht außen vor. Dane gilt zwar als pflichtbewusst und verfügt über eine tadellose Akte, sein Sohn aber ist an Krebs gestorben, Rechnungen sind noch offen, seine Ehe ist über den Verlust des Kindes kaputtgegangen. Was, wenn er längst wusste, dass hier ein wahres Vermögen vergraben liegt? Vielleicht wollte er einfach nicht, dass ihm eine pflichtbewusste Kollegin den Coup seines Lebens vermasselt?! Einen Coup, für den er nun den Rest des Teams auf seine Seite ziehen muss – doch die Chancen stehen gut: Jeder von ihnen hat seine ganz eigenen, verdammt guten Gründe, beim Nachzählen beide Augen zuzudrücken. Denn sind wir mal ehrlich: Bei erwarteten 150.000 Dollar stellt niemand unangenehme Fragen, wenn am Ende auch exakt 150.000 in den Akten stehen.
«The Rip» ist ein herrlich schnörkelloser Thriller von dem Schlag, wie man ihn heute fast nur noch bei den Streamern findet. Eigentlich ist das ein Jammer, denn dieser Film würde im Kino als echtes Gemeinschaftserlebnis perfekt funktionieren. Die nervenaufreibende Frage, wer hier Freund und wer Feind ist, entwickelt eine solche Wucht, dass sie im dunklen Saal noch einmal einen ganz anderen emotionalen Schub entfalten würde. Es ist dieses besondere Knistern in der Luft, wenn man als Zuschauer spürt: Ich bin nicht der Einzige hier im Raum, der gerade vor Spannung an den Fingernägeln knibbelt.
Dass «The Rip» als solider, geradlinger Spannungsthriller mitzureißen versteht, ist nicht unbedingt zu erwarten gewesen, nachdem vor allem Matt Damon sich vor dem Start kritisch über Netflix geäußert hat – was manch Kritiker als eine Art Vorabverteidigung verstand, getreu dem Motto: Der Film ist jetzt nicht so gut, aber es ist nicht unsere Schuld. In einem Gespräch mit dem Podcast «The Joe Rogan Experience» (Mitte Januar 2026) gab Damon nämlich tiefe Einblicke in die strategischen Anforderungen des Streaming-Giganten, die das klassische Geschichtenerzählen grundlegend zu verändern drohen. Laut Damon reagiert Netflix mit seinen Skript-Vorgaben direkt auf das veränderte Nutzerverhalten: Da viele Zuschauer den Fernseher nur noch als Second Screen nutzen und parallel am Smartphone scrollen, verlangt der Dienst, die Handlung eines Films drei- bis viermal innerhalb der Dialoge zu wiederholen. So soll sichergestellt werden, dass auch abgelenkte Nutzer den roten Faden nicht verlieren, wenn sie gerade den Blick vom Bildschirm abwenden. Auch die Dramaturgie, so Damon, leidet unter dem Kampf um die Aufmerksamkeit. Während klassische Actionfilme ihre Spannung und ihr Budget meist für ein großes Finale im dritten Akt aufsparen, drängt Netflix laut Damon darauf, den großen Knall bereits in die ersten fünf Minuten zu packen (hier ist es die Ermodung der Kollegin im Rahmen einer klassischen Verfolgsjagd durch das nächtliche Miami). Ziel sei es, die „Abspringrate“ zu minimieren und die Zuschauer sofort an den Inhalt zu fesseln, bevor sie zur nächsten App wechseln. Damon kritisierte diese Entwicklung deutlich: Das immersive Erlebnis, bei dem man sich voll und ganz auf eine Geschichte einlässt, weiche einer Art Hintergrundberieselung, die das kreative Potenzial des Mediums Film massiv einschränke.