Familienchaos, Haussanierung und Slapstick am Fließband: Ice Cubes zweiter Familienfilm setzt auf sichere, müde Formeln.

Mit
«Are We Done Yet?» («Sind wir endlich fertig?») versuchte Hollywood 2007, den Erfolg von «Are We There Yet?» zu wiederholen – diesmal nicht auf der Straße, sondern auf der Baustelle. Heraus kam eine harmlose, formelhaft erzählte Familienkomödie, die zwar finanziell funktionierte, kreativ aber kaum Spuren hinterließ. Der Film ist zugleich Fortsetzung, Remake und Umdeutung: Er überträgt die klassische Komödienvorlage Mr. Blandings Builds His Dream House in ein modernes, afroamerikanisch geprägtes Familiensetting und verlässt sich dabei fast vollständig auf Slapstick und vorhersehbare Konflikte.
Im Mittelpunkt steht Nick Persons, erneut gespielt von Ice Cube, der sich vom ruppigen Einzelgänger zum Familienvater gewandelt hat. Nick ist inzwischen mit Suzanne verheiratet, ihre Kinder Kevin und Lindsey gehören fest zu seinem Alltag – und als Suzanne ihm eröffnet, dass sie mit Zwillingen schwanger ist, scheint das Glück perfekt. Doch der Platz in der Stadtwohnung reicht nicht mehr, also zieht die Familie in ein renovierungsbedürftiges Haus auf dem Land. Was als Traum vom Eigenheim beginnt, entwickelt sich schnell zum Dauerstress aus Schimmel, schiefen Fundamenten und explodierenden Kosten.
Der Film folgt dabei streng bekannten Mustern: Der Vater übernimmt sich, ignoriert Warnungen, glaubt an schnelle Lösungen – und lernt erst nach zahlreichen Demütigungen und handfesten Katastrophen, was Verantwortung wirklich bedeutet. Drehbuchautor Hank Nelken variiert die Stationen der Vorlage nur minimal. Wo Cary Grant 1948 an der Bürokratie verzweifelte, stolpert Ice Cube über inkompetente Handwerker, Funklöcher und pubertierende Teenager. Überraschungen bleiben dabei weitgehend aus.
Der heimliche Star des Films ist John C. McGinley als Bauunternehmer Chuck Mitchell Jr., eine überdrehte, fast cartoonhafte Figur, die jede Szene mit hektischer Energie auflädt. Kritiker waren sich einig, dass McGinley den Film dominiert, während Ice Cube vergleichsweise zurückgenommen agiert. Diese Zurückhaltung ist durchaus interessant: Der ehemalige Gangsta-Rapper spielt hier bewusst gegen sein Image und präsentiert sich als sanft überforderter Familienmensch. Doch gerade diese Glättung nimmt dem Film jede Reibung.
Warum «Are We Done Yet?» so schlecht ankam, liegt weniger an handwerklichen Totalausfällen als an seiner vollständigen Harmlosigkeit. Die Gags sind vorhersehbar, die Konflikte folgen einem pädagogischen Baukasten, und jede Eskalation wird rechtzeitig entschärft, um bloß niemanden zu irritieren. Selbst potenziell ernste Themen wie Ehekrisen, finanzielle Überforderung oder jugendliche Grenzüberschreitungen werden nur angerissen und sofort wieder aufgelöst. Das Ergebnis wirkt wie ein TV-Film mit Kinobudget.
An den Kinokassen zahlte sich diese Risikovermeidung dennoch aus. Mit rund 58 Millionen Dollar Erlöse gegen geschätzte 28 Millionen Budget war der Film ein solider Erfolg. Das Publikum quittierte die Routine mit Wohlwollen, Kritiker hingegen reagierten deutlich schärfer. Auf Bewertungsplattformen landete der Film im unteren Bereich, oft mit dem Vorwurf, er sei „zu sicher“, „zu glatt“ und „zu inspirationslos“.
Für die Beteiligten hatte der Film kaum negative Folgen. Ice Cube baute seine Karriere als Produzent familienfreundlicher Stoffe weiter aus und blieb sowohl im Comedy- als auch im Actionbereich präsent. Nia Long blieb eine feste Größe im romantischen und dramatischen Fach, während McGinley weiterhin zwischen Serien, Kinofilmen und Comedy-Auftritten pendelte. «Are We Done Yet?» selbst jedoch verschwand schnell aus dem kulturellen Gedächtnis – ein Film, der funktioniert hat, ohne Spuren zu hinterlassen. Im Rahmen von „Filme des Grauens“ steht «Are We Done Yet?» exemplarisch für eine andere Art von schlechtem Film: keinen spektakulären Totalschaden, sondern ein Produkt, das so sehr auf Nummer sicher geht, dass es jede Eigenständigkeit verliert. Es ist Kino als Komfortzone – professionell hergestellt, freundlich gemeint, aber letztlich austauschbar. Ein Film, bei dem man schon nach wenigen Minuten weiß, wie er endet. Und der genau deshalb kaum in Erinnerung bleibt.